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Peter Pan
Peter Pan
© Columbia TriStar

Kritik: Peter Pan (2004)


"Peter Pan": Schmalzige Neuverfilmung mit britischem Humor und einem bestechend guten Hauptdarsteller Gedämpfter Zauber Mit den Abenteuern von Peter Pan, Wendy und den "verlorenen Jungs" verfilmte Regisseur J.P. Hogan ein zeitloses, faszinierendes Thema, das Kinderherzen höher schlagen lässt. Doch die Neuverfilmung der fast hundert Jahre alten Romanvorlage verspricht im Vorfeld mehr, als sie am Ende halten kann. Mit seiner Vision von ewiger Jugend verkörpert Peter Pan den Traum grenzenloser Freiheit und kindlichen Aufbegehrens. Wendy und ihre beiden Brüder zögern deshalb nicht lange, als sie der übermütige Bengel eines Nachts zu einer Reise ins sagenumwobene Nimmerland einlädt: Kurzerhand verlassen sie das elterliche Wohlstandshaus, kämpfen fern der Heimat mit Peter und seinen "verlorenen Jungs" gegen die Piratentruppe um Kapitän Hook und schwelgen in hemmungsloser Zügellosigkeit. Doch die Sehnsucht nach Autorität und Geborgenheit lässt nicht lange auf sich warten. Besser als "Hook"? Geht es nach Regisseur P.J. Hogan, so ist dieser Stoff trotz zahlreicher Verfilmungen bisher noch nie zu seinem Recht gekommen. Eine überaus gewagte Aussage, braucht man doch nur dreizehn Jahre zurückzugehen, um das Gegenteil zu beweisen. Denn verglichen mit Steven Spielbergs "Hook" von 1991 steht das Remake geradezu sinnbildhaft für die plumpe Massenunterhaltung des neuen Jahrtausends. Plastikphrasen, Effekthascherei und pathetischer Schmalz lassen den alten Charme der Geschichte fast gänzlich verschwinden. Vor allem die Fee Glöckchen (ein Jammer: Ludivine Sagnier) wirkt so überstilisiert, dass man sich noch während des Films die gute alte Julia Roberts herbeisehnt, um das neumoderne Nervenbündel endgültig nach Nimmerland zu verbannen. Ähnlich auch die anderen Charaktere: Hook (Jason Isaacs) besitzt nicht dieselbe Präsenz wie Dustin Hoffman, Smee (Richard Briers) nicht die charmant-vertrottelte Art eines Bob Hoskins und die neue Version von Rufio nicht die arrogante Eleganz eines Dante Basco. Einzig Jeremy Sumpter (15) überzeugt als ewig junger Peter Pan und stellt mit schelmischem Grinsen und betörendem Charisma eine gelungene Alternative zu Robin Williams dar. Bleibt also die Frage, warum nach so kurzer Zeit ein Remake produziert wurde, das auf schauspielerischer Seite gegenüber der alten Variante nur abfallen konnte? Und warum wurde die anfänglich so erfrischend britisch wirkende Inszenierung gegen Ende mit kindischem Plastikschmalz derart auf die Spitze getrieben? Vielleicht lag es an Produzent und Hauptgeldgeber Mohammed "Dodi" Al Fayed, der mit "den verlorenen Jungs" einmal mehr versucht, den Tod seines Sohnes und das angeblich ungeborene Kind Dianas emotional zu verarbeiten. Vielleicht war es aber auch einfach nur die verblendete Geldgier der Studios, die – ohne Rücksicht auf Kreativität - schon so manch sinnloses Remake verbrochen hat. "Ich glaube an Feen" "Ich glaube an Feen", sagt Peter Pan trotz allem zum Ende des Films. Doch wie steht es mit den Zuschauern? Glauben die nach 113 Minuten überladenem Kitsch auch noch daran? Falls ja, dann jedenfalls nicht mehr so intensiv wie seinerzeit nach "Hook". Denn der Zauber hat eindeutig nachgelassen.





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