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Wie im Himmel  2000-2005 PROKINO Filmverleih GmbH
Wie im Himmel 2000-2005 PROKINO Filmverleih GmbH

Kritik: Wie im Himmel (2004)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit dem riesigen Erfolg hatte Kay Pollak nicht gerechnet, immerhin war "Wie im Himmel" sein erster Film nach 18 Jahren. Der Grund für die lange Pause des Regisseurs ist ein tragischer: Als der schwedische Ministerpräsident Olof Palme nach einem Kinobesuch 1986 ermordet worden war, zog sich Pollak erschüttert aus dem Geschäft zurück. Beinahe zwei Jahrzehnte später bescherte ihm sein heiter bis kitschiges Musikdrama nicht nur eine Oscarnominierung, mit mehr als zwei Millionen Besuchern zählt "Wie im Himmel" im dünn besiedelten Schweden bis heute zu den erfolgreichsten Filmen überhaupt. Auch in Deutschland lief er mancherorts monatelang und machte dem hiesigen Publikum noch vor seinem internationalen Durchbruch mit der "Millennium"-Trilogie den in diesem Jahr früh verstorbenen Schauspieler Michael Nyquist bekannt.

Dramaturgisch setzen die fünf Drehbuchautoren, zu denen auch Pollak und seine Frau Carin gehören, auf die Ankunft eines Fremden, der das Gefüge einer Gemeinschaft – schon einmal in nervösen Handkamerabildern – gehörig durcheinanderwirbelt. Ein Großteil der Western und Horrorfilme funktioniert bis heute nach diesem erzählerischen Muster. In Pollaks Drama sind die Figuren zwar nicht frei von Klischees, aber weit von genreüblichen Archetypen entfernt und so vielschichtig und geerdet, dass die Zuschauer problemlos an all deren Probleme und Problemchen andocken können. In diesem Dorf findet sich schlicht jeder im Publikum irgendwo wieder.

Trotz eines etwas zu dick aufgetragenen Endes gelingt Pollak großes Gefühlskino, weil er seine Figuren ernst nimmt, mit all ihren Stärken und vor allem Schwächen zeigt, aber niemals vorführt. Vor übertriebener Rührseligkeit schützt sich der Regisseur mit einer ausgewogenen Mischung aus Kritik und Humor. Die Kirche und deren engstirnige Vertreter bekommen ebenso ihr Fett weg wie ehemalige und gegenwärtige (Schulhof-)Schläger, selbst ernannte Moralapostel oder Besserwisser. Statt den Fremden gewaltsam wieder auszustoßen und im selben Dorftrott fortzufahren, finden die Bewohner durch die herrlich vorgetragene Musik ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl und den Mut zur Veränderung. Vielleicht kein realistisches, aber ein tröstliches Ende.

Fazit: Kay Pollaks Drama "Wie im Himmel" bietet großes Gefühlskino mit wunderschöner Musik, vielschichtigen Charakteren und der richtigen Mischung aus Tragik und Komik. Die simple Geschichte eines Fremden, der den Blickwinkel eine Gruppe verschiebt, macht auf unsentimentale Art Mut, das eigene Leben zu verändern.




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