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Poseidon
Poseidon
© 2006 Warner Bros. Ent.

Kritik: Poseidon (2006)


"Poseidon": Kentern an der Kinokasse Untergang interruptus Wie man am Box-Office die große Welle macht, hat Wolfgang Petersen schon mit "Der Sturm" gezeigt. Mit dem mindestens 160 Millionen Dollar teuren Action-Remake "Poseidon" zog es den Hollywood-Export aus Emden nun schon wieder an die nasse Katastrophenfront. Herausgekommen ist dabei ein handwerklich und technisch einwandfreies Filmspektakel, das auf ausgefeilte Handlungsstränge oder Charaktere konsequent verzichtet. Weniger ist eben manchmal mehr. Die Stars des Films kommen aus dem Computer: der pompöse Luxusdampfer, die turmhohe Riesenwelle, die ihn zum Kentern bringt und schließlich das unfassbare Geschehen im Inneren des Ozeanriesen – all das sind digitale Bildprodukte von verschiedenen Effekteschmieden, die Wolfgang Petersens spektakulärem Action-Film "Poseidon" sein Profil verleihen. Denn abgesehen davon ist der Streifen so banal wie das zum Trash-Kult avancierte Original von 1972, in dem Shelley Winters und Gene Hackman sich und eine Handvoll eingeschlossene Passagiere zwischen Klischees und plumpen Dialogen retten müssen, ehe der kieloben im Wasser treibende Luxusliner endgültig im Ozean versinkt. Wie "Erdbeben" oder "Flammendes Inferno" gilt auch "Die Höllenfahrt der Poseidon" als typischer Katastrophenfilm der Post-Vietnam-Ära – und wie das Original suhlt sich auch Petersens Remake in bildgewaltiger Zerstörungswut und zelebriert die Lust am Untergang. Den dünnen Handlungsfaden steuert wie gehabt ein aus allerlei gesellschaftlichen Schichten rekrutiertes Grüppchen bei, das sich beim abenteuerlichen Kampf ums Überleben in menschlichen Fallstricken verfängt. Klischeefiguren mit geringer Halbwertszeit Regisseur Wolfgang Petersen (65), mit "Das Boot" und "Der Sturm" in maritimer Katastrophenkunde hinreichend bewandert, fiel zu diesem ausgedienten Genre leider überhaupt nichts Neues ein. Der Emdener betrachtete "Poseidon" offenbar als gut dotierte Auftragsarbeit, während die Warner-Studios sich das finanzielle Risiko der Produktion zur Hälfte mit privaten Investoren teilten. Ein kluger Schachzug, hat sich der 160 bis 200 Millionen Dollar teure Streifen doch in Amerika bereits als spektakulärer Flop erwiesen. Petersens oberflächliches Ensemble wird von Kurt Russell alias Robert Ramsey angeführt, einem früheren New Yorker Bürgermeister und Feuerwehrmann. Eskortiert wird er von seiner attraktiven Tochter (Emmy Rossum aus "The Day After Tomorrow") und ihrem sexuell überaktiven Freund (Mike Vogel). Vergleichsweise schillernd: der blauäugige Frauenschwarm Josh Lucas ("Stealth") in der Rolle eines überaus patenten Profizockers, der sich in eine junge Mutter (Jacinda Barret) verguckt, die mit ihrem kleinen Sohn (Jimmy Bennett) als Passagier auf der "Poseidon" ist. Oscarpreisträger Richard Dreyfuss spielt einen schwulen Architekten mit selbstmörderischen Anwandlungen, und Mia Maestro aus "Alias" ist als blinder Passagier mit von der Partie. Außerdem: Matt Dillons jüngerer Bruder Kevin und Freddy Rodriguez ("Six Feet Under") in Rollen mit – wie sagen wir es höflich – eher geringer Halbwertszeit. Weil in Sachen Plot und ausgefeilten Filmfiguren bei "Poseidon" Flaute herrscht, konzentriert sich Petersen mit deutscher Effizienz aufs Wesentliche: atemlose Action, Spannung, Thrills und grandiose Bilder – letztere hat er sich allerdings zum Teil bei Spielbergs "Krieg der Welten" abgeguckt. Die ohnehin banalen Dialoge wurden radikal gekürzt, nach kurzweiligen 90 Filmminuten ist die Katastrophe überstanden. Und ob Sie es nun glauben oder nicht: Das Ganze kann sich durchaus sehen lassen.





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