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Krieg der Welten
Krieg der Welten
© United International Pictures

Kritik: Krieg der Welten (2005)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Krieg der Welten": Tom Cruise ist wieder mal nicht totzukriegen

Mars macht mobil
Und wieder wird Amerika, diesmal vertreten durch Tom Cruise, von hundsgemeinen Aliens attackiert - wer den monumentalen "Krieg der Welten" wohl gewinnen wird? Immerhin: Regie führt kein Geringerer als Steven Spielberg, doch dem gehen offenbar langsam die Ideen aus. Macht nichts: Hollywoods Wunderkind zitiert und variiert sich notfalls einfach selbst.

Roland Emmerich dürfte sich dieser Tage fragen, wer hier eigentlich wen kopiert. Denn Steven Spielbergs Filmapokalypse "Krieg der Welten", frei nach dem Science-Fiction-Klassiker von H.G. Wells, wirkt wie ein Aufguss von Emmerichs "Independence Day". Der Plot – Außerirdische erobern die Erde, um die Menschheit auszulöschen – ist hinlänglich bekannt, seit Orson Welles am 30. Oktober 1938 mit einer etwas zu authentischen Hörfunkversion den paranoiden Teil der US-Bevölkerung in Panik versetzte. Bei Steven Spielberg kommt freilich hinzu, dass seine Alien-Filme immer auch Familiendramen sind. Diesmal im Aufgebot: ein geschiedener Trash-Daddy (Tom Cruise), ein aufsässiger Teenie-Sohn (Justin Chatwin), ein kreischendes Töchterchen (Dakota Fanning) und eine Ex aus besseren Verhältnissen (Miranda Otto). Für Spielberg ist diese Menagerie das Abbild einer typisch amerikanischen Familie. Alles wie gehabt – bloß dass die Aliens diesmal nicht zum Knuddeln taugen.

Ray Ferrier ist Hafenarbeiter in New York, ein "simple man" und kein besonders guter Vater. Kurzum: Ray wohnt und benimmt sich wie ein Vollzeitproll – doch aufgepasst, das ist nur Hollywoodfassade! Ray wird nämlich von Superstar Tom Cruise gespielt, dem derzeit unsterblichsten Helden aus der Traumfabrik. Schon in "Last Samurai" war er nicht totzukriegen, und diese Aura wundersamer Unbesiegbarkeit dehnt sich in "Krieg der Welten" auch auf seine Filmfamilie aus. Die Konsequenz: ein haarsträubendes Happy End im besten Seifenoper-Stil. "Mr. Cruise", haderte da ein aufrechter Zeitgenosse bei der Europapremiere in Berlin, "warum bloß dieses übertrieben positive Ende?" "Weil wir es so wollten", grinste der Sonnyboy zurück, fand die Frage allerdings so putzig, dass er erst einmal einen Lachanfall bekam. Wir lernen: Wenn Ray alias Cruise erkältet ist, geht auch den Aliens die Puste aus. Die Hollywood-Blase, die den Star umhüllt und ihn, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen, vom Lebenswandel der Normalsterblichen fernhält – diese Blase hat längst auch von seinen Filmrollen Besitz ergriffen.

Dünnbrettbohrer aus dem All
Weil also Cruise und Spielberg "es so wollten", verlegte Drehbuchautor David Koepp ("Jurassic Park") die über hundert Jahre alte Buchvorlage ohne Rücksicht auf Verluste in das heutige Amerika. Das Ergebnis ist so glaubwürdig wie Donald Rumsfeld – und nicht gehaltvoller als Jeff Waynes hörenswerte Musical-Version, eine vor knapp 30 Jahre eingespielte und bei Freunden des Progressive Rock bis heute hochgeschätzte Studioproduktion. In Spielbergs unintelligenter Popcorn-Adaption haben die Angreifer zwar fotogene Wunderwaffen, Schutzschilde à la "Independence Day" und blitzende EMP-Emitter – doch simple Infrarotsensoren, Nachtsichtgeräte oder auch nur einen Bewegungsmelder haben sie offenbar zuhause liegen lassen. Kein Wunder also, dass die Dünnbrettbohrer aus dem All am Ende schmählich auf der Strecke bleiben. Dummheit wird eben bestraft. Außer man ist Amerikaner. Oder Drehbuchautor.

Zumindest inhaltlich ist Spielbergs mit Biowaffen gewonnener Krieg gegen den Alien-Terror also ein veritabler Rohrkrepierer. Da trifft es sich ganz gut, dass der Ausnahmeregisseur wenigstens handwerklich voll auf der Höhe ist. Seit der gut fünfzig Jahre alten Erstverfilmung dieses Stoffes hat sich in der Effekttechnik natürlich viel getan, und Janusz Kaminskis Kameraarbeit ist schlicht und einfach bahnbrechend. Für "Ahs" und "Ohs" ist hinreichend gesorgt, und die zahllosen digitalen Malereien, wie immer aus dem Hause ILM ("Star Wars"), wirken vor allem deshalb überzeugend, weil sie meist nicht als solche zu erkennen sind. Dramaturgisch zieht der Filmemacher alle seit "Der weiße Hai" bekannten und für ihn so typischen Register. Folglich spielt sich in "Krieg der Welten" ein Großteil des Schreckens im Verborgenen ab, etwa wenn unsere Helden (und mit ihnen der Zuschauer) ängstlich im Keller kauern, während draußen, lediglich von Licht- und Soundeffekte suggeriert, etwas Unsägliches geschieht.

Spielberg zitiert sich offenbar gern selbst und dabei insbesondere seine Alien-Epen "Unheimliche Begegnung" und "E.T.". Das Kino aber hat er – anders als es die hysterisch überdrehte Marketingmaschine propagiert – mit diesem Film keinesfalls neu erfunden.

Film in OV gesehen am 14.6.05 in Berlin




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