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Das Ministerium für Staatssicherheit - Alltag einer Behörde
Das Ministerium für Staatssicherheit - Alltag einer Behörde
© EDITION SALZGEBER

Kritik: Das Ministerium für Staatssicherheit - Alltag einer Behörde (2002)


Die Dokumentation von Christian Klemke und Jan N.Lorenzen wurde bereits 2002 für Arte und MDR produziert. Erst der Erfolg von von Donnersmarcks "Das Leben der Anderen" aber spülte den nun wiederaufgeführten "Das Ministerium für Staatssicherheit - Alltag einer Behörde" auf die Kinoleinwand, was für die Regisseure selbst einigermaßen unerwartet gekommen sein dürfte, inszenierten sie ihren Film doch ziemlich eindeutig für das Fernsehen. Der schlichte Stil, in dem die Erzählungen der interviewten, ehemaligen MfS-Mitarbeiter weitgehend unkommentiert mit Spielfilm-Ausschnitten und langen Kamerafahrten durch Behörden und Gefängnisse kombiniert werden, bietet nichts, was unbedingt einer großen Leinwand bedürfte. Doch trotz dieser eher anspruchslosen Optik  ist die späte Kinoauswertung durchaus zu begrüßen, ist die Dokumenation doch sowohl wichtig, als auch durchaus interessant und mitunter auch beklemmend.

Wichtig ist "Das Ministerium für Staatssicherheit", weil hier wieder einmal ins Gedächtnis gerufen und verdeutlicht wird, dass die DDR eine lupenreine Diktatur war, in der Menschenrechte und rechtsstaatliche Grundsätze keine Bedeutung hatten.
Interessant ist der Film zum einen wegen der tatsächlich vermittelten Informationen über die Arbeit des Ministerium für Staatssicherheit, zum anderen aber auch wegen des überraschend offenen Einblicks in die Täterpsychologie, der hier ermöglicht wird. Die interviewten ehemaligen MfS-Mitarbeiter erzählen freimütig aus ihrem Arbeitsalltag, ja sie schwelgen förmlich in Erinnerungen an die "spannenden" Aufgaben und die "Kameradschaft" unter Kollegen, und trauern schließlich, Tränen in den Augen, über den für sie so unverständlichen, wie unerwartet gekommenen Verlust ihres ach so schönen Arbeitsplatzes. Manche von ihnen scheinen sich durchaus auch  die Frage nach der eigenen Schuld gestellt zu haben, wobei das Ergebnis allerdings immer das Gleiche ist: Sie selbst trifft  schlicht keine Schuld, denn: Sie haben ja nur ihre Pflicht getan. Die selbe Rechtfertigung brachte schon Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß bei den Nürnberger
Prozessen vor. Darüberhinaus verharmlosen sie alle sowohl ihre Taten, als auch die Folgen für ihre Opfer. Man sei ja "immer im Rahmen geblieben", wird da behauptet. Das Auftreten psychologischer Folgen, etwa wegen Inhaftierung, intensiver Bespitzelung, Bedrohung und Erpressung, werden entschieden abgestritten, obwohl viele der umschriebenen Methoden gerade darauf ausgelegt waren, eine psychologische Wirkung zu erzielen. Und es wird ziemlich standhaft daran festgehalten, dass es sich bei den Opfern ja nach dem herrschenden Gesetz um Straftäter gehandelt habe. Deutlich wie selten in einem Dokumentarfilm lässt sich also in diesen Interviews das psychologische Prinzip der Verdrängung beobachten: Es kann nicht sein, was nicht sein darf - selbst, wenn man es eigentlich besser wissen müsste. Mancher "Verdrängungsschachzug" ist psychologisch durchaus nachvollziehbar und gerade dadurch schockierend. Wie kann man eigentlich sicher sein, dass man selbst nie einer solchen Verdrängungsstrategie bedarf?  Anderes  hinterlässt pures, ungläubiges  Erstaunen. Da erzählt etwa ein ehemaliger Gefängniswärter, dessen Mutter im KZ gestorben ist,  allen Ernstes, er habe seinen Beruf ergriffen um sicherzustellen, dass "so etwas" nie wieder vorkomme. Kurz darauf erläutert er dann die perfiden Haftregeln, deren Einhaltung er jahrelang beaufsichtigt hat. An solchen Stellen wird die Doku dann doch reichlich beklemmend.

So ist die Wiederaufführung der Dokumentation durchaus gerechtfertigt - auch wenn der Film wohl ein eher kleines Publikum ansprechen wird. Auch eine erneute TV-Ausstrahlung wäre wünschenswert.




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