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Kritik: Cars (2006)


Bei Pixar-Filmen lässt sich meist schon im Vorhinein ein Kassenerfolg attestieren. Mit "Cars" brachte man das wohl beliebteste Spielzeug aus Kinderzimmern ins Kino. Die Story um einen Rennwagen entpuppt sich aber im Gegensatz zu früheren Werken leider als Popcornkino ohne große Detailverliebtheit, dem der Intellekt bisheriger Filme zum Teil abhandengekommen ist.

Der quietschrote Rennwagen Lightning McQueen strotzt vor Selbstbewusstsein. Noch über den Verlust seiner Boxen-Crew hinaus besteht er auf seine institutionelle One-Man-Show. Nach einem unentschiedenen Rennen soll er sich mit den beiden anderen Finalisten zu einem Entscheidungsrennen nach Kalifornien begeben, damit dort der schnellste Rennwagen zum Sieger des Piston Cups gekürt wird.

Versehentlich lässt sein Team-Truck Mack das kleine Auto aber in einer verlassenen Gegend auf sich allein gestellt zurück: In dem kleinen Dorf Radiator Springs direkt an der Route 66 trifft dieser auf die hübsche Sally, den alternden Doc Hudson, den Abschleppwagen Hook und einige andere Einsiedler, denen vor Jahren die Kundschaft ihres beschaulichen Örtchens abhandengekommen ist. Schuld daran trägt die neue Umgehungsstraße Route 44, die sich wie ein Lineal vollkommen gerade durch die karge Wüstenlandschaft zieht.

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten zwischen den zwei aufeinanderprallenden Welten beginnen die Dorfbewohner und Lightning McQueen die Gegensätze außer Acht zu lassen und sich zu akzeptieren. Es dauert einige Zeit und schließlich findet der rote Rennwagen zu neuen Wurzeln. Herzerwärmend setzt er sich im Schlussrennen für die Moral der Dorfbewohner ein, die in ihrem nun weltberühmten Dorf andauernden Kundenzulauf erhalten.

Wie aus dieser groben Inhaltswiedergabe ersichtlich, finden wichtige und ehrbare moralische Grundsätze ihren Weg in den Film. Ohne Freunde lässt sich das Leben schließlich nur schwerlich bestreiten und Ruhm ist lange nicht so wichtig wie die eigene Familie. Leider verpasst man es, das Augenmerk wie in vergangenen Pixar-Filmen auch auf kleine Dinge oder Ereignisse zu lenken und den Charakteren einen gewissen Charme zu verpassen.
Stattdessen prescht man mit der Handlung vorwärts ohne dem Zuschauer das Gefühl zu geben, Teil einer abenteuerlichen Reise zu sein. Viel zu nah befindet sich die Story an der Realität und viel zu weit weg ist sie von dem, was sich als fantasievoller Ausflug beschreiben ließe. Statt eines fantastischen Abenteuers präsentieren die Macher einen konsumgesellschaftlichen Plot, bei dem alles eine Nummer größer ist. Die atmosphärisch gelungene Einleitung zeigt ein bombastisch aufgezogenes Rennen, welches ganz im Gegensatz zu der beschaulich traurigen Atmosphäre von "Findet Nemo" oder den von Beginn an sympathisch schrulligen Figuren aus "Monster AG" steht. Ein gewonnenes Rennen als höchstes aller Gefühle kann als Ausgangspunkt einfach nicht mithalten. Zwar ändert sich diese Vorstellung im Laufe des Films, da die Charaktere notgedrungen einem Wandel unterliegen, jedoch verpasst man es schon zu Beginn, den Protagonisten als mitfühlsamen Held zu präsentieren. Der Umschwung im letzten Drittel des Films wirkt damit leider allzu erzwungen.

Natürlich gibt es reichlich humorvolle und unterhaltsame Momente, jedoch wäre es, wie im Film selbst angemerkt, gar nicht so schlecht gewesen, ab und zu mal von Gas zu gehen. Leider hält man sich mit "Cars" nur bedingt an den eigenen Rat, und so dürfte der teils recht alberne und vergleichsweise materialistische Animationsfilm vor allem den Eltern schnell auf die Nerven gehen. Wo Starauftritte von Mikka Häkkinen und Michael Schuhmacher eingebaut werden, vermisst man die Realitätsferne und Abenteuerlichkeit alter Produktionen.

Fazit: Letztlich spielt "Cars" inhaltlich wie charakterlich auf einem Niveau unterhalb von Meisterwerken wie "Findet Nemo", "Das große Krabbeln" oder "Monster AG" und kann wohl diesmal nur unter jüngeren Kinobesuchern wirklich punkten. Man bedient sich an allen Filmklischees und erzählt eine Geschichte, wie sie in abgewandelter Forms schon zig-Fach erzählt wurde und tagtäglich fantasievoller im Kinderzimmer nachgespielt wird. Die Ausreizung der vom Anti- zum Helden gewandelten Hauptfigur am Ende ist vollgestopft mit Pathetik, sticht dabei aber schon recht eindrucksvoll hervor und unterstreicht die finale Moralvorstellung noch einmal sehr deutlich. Auch Dramatik und Humor sind insgesamt einigermaßen stimmig, aber zwischenzeitlicher Witz und zweideutige Anspielung können nicht verhindern, dass sich die Zeit für die ältere Generation stellenweise wie Kaugummi zieht. Schade, dass nach einem schönen THX-Intro der Film beinahe weniger zu unterhalten weiß.




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