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Die Drei ??? - Das Geheimnis der Geisterinsel
Die Drei ??? - Das Geheimnis der Geisterinsel
© Buena Vista International Germany

Kritik: Die drei ??? - Das Geheimnis der Geisterinsel (2007)


Die Kinderkrimi-Serie "Die drei ???" ist ein Phänomen: 1964 veröffentlichte der Verlag Random House in den USA den ersten Band um die drei Detektive Jupiter Jones, Peter Crenshaw und Bob Andrews. Vier Jahre später eroberten die Kinderkrimis um die drei Detektive (umbenannt in Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews) den deutschen Markt – und das weitaus erfolgreicher als in den USA, wo die Serie Ende der 80er Jahre komplett eingestellt wurde.
In Deutschland hingegen führte der Bucherfolg zur Einführung einer Hörspielserie: 1979 brachte dasLabel Europa die ersten drei von insgesamt 120 "Die ??? Fragezeichen"-Kassetten auf den Markt. 2005 erzwang ein Rechtsstreit das Ende der beliebten Serie unter dem altbekannten deutschen Titel – seither ermitteln die altbekannten Detektive als "Die Dr3i" in bislang 7 Hörspielen.

Heute sind die Fans der Serie im Schnitt um einiges älter als man von einer Kinderkrimi-Hörspielserie so erwarten würde: Viele sind in den 80ern mit den drei Detektiven aufgewachsen, sind also lange erwachsen und können ihre alten Lieblings-Kassetten gemeinsam mit ihren Kindern anhören (sofern die Kinder gewillt sind ihre Spielekonsolen, Gameboys und Fernseher für die Dauer eines Hörspiels ruhen zu lassen).

Angesichts der langen Erfolgsgeschichte ist es einigermaßen erstaunlich, dass mit Florian Baxmeyers "Die drei ??? - Das Geheimnis der Geisterinsel" erst jetzt der erste Film um die jungen Detektive in die Kinos kommt – zumal die alten Hörspiel-Konkurrenten "TKKG" und "Die fünf Freunde" schon lange den Weg auf Leinwand und Mattscheibe gefunden haben.
Zwar ist wegen der seit Jahrzehnten treuen Fangemeinschaft ein Leinwandabenteuer nicht gerade einfach umzusetzen, andererseits aber beeinhaltet die solide Fanbasis natürlich eine große Chance – und es schien durchaus so, als seien die Produzenten gewillt eben diese Chance auch zu nutzen. So war die Wahl des 1974 geborenenFlorian Baxmeyer als Regisseur, durchaus dazu angetan Hoffnung gerade bei den "Alt-Fans" zu wecken - immerhin zählt sich Baxmeyer selbst zu dieser Gruppe. Umso erstaunlicher, dass der mit dem Studentenoscar für seinen Kurzfilm "Die rote Jacke" ausgezeichnete Baxmeyer bei seiner Hörspiel-Adaption nun ausgerechnet eben jene "Alt-Fans" komplett aus den Augen verloren hat.

Für den ersten Leinwandauftritt der drei Detektive wurde die altbekannte Serie kräftig modernisiert, was weitreichende Veränderungen auch bei den zu überraschend kindlichen Knirpsen verjüngten Hauptfiguren zu Folge hat. So ist nun etwa Bob Andrews, der früher ein Bücherwurm war und seine Zeit mit Recherchen in Bücherei oder Zeitungsarchiv verbrachte, zum kleinen Nerd geworden - ein Technikfreak und nahezu ebenso großer Schlaumeier wie Superhirn Justus. Peters Vater hingegen ist im Film Projektleiter für den Bau eines Vergnügungsparks, und der Schauplatz der Story liegt nicht etwa in Kalifornien sondern in Südafrika. Angesichts zahlreicher weiterer kleinerer und größerer Veränderungen hat die Story mit dem Original-Hörspiel gleichen Namens nur noch wenig gemein.
Nostalgiker-tauglich ist Baxmeyers "Die drei ???"-Version also eher nicht – zu umfangreich sind die Eingriffe.

Aber selbst für erwachsene "Nichtkenner" dürften die Veränderungen, angesichts ihrer recht inkonsequenten Durchführung, gelegentlich etwas irritierend sein.
Mit altersgerechtem Verhalten scheinen die verjüngten Detektive zum Beispiel so ihre Probleme zu haben. Mächtig schwanken sie zwischen kindlichem und pubertärem Gehabe – da wird mit Teddys gekuschelt, während gleichzeitig ein Hahnenkampf um die südafrikanische Urlaubsbekanntschaft Chris entbrennt. Wie alt die drei Jungs denn nun eigentlich sein sollen, wird so leider nicht recht klar.
Verwirrend auch, dass Justus, analog zu den Hörspielen, "Dickerchen" genannt wird – während der Justus-Darsteller Chancellor Miller aber keineswegs übergewichtig ist. Und warum Peter Ängstlichkeit vorgeworfen wird, dürfte zwar den Fans klar sein – den "Nichtkennern" aber wird es eher schleierhaft bleiben.
An einigen Stellen hätte also eine zusätzliche Erklärung ganz gut getan – wohingegen an anderen Stellen komplett Unnötiges erwähnt wird. Beispielsweise wird, nachdem man gerade gesehen hat wie eine Frau in einem Höhleneingang verschwindet, im Dialog hilfreich erläutert, dass da eine Frau in eine Höhle gegangen ist. Derartige Sinnlosigkeiten können natürlich in jedem Film mal vorkommen – es ist aber eben kein Einzelfall, so dass sich die Autoren vorwerfen lassen müssen, Dialogzeilen sinnlos verprasst zu haben, während sie den Raum wunderbar für notwendige Erklärungen der Hintergründe hätten nutzen können.

Da das "Die drei ???"-Debüt insgesamt Erwachsenen nicht allzu viel zu bieten hat, kann man unterstellen, dass die ausschließlich anvisierte Zielgruppe das Teenie-Alter noch nicht erreicht hat. Und immerhin: Als Kinderfilm rund um coole, "Spykids"-ähnliche Detektive scheint das erste Leinwandabenteuer der drei Detektive durchaus zu funktionieren – die bei der Pressevorführung anwesenden Kinder wirkten zumindest nicht unzufrieden oder gelangweilt.
Die (finanziell wohl etwas potenteren) Alt-Fans freilich wird das nicht wirklich trösten. Und so bleibt ein schaler Nachgeschmack: Chance vertan!




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