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Kritik: Raumpatrouille Orion - Rücksturz ins Kino (2003)


Galaktisches Bügeleisen

Aus sieben mach eins: Der schnelle Raumkreuzer Orion hebt jetzt auch auf der Leinwand ab - mit Elke Heidenreich als Neuzugang und holpriger Dramaturgie. "Raumpatrouille Orion - Rücksturz ins Kino", ein ziemlich überflüssiger Zusammenschnitt der siebenteiligen deutschen Science-Fiction-Serie aus den 60er-Jahren, soll die Fans des Kultobjekts ab dem 24. Juli in die Filmtheater locken - eigentlich geht es aber bloß ums Videogeschäft.

Damals, vor über 35 Jahren, war alles noch ganz ernst gemeint: "Raumpatrouille" mit Frauenschwarm Dietmar Schönherr als Commander Cliff Allister McLane, "Käpt'n Blaubär" Wolfgang Völz als Mario de Monti und Eva Pflug als gestrenger Leutnant Tamara Jagellovsk zeichnete ein für die 60er-Jahre visionäres Zukunftsbild und war ganz nebenbei ein Plädoyer für die emanzipierte Frau und eine Allegorie auf den Ost-West-Konflikt. Die trinkfeste Besatzung des schnellen Raumkreuzers Orion rettet darin mit deutscher Gründlichkeit eine von Nationalstaaten befreite Welt und zieht gegen die FROGS ins Feld - Feindliche Raumschiffe Ohne Galaktische Seriennummer (und vermutlich nicht einmal versichert). Zwischen den Missionen wird im "Starlight Casino", wo der Alkohol in Strömen fließt, mit ulkigen Verrenkungen getanzt. Die in den Münchner Bavaria-Studios gedrehte Schwarzweiß-Serie war 1966 bei ihrer Erstausstrahlung in der ARD ein orbitaler Straßenfeger, und mit der Zeit wurden die sieben jeweils einstündigen Folgen von den Fans zum Kult erhoben. Heute wirkt das Ganze unfreiwillig komisch - nicht nur wegen der Ausstattung von Oscar-Preisträger Rolf Zehetbauer, der neben Wasserhähnen und gebrauchten Joghurtbechern auch ein Rowenta-Bügeleisen im Kommandostand des Raumkreuzers verbaute, sondern auch dank der windigen Spezialeffekte unter Zuhilfenahme von Kaffeebohnen (Baumaterial für explodierende Planetoiden) und Brausetabletten (Luftblasen beim Orion-Start).

Aufgemöbeltes Kontrastverhältnis

Nun also die Kinofassung. Dabei handelt es sich keineswegs um eine (u. a. einmal von Roland Emmerich geplante) Neuverfilmung oder die immer wieder proklamierte jedoch nie realisierte Fortsetzung der Serie. Der "Rücksturz ins Kino" ist vielmehr ein Rückfall in die 60er-Jahre: ein 90-minütiger Zusammenschnitt der Fernsehepisoden, dessen holprige Dramaturgie von Neuzugang Elke Heidenreich als Nachrichtensprecherin in einer so genannten "Sternenschau" geglättet werden sollte. Doch das ist ebenso misslungen wie der Versuch, mit dem Kinoprojekt, das beim Münchner Filmfest Weltpremiere feierte, den alten Kult neu zu beleben. Zwar klingt die markante Filmmusik von Peter Thomas in der Kinoversion besser als jemals zuvor, und auch die im digitalen Sechskanalton neu gemischten Toneffekte können sich nun hören lassen. Doch was hilft ein im Computer für den Großbildeinsatz blank geputztes Schwarzweißnegativ mit einem fürs Kino aufgemöbelten Kontrastverhältnis, wenn das, was auf der Leinwand vor sich geht, eigentlich völlig überflüssig ist? Der zusammengestopselte "Rücksturz"-Plot ist der Handlung der Einzelepisoden nämlich keineswegs überlegen. Ganz im Gegenteil. Ob der Film, der am 24. Juli mit nur einer Handvoll Kopien in die Kinos kommen und auch bei Open-Air-Veranstaltungen gezeigt sein soll, dabei wirklich erfolgreich ist, ist eher nebensächlich. Die Macher von der Bavaria haben sowieso den Videomarkt im Auge. Grund: Die 1999 bei der Bavaria-Tochter EuroVideo erschienene DVD-Version von "Raumpatrouille" war ein Hit, und wer bereits die beiden Discs der Serie kaufte, so das Kalkül, der wird wohl auch die DVD der Kinoversion haben wollen. Die inzwischen über 70 Jahre alten Darsteller sind an dem neuen Geldsegen allerdings nicht beteiligt. Die Serie, so Altstar Dietmar Schönherr (77), "machte uns zum Gegenteil von Multimillionären". Für seine Kollegin Eva Pflug (74) war der Erfolg damals sogar karriereschädlich: Die erste Emanze der deutschen Fernsehunterhaltung bekam im männlich dominierten Filmgeschäft anschließend erstmal keine guten Rollenagebote mehr.






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