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Elisabeth - Das goldene Königreich
Elisabeth - Das goldene Königreich
© Universal Pictures International Germany GmbH

Kritik: Elizabeth - Das goldene Königreich (2007)


Knapp ein Jahrzehnt nach dem mal eben für sieben Oscars nominierten Bilderreigen „Elizabeth“ setzt Regisseur Shekhar Kapur seinen sezierenden Blick auf das elisabethanisches Zeitalter in üppigen Bildkadern fort. 
Produzent Tim Bevan hatte angefragt, ob er nicht bei dem Historien-Movie das Regiezepter in die Hand nehmen wolle. Ein Paradoxon: als Inder ohne jegliche Erfahrung mit europäischen Filmsujets ein uraltenglisches Thema wie die komplizierte Vita von Elizabeth I. auf die Leinwand zu bannen, das erschien Kapur zunächst allzu absurd. Zum Glück für den Zuschauer ließ er sich schließlich überreden, „Elizabeth“ trotzdem zu drehen. Als überzeugende Protagonistin konnte er erneut Cate Blanchett („Tagebuch eines Skandals“) rekrutieren, die seinerzeit durch das Prequel eine steile Karriere erfuhr. In weiteren Rollen sind Samantha Morton, Geoffrey Rush und Clive Owen zu bewundern.
 
Hier wurde keine romantisierende und hegemoniale Verklärung wie zum Beispiel bei der „Ver“filmung des Lebens von Sissi betrieben. Zu gnadenlos agieren alle Beteiligten, zu dichotomisch die Verschmelzung zwischen Guten und Garstigen. Eher Pracht- und kraftvolles Kino über eine extraordinäre Herrscherin, die nicht umsonst zum Symbol einer Ära emporwuchs um die gesamte Welt zu verändern.

Bewegend erzählt „Elizabeth - Das goldene Königreich“ vom größten Kampf einer Frau, ihre Liebe zu kontrollieren, zu eliminieren, ihre Feinde zu zerschlagen und einzig ihrem Reich zu dienen. Mehr als überzeugend cool von Cate Blanchett kolportiert, die in diesem Part abermals ihr definiertes Schauspieltalent unter Beweis stellt. Unnahbar, unbarmherzig und maskenhaft: Der Preis, den Elizabeth für ihren Machterhalt zahlen muss, ist unmenschlich, gerade für die emotionalen Lebenswelten einer doch sensiblen Frau. Zugunsten der Staatsraison verzichtet sie nämlich auf ihre große Liebe und so legt sie ihre gesamte Verbitterung, ihre ganze versteinerte Härte in ihre Physiognomie, verzieht keine Miene, erleidet und erduldet. Mit britischer Würde und distinguierter Dauerhaftigkeit erträgt sie jederzeit ihr Schicksal, sogar, als ihr die Hinrichtung droht ist sie stoisch still.

„Liebe bedeutet Kontrollverlust, das kann einem große Angst bereiten. Grundsätzlich ist für mich Liebe nicht so rein und harmonisch, wie sie oft dargestellt wird, nein sie kann eine ziemlich schmutzige Angelegenheit sein“, philosophierte Blanchett bei der Premiere in London über ihre Elizabeth. 

Kein leichtes Film-Amüsement, aber verstörend unterhaltsam, wie ein profunder Geschichtsfilm nur sein kann und sollte. Es ist ein brillant gesetteter Film über Verzicht, Verrat und Verschwörung und irgendwie eine Ode auf eine unheimlich starke Frau unter deren umsichtiger Regentschaft England das Golden Age erlebte. Natürlich nicht ohne persönliche Einschränkungen Elizabeths: sie unterwirft ja den größten Teil ihrer eigenen Bedürfnisse dem Ansehen des Throns und Englands, präsentiert sich überdies noch als „virginale“ Regentin. 

Während ihrer Amtsperiode von 1558 bis 1603 wurde England innenpolitisch befriedet und geeint (1559 „Suprematseid“, 1562 „39 Artikel zur Grundlage der englischen Staatskirche“), außenpolitisch gesichert (1588 Versenkung der spanischen Armada, 1600 Gründung der „East-India-Company“) und kulturell kultiviert, wenn man nur an William Shakespeare denkt.

Meinen könnte "man", Elizabeth sei ein reiner Frauenfilm, dem ist aber mit Sicherheit nicht so - zu dramatisch, zu brutal die Zeit, zu packend perfekt stolziert diese Frauen-Figur daher.





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