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Kritik: Elling (2001)


Komödien zu drehen ist das Eine. Komödien wie "Elling” zu drehen das Andere. Es geht um zwei psychisch gestörte Menschen, die den Versuch unternehmen, sich in den Wirren des Alltags zurecht zu finden. Ein Thema, das in einer Komödie verpackt die Gefahr birgt, sich auf Kosten Schwächerer lustig zu machen. Es erfordert ein hohes Maß an Feingefüh, eine solche Komödie umzusetzen – vom Drehbuch über die Regie bis hin zum Schauspiel. Im Falle von "Elling” ist diese höhere Kunst geglückt. Ähnlich wie es 1998 einem Roberto Benigni gelang, das sehr viel heiklere Thema der Judenverfolgung im Dritten Reich mit Elementen der Komik zu verbinden, schafft dies auch der neue Importschlager aus Norwegen. Der Blick des Zuschauers auf einen durchaus ernsthaften Hintergrund der Geschichte wird mit viel Humor geschärft. Und noch eine Verbindung zwischen Benignis "Das Leben ist schön” und Petter Næss "Elling” spricht für sich: Beide Arbeiten wurden als "Bester ausländischer Film" für den "Oscar" nominiert. Leider ging "Elling” bei der diesjährigen Verleihung leer aus, doch auch eine Nominierung ist eine Anerkennung. Elling (Per Christian Ellefsen) und Kjell Bjarne (Sven Nordin) sind sich bereits als Zimmergenossen in der psychiatrischen Einrichtung ans Herz gewachsen. Nun sollen sie die sichere Umgebung des Anstalt verlassen und ihren Platz im "realen” Leben finden. Gemeinsam beziehen sie eine Wohnung in Oslo. Alles ist neu und aufregend, alles ist aber auch ungewohnt und beängstigend. Der Sozialarbeiter Frank Åsli (Jørgen Langhelle) steht den Beiden zur Seite. Er hilft über erste Hemmschwellen hinweg. Doch aller Anfang ist schwer, und gerade die Dinge, die allgemein hin als selbstverständlich getan werden, sind insbesondere für Elling kaum zu überwindende Hindernisse. Ein Einkauf beim Supermarkt um die Ecke oder das Bedienen des Telefons. Doch es nützt alles nichts: Elling muss sich zusammenreißen, denn Åsli will Erfolge sehen. Schließlich kostet das "Sozialisierungsprogramm” Geld, und viele Kandidaten warten nur auf ihre Chance. Eines Abends liegt eine Frau im Treppenhaus - Reidun Nordsletten (Marit Pia Jacobsen), die Nachbarin von oben. Kjell Bjarne erkennt sofort, dass seine Mithilfe erforderlich ist. Außerdem erkennt er fast ebenso schnell, dass diese Frau das sein könnte, wonach er sich schon so lange sehnt. Denn neben seiner ersten Leidenschaft, dem Essen, würde er nur zu gerne einmal die körperliche Nähe des anderen Geschlechts spüren. Auch Elling geht, wenn auch zunächst in kleinen Schritten, seiner Wege. Dabei erkennt er, dass tief in seinem Inneren ein wahrer Poet schlummert. Und er weiß auch schon, wie er sich seiner Umwelt mitteilen will. Nach und nach werden die Blockaden des Alltags überwunden und die Herausforderungen als Bereicherung verstanden. Das "normale” Leben kann beginnen... "Elling” ist in Skandinavien der mit Abstand erfolgreichste Film aller Zeiten. 800 000 Norweger haben ihn bereits gesehen. Auch wenn der "Oscar" dieser Produktion nicht vergönnt war, sprechen über das Publikumsinteresse hinaus auch zahlreiche Filmpreise für seine Qualität. Und selbst wenn kommerzieller Erfolg noch lange nichts über den Anspruch des Filmes aussagt, im Falle von "Elling” gibt der Erfolg dem Film Recht. Auch hierzulande werden diese außergewöhnlichen Helden die Herzen der Zuschauer erobern – vorausgesetzt man lässt sich darauf ein. Und genau dies wäre meine ganz persönliche Empfehlung, denn "in jedem von uns steckt ein Elling"!





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