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Die Legende von Beowulf
Die Legende von Beowulf
© 2007 Warner Bros. Ent.

Kritik: Die Legende von Beowulf (2007)


„Beowulf“ ist die längste, schriftlich erhaltene alt-englische Heldensage, ein Versepos, das etwa im 8. Jahrhundert verfasst wurde, von dem heute allerdings nur die rund zwei Jahrhunderte später entstandene Abschrift eines Mönchs existiert. Durchsetzt mit Mythen erzählt das Original-Manuskript historische Ereignisse aus dem Gotenreich des 6. Jhds., wobei die Hauptfigur der sagenhafte König Beowulf ist. dessen Leben anhand von zwei besonderen Taten nachgezeichnet wird.

Für den von Robert Zemeckis inszenierten und produzierten Film „Die Legende von Beowulf“ haben die Drehbuch-Autoren Neil Gaiman und Roger Avary das Epos kräftig entrümpelt, umgebaut und ergänzt, um aus der in zwei Kapitel unterteilten Dichtung eine zusammenhängende Erzählung mit herkömmlichen Spannungsbogen zu basteln. Heraus kam dabei eine Testosterontriefende Story um notgeile nordische Krieger und sexy Dämonen mit ausgeprägtem Mutterinstinkt – nicht übermäßig spannend, aber auch nicht allzu schlecht, schlicht: Geschmackssache.

Gedreht wurde das Ganze im Motion-Capture-Verfahren, bei dem Schauspieler in Taucheranzügen mit lustigen, quer über den gesamten Körper verteilten Punkten in einem leeren Raum vor sich hin agieren und dabei von bis zu 40 Kameras aufgenommen werden. Nach entsprechender Bearbeitung des digitalen Bildmaterials kommt am Ende ein Film heraus, der massiv an die Zwischenszenen von Computerspielen erinnert – jederzeit rechnet man damit aufgefordert zu werden, die Steuerung der Hauptfigur zu übernehmen um das Schwert schwingend auf Monsterjagd zu gehen.
Mit ihrer künstlichen Haut-Oberfläche und den seltsam leblosen Augen wirken die Figuren echt und unecht zugleich – eine Optik, die wie schon die Story Geschmacks-, aber glücklicherweise zusätzlich auch Gewöhnungssache ist (mich zumindest hat der Look irgendwann nicht mehr gestört). Negativ fallen dann allenfalls noch einige Einstellungen auf, die offenbar komplett digital (d.h. ohne auf Bewegungsmuster der Schauspieler zurückzugreifen) animiert wurden: Wenn ein und dieselbe Figur sich in dem einen Moment extrem realistisch bewegt, im nächsten Moment aber so holprig animiert daher kommt, dass man sich in einem schnell dahingeschluderten Zeichentrickfilm wähnen könnte, wirkt das schlicht ein wenig schizophren.

Von den Darstellern scheint der in einer Doppelrolle – als Vater und Sohn – auftretende John Malkovich (erwartungsgemäß?) am besten mit den eher ungewöhnlichen Drehanforderungen zurecht gekommen zu sein. Doch auch die meisten anderen Darsteller, etwa Anthony Hopkins als König Hrothgar, Hauptdarsteller Ray Winston oder auch Brendan Gleeson als Beowulfs treuer Freund Wiglaf (der mich merkwürdigerweise ebenso unbegründet wie penetrant an „Der Herr der Ringe“ erinnert hat) machen keine schlechte Figur. Vielleicht einen kleinen Tick zuviel des Klischees ist die überlebensgroße Sexbombe Angelina Jolie, von der im Vorfeld werbewirksam verbreitet wurde, sie werde nackt zu sehen sein. All jenen, die allein dieses Versprechens wegen ins Kino pilgern wollten, seien, zur Vermeidung übler Enttäuschungen, zwei Tatsachen ins Gedächtnis gerufen: 1. Jolie steckte während der Dreharbeiten in einem Taucheranzug und 2. Es handelt sich um einen amerikanischen Film. Bedeutet: Auf der Leinwand sieht man eine digitale Figur und auch wenn die zufällig mal nackt sein sollte, sieht man rein gar überhaupt nichts was in irgeneiner Form US-Sittenwächter erzürnen könnte.

Fazit: Tendenziell ist „Die Legende von Beowulf“ eher ein Film für die männlichen (und jüngeren) Zeitgenossen – und natürlich auch insgesamt einfach reine Geschmacksache. Ein Film, den man sich anschauen kann, bei dem man aber auch nicht wirklich etwas verpasst, wenn man ihn nicht sieht - nicht einmal eine nackte Angelina Jolie...




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