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Kritik: Soldatenglück und Gottes Segen (2002)


Es ist schon wunderbar, wenn die Bundeswehr für ihre Soldaten im Auslandseinsatz einen schmissigen Spruch bereit hat, bevor sie auf ihre schwierige Mission geschickt werden. Der Filmtitel »Soldatenglück und Gottes Segen« bezeichnet folglich nicht nur sehr trefflich den inneren Zustand der Truppe im Kosovo, sondern beschreibt auch das fürsorglich Verhältnis des Staates zu seinen Männern im friedenssichernden Einsatz. Kein Wunder, dass die Truppenbetreuung ein wesentlicher Bestandteil zur Erhaltung der Moral der Militärangehörigen ist. Gunter Gabriel hat diesen Auftrag übernommen, und die beiden Regisseure der ungewöhnlichen Dokumentation greifen das gerne auf.

Gabriel, der sich nicht zu schade ist, aus dem Klassiker "House of the Rising Sun" die etwas plump umgetitelte Version "Es steht ein Haus im Kosovo" (grobschlächtige Satiriker würden jetzt behaupten: Das war einmal) zu machen, ist in der Tat das Spannendste, was die Soldaten bei ihrer Mission zu sehen bekommen. Der eigentlich Einsatz besteht aus banalen Routineaufgaben, welche in der Tat die Frage aufwerfen, inwieweit der immense Kostenaufwand überhaupt gerechtfertigt ist.

Der Dokumentation gelingt es, durch die reine Präsentation der soldatischen Freizeitgestaltung, welche aus Moorhuhnschießen, Kino-Abenden, Konzerten wie dem von Gunter Gabriel und dem andächtigen Lauschen des Truppenradios besteht, in Verbindung mit ihrer kaum vorhandenen Tätigkeit als Schutztruppe die Einsätze der Bundeswehr von ihrem Thron markiger Staatsräsonreden der Politiker zu heben. Um als politische Kraft international Ansehen zu genießen, wird eine sachliche Diskussion über den Sinn der Bundeswehrauslandsaufträge unterdrückt. Indirekt weist "Soldatenglück und Gottes Segen" auch auf diese unwidersprochene Entdemokratisierung hin. Die Dokumentation ist ein Glücksfall für unsere Gesellschaft.






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