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Harry Potter und der Gefangene von Azkaban
Harry Potter und der Gefangene von Azkaban
© 2004 Warner Bros. Entertainment Inc.Harry Potter Publishing Rights © J.K Rowling.

Kritik: Harry Potter und der Gefangene von Askaban (2004)


"Harry Potter und der Gefangene von Askaban": Ein Franchise produziert auf Autopilot Potters prüde Pubertät Wer glaubte, ein unverbrauchter Regisseur mit Independent-Wurzeln würde "Harry Potter" endlich Frischblut injizieren, muss sich eines Besseren belehren lassen: Auch im dritten Lehrjahr auf der Hogwarts-Zauberschule machen Harry und das Kinopublikum nur mit den üblichen Verdächtigen Bekanntschaft. Und das mitten in der Pubertät.

Von Rico Pfirstinger

Bei einer veritablen Geldkuh wie dem "Harry Potter"-Fanchise ist es wohl naiv, von einem unverbrauchten Regisseur frische Impulse zu erwarten. Folglich konnte auch der aus Mexiko stammende und für seinen Independent-Hit "Y tu mamá también" ("...mit deiner Mutter auch!") gefeierte Filmemacher Alfonso Cuarón dem heranwachsenden Zauberlehrling nicht viel Neues abgewinnen. Für hart gesottene Potter-Fans, und derer gibt es ja genug, mag das sogar beruhigend sein. Denn der dritte Leinwandaufguss von Joanne K. Rowlings weltberühmten Jugendbüchern imitiert nicht nur den Stil der beiden ersten Filme, er setzt auf alles noch eins drauf: mehr Abenteuer, mehr Effekte, mehr hochklassige Stars in Nebenrollen. Beibehalten wurde freilich auch die simpel-episodenhafte Erzählweise der beiden von Chris Columbus inszenierten Vorläufer. In "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" sind sich die erneut von Daniel Radcliffe (Harry), Emma Watson (Hermine) und Rupert Grint (Ron) gespielten Zauberschüler mitten in der Pubertät – ein Tatbestand, den Drehbuchautor Steven Kloves jedoch bis auf ein paar Andeutungen prüde-puritanisch ignoriert. Sexualkunde steht in Hogwarts ohnehin nicht auf dem Lehrplan. Dort wird man eher durch andauernden Gewalteinfluss erwachsen, etwa im mühseligen Kampf gegen allerlei blutrünstige Ungeheuer. Und wieder holt die eigene Vergangenheit unseren Protagonisten ein: Der Mörder Sirius Black (Gary Oldman) entkommt aus dem Gefängnis von Askaban und ist nun hinter Harry Potter her. Zusammen mit seinen Freunden Hermine und Ron findet dieser heraus, dass Black am Tod von seinen Eltern mitbeteiligt war. Unbill droht auch von Werwölfen und anderen großen Hunden, gemeinen Mitschülern und zwielichtigen Professoren. Es geht ums nackte Überleben. Kurzum: Business-as-usual in der "Harry Potter"-Welt. Das tricktechnische Highlight dieser mit 140 Minuten Laufzeit eher kurzen Folge ist der so genannte Hippogreif, eine im Computer außerordentlich gelungen animierte Mischung aus Adler und Pferd. Glücklicherweise ist das magische Gen-Experiment auf Harry Potters Seite und dient dem jungen Zauberer als Reitvogel – allerdings nur, wenn unser Held bei Sinnen ist, denn in "Der Gefangene von Askaban" fällt er ubiquitär in Ohnmacht. Schuld daran sind gnadenlose Dementoren: eiskalte Geistgestalten, die sich von den freudigen Gefühlen Lebender ernähren. Und Potter ist ihr Lieblingsopfer. Genauso wichtig wie Spezialeffekte ist im "Harry Potter"-Land die Riege der britischen Stars, die jeweils in Nebenrollen Eindruck schinden. Diesmal sind unter anderem Emma Thompson als schrullige Wahrsagerin Trelawney, David Thewlis als Professor Lupin (nomen est omen) und Julie Christie als Madame Rosmerta mit von der Partie. Und Michael Gambon springt erstaunlich mühelos für den Ende 2002 verstorbenen Richard Harris als Professor Dumbledore ein. Nach "Der Gefangene von Askaban" ist klar: Das "Harry Potter"-Franchise produziert auf Autopilot. Jede Folge läuft, wie eine TV-Sitcom, nach demselben Schema ab. Und daran wird sich auch nichts ändern, wenn Regisseur Mike Newell nächstes Jahr Teil 4 ins Kino bringt.





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