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Charlie Bartlett
Charlie Bartlett
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Kritik: Charlie Bartlett (2007)


Mit dem Script zu „Charlie Bartlett“ legte „Meine Braut ihr Vater und ich“-Cutter Gustin Nash sein erstes eigenes Drehbuch vor: Eine Coming-Of-Age Story, deren Grundgerüst klar jenen Highschool-Komödien entlehnt ist, die vor allem in den 80er Jahren so beliebt waren: Ein schmächtiges, und trotz gelegentlicher Mobbing-Attacken seiner Mitschüler erstaunlich gut gelauntes Schlitzohr muss sich gegen unfaire und voreingenommene Lehrer zu Wehr setzen, während er gleichzeitig mit allerlei Tricks um Popularität bei den Mitschülern – und natürlich um sein Love-Interest - kämpft.

Abgesehen allerdings von diesem altbekannten Grundgerüst hat der von Jon Poll inszenierte Film weniger mit den bekannten 80er Jahre Highschool-Komödien im Stile von „Ferris macht blau“ gemein als man so erwarten würde.
Setzen etwa die „klassischen“ Komödien zu einem Großteil auf Slapstick und derben Humor, zieht „Charlie Bartlett“ weit mehr Lacher aus dem eigentlich Tragischen, ist also mehr eine schwarze, als eine wirkliche Feel-Good-Komödie.
Entsprechend könnten die Hauptfiguren, anders als jene allenfalls unter fiesen Lehrern und Mitschülern leidende „klassischen“ Highschoolfilm-Helden, problemlos einem Jugenddrama entsprungen sein: Charlie, der sich seit Jahren um seine depressive, aber dank allerlei Psychopharmaka zum Happy Hippo mutierten Mutter kümmert während sein Vater wegen Steuerhinterziehung im Knast sitzt, ebenso wie seine von der Mutter verlassene und mit einem zwar liebenden, aber alkoholkranken Vater zusammenlebende Freundin.
Und so sehr auch „Charlie Bartlett“ primär um normale (Klischee-)Pubertätsprobleme kreist, so sehr werden durch diese eigentlich auch tragischen Hauptfiguren Fragen aufgeworfen, die sich in den älteren Filmen nicht finden – vielleicht, weil sie sich in den 80ern allenfalls für eine Minderheit stellte: Was bedeutet es für ein Kind, wenn es permanent auf die eigene Mutter/den eigenen Vater aufpassen muss? Welche Auswirkungen hat die Weigerung der Eltern, erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen, auf die Kinder? Und wie soll ein Jugendlicher seinen Weg finden, wenn das einzige erwachsene Vorbild mehr oder minder lebensuntauglich ist? Nicht das der Film eine Antwort auf diese Frage liefern würde, aber das ist, ganz ehrlich, auch nicht wirklich die Aufgabe einer Komödie – Grübeln und Lachen vertragen sich nun mal schlecht.

Und lachen kann man hier durchaus, was sowohl an den schrägen, aber doch hinreichend glaubwürdig wirkenden Figuren und ihren Dialogen liegt, zum anderen an dem großartigen Zusammenspiel des Leinwand-Duos Robert Downey jr. und Anton Yelchin. Als Rektor Gardner und Charlie Bartlett stellen sie ähnliche, im Grunde idealistische Charaktere dar, wobei allerdings der ältere vom Leben zynisch gemacht wurde, während der jüngere, übersprühend vor jugendlichem Optimismus, der Welt die Stirn zu weisen gedenkt. „Scene-Stealer“ Downey jr. allein ist es schon wert, sich den Film anzusehen – und mit seiner Spielfreude scheint er Yelchin zu Höchstleistungen anzuspornen, so dass ihr Zusammenspiel für einige der besten Szenen des Films sorgt.

Fazit: Schwarzhumorige Highschool-Komödie nicht nur für Teenies, die mit einem hervorragend aufspielenden Robert Downey jr., guten Dialogen und manch schrägen, aber dennoch glaubwürdigen Figuren aufwartet.




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