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Harry Potter und der Orden des Phönix Harry Potter...ights
Harry Potter und der Orden des Phönix Harry Potter Publishing Rights
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Kritik: Harry Potter und der Orden des Phönix (2006)


Man kennt es schon: Ein neuer Harry Potter kommt und vorab wird erzählt oder nur geflüstert, das jüngste Werk sei das bisher "düsterste" oder gar "reifste". Bloody nonsense: Was will man denn erwarten – selbst zu denen, die nicht alle Bücher gelesen haben, dürfte sich herumgesprochen haben, dass jeder Teil mit einem Showdown zwischen Harry und Voldemort endet... und, dass Harry tatsächlich älter wird und somit die anfängliche kindliche Begeisterung darüber, urplötzlich Teil (oder unfreiwilliges Zentrum) einer magischen Welt zu sein, langsam nachlässt. Allerdings: Quidditch gibt’s in Teil V nicht, ebenso wenig putzige Geister. Außerdem ist der Humor um einen Hauch dunkler, mit gruseligen Kätzchen in Umbridges Büro beispielsweise. Dennoch kann von einem "düsterer" keine Rede sein: Haupt- und Nebencharaktere huschen auch zu flüchtig vorbei, um sich wirklich für sie zu fürchten - selbst ein schockierender Mord wird kurz abgehandelt.

Die Story: Harry hat in "Der Orden des Phönix" nicht nurmehr eine gegnerische Quidditch-Manschaft und die üblichen Feinde am Zauberinternat Hogwarts gegen sich, sondern gleich den Kopf der Regierung seiner Welt, Cornelius (name by nature) Fudge, sowie damit indirekt die opportunistische Zauberer-Gazette "Der Tagesprophet". Niemand außer seinem engsten Freundeskreis glaubt Harry, dass der gefährliche Lord Voldemort wieder lebt und einen neuen Krieg vorbereitet.
Um die wichtigste Bildungsstätte der Zaubererwelt unter Kontrolle zu halten, setzt Fudge die überloyale Dolores Umbridge als "Großinquisitorin" ein – was mit Imelda Staunton als Predator in Pink die Höhepunkte des Films ausmacht: In altjüngferlichen rosa-lila Gewändern, begleitet von kieksig-künstlichem Lachen verbreitet sie mit immer neuen Änderungen der Schulordnung und drakonischen Strafen fast mehr Angst, als der dunkle Lord selbst. Überhaupt sind die Nebenrollen wie üblich mit erstklassigen Akteuren besetzt, allen voran Helena Bonham Carter in kurzen, wenn auch prägnanten Auftritten als gestörte Voldemort-Jüngerin Bellatrix Lestrange. Dem ziemlich nahe kommt die irische Newcomerin Evanna Lynch als Luna Lovegood, wenngleich man das Buch gelesen haben muss, um ihren Charakter – einer der ungewöhnlichsten im Potter-Universum – einschätzen zu können.

Für diese Neulinge treten die ohnehin zu ewigen Einzeilern verdammten erstklassigen Standardnebenrollen allerdings noch weiter zurück: Maggie Smith, David Thewlis und Emma Thompson huschen in wenigen Sekunden vorbei und selbst Harrys engste Freunde Ron und Hermione steigen zu belanglosen Nebenfiguren ab. Deshalb wirkt auch der im Film als Leitmotiv beschworene "Wert der wahren Freundschaft" aufgesetzt.
Zu Harry selbst: Über Radcliffes schauspielerische Fähigkeiten gehen die Meinungen seit jeher auseinander. Schlechter ist er auf keinen Fall geworden. Ob die im Vergleich zum Buch extrem reduzierten Gefühle – Wut und Trauer – ihm anzulasten sind, ist ebenfalls fraglich. Von der Dramaturgie ausgehend liegt eher der Schluss nahe, dass komplexere Emotionen Action und Special Effects nicht überschatten sollten. Dementsprechend armselig ist Harrys erster Kuss geraten: Von Verliebtheit keine Spur – aber immerhin hübsch anzusehen.

Fans der anderen Teile werden dennoch kaum enttäuscht sein: Wie bereits gesagt sind auch die kleinsten Nebenrollen brilliant besetzt, es tauchen neue wunderbare Kreaturen und allerlei fantastische Settings auf. Gelungen ist außerdem die Konzentration des gewaltigen Plots des längsten Buches. Tatsächlich sind die vorgenommenen Einsparungen und Änderungen der Geschichte und Atmosphäre des zugrunde liegenden Romans treuer, als bei der letzten Verfilmung, "Der Feuerkelch". Selbst subtile politische Untertöne wie willkürliche Gesetzesänderungen im Namen der "Sicherheit" und die unheilschwangere Klimaveränderung wurden mit aufgenommen.
Es bleibt die Frage – und für viele die Hoffnung – ob die Filmreihe sich nach dem letzten Buch, das in diesem Monat veröffentlicht wird, vielleicht doch noch vom vorgefassten Schema entfernt. Was den nächsten Film angeht, ist dies jedoch wenig wahrscheinlich: David Yates wurde ein zweites Mal mit der Regie betraut.





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