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Das Vermächtnis des geheimen Buches
Das Vermächtnis des geheimen Buches
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH

Kritik: Das Vermächtnis des geheimen Buches (2007)


Sequels sind stets mit Vorsicht zu genießen, sind sie doch oftmals bloße Aufwärmungen der bereits abgestandenen Filmbrühen. So auch hier, aber der Vorgänger, „Das Vermächtnis der Tempelritter“ kassierte einmal eben mondial runde 0 Millionen ein. Da fiel die Entscheidung für einen Nachfolger natürlich nicht allzu schwer…

Keine Frage, Erfolgsproduzent Jerry Bruckheimer („Fluch der Karibik“) ist ein absoluter Profi, wenn es darum geht, sein Publikum effektiv zu befriedigen. Und so auch hier. Sein komödiantisch verbrämtes Actionfeuerwerk ist mit witzigen Dialogen und dramaturgischem Tempo gespickter als ein Schweinebraten. Aber reicht das? Nicolas Cage macht als postmoderner "Indiana Jones"-Verschnitt wieder Hatz auf verborgene Schätze, und diesmal scheint alles noch vertrackter zu sein. Da gibt es wilde Jagden durch den Buckingham Palace und die Straßen Londons, Lincoln wird gemeuchelt, der andere entführt, geheimnisvolle Artefakte werden entdeckt, bei denen selbst Indiana Jones das Papyrus-Handtuch werfen würde. US-Geschichte einmal anders und sehr rasant in Szene gesetzt. Aber aufgereiht, ohne Tempolimit, dass es einem den Atem verschlägt. Ein bewährtes Rezeptionsrezept, das wieder heilen und funktionieren wird. Die beiden Infotainment-Epen wecken zweifelsohne das Interesse für amerikanische Geschichte, füllen historische Schauplätze mit neuem Leben und bereichern den Bürger obendrein mit patriotischem Stolz, ein faszinierendes Erbe zu besitzen. Darüber hinaus wird hier der kaschierte amerikanische Nationalsport, nämlich die Ahnenforschung, auf den Siedepunkt getrieben. Glücklicherweise mit leicht ironischen Untertönen. Ist doch die USA alles andere als eine homogene und geschichtsträchtige Nation, die auf 1000 Jahre Historie zurückblicken kann. Gerade das Suchen und Finden der nationalen Gründungsmythen hilft dann dabei, das ohnehin angeschlagene politische Selbstwertgefühl ein wenig zu definieren und zu eruieren.

Die tollkühnen und tollpatschig  kühnen Höhenflüge des Drehbuchs schaden daher dem Kracher überhaupt nicht, sondern erhöhen kurzweiliges Kinovergnügen. Hier wird mit allen tricktechnischen Mitteln geklotzt, und man freut sich als Zuschauer mit, wenn Ben in einem uralten Stück Holz wieder ein verkompliziertes Rätsel entdeckt, dessen Lösung sehr logisch erscheint. Darin bestehen die hohen Weihen des Abenteuergenres: Den Betrachter ebenfalls auf einem dünnen Drahtseil schwanken zu lassen ohne sich und ihn abstürzen zu lassen. Ernsthaft und intensiv wird es hier in kurzen seligen Momenten: Wenn Patrick (Jon Voight) und seine Ex-Frau (Helen Mirren) sich wieder ein wenig nahe kommen. Da sieht man gerne zwei erfahrene und grandiose Mimen in zu kleinen Rollen sprachlos dabei zu, weil sie mit wenigen Worten und karger Mimik mehr Bedeutung und Charaktertiefe verströmen als die übrige Crew zusammen. Eben ein Popcorn-Movie mit viel Routine und wenig Profil.




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