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Das Waisenhaus
Das Waisenhaus
© 2006 Senator Film, alle Rechte vorbehalten.

Kritik: Das Waisenhaus (2007)


Die Mär von den unheimlichen Begegnungen der etwas anderen Arten in unheimlichen und schicksalsgebeutelten Spukhäusern ist wahrlich nichts Neues. Es kommt aber darauf an, wie und auf welche Weise Spannung und Dramatik erzeugt wird. Fernab von bluttriefenden Slasher-Streifen gelingt es Juan Antonio Bayona mit seinem exzellent schaurigen Regiedebüt sein schrecklich schönes Scherflein zum beachtenswerten Großangriff des spanischen neuen Kinos beizutragen. Obwohl hier Luis Buñuel als nihilistisches Filmvorbild Pate stand. Produziert wurde dieser schimärische Trip von keinem Geringeren als Mystery- und Fantasy Spezialist Guillermo del Toro. Der machte sich mit begnadeten Gänsehautepen wie „Pans Labyrinth“ oder auch „Hellboy“ einen mehr als nur guten Namen. 

Und Unheimliches besitzt ebenfalls seinen Namen, nämlich eben dieses Waisenhaus, trotz kleinerer Schwächen in der Dramaturgie ein sensitiver und stilistisch extraordinärer Horror: Kein gewöhnlicher Konfektionskracher mit übernatürlichen Elementen übergeschmückter Thriller, sondern intensiv und insistierend. Mit Überraschungsmomenten, die den Betrachter in ihren Bann ziehen. Wunderbar, wie Bayona die Elemente seines atmosphärisch fesselnden Films minutiös arrangiert; es sind alle Elemente seines unheimlichen Gruselhorrorfilms richtig. Er setzt kleine, feine Effekte, wie Geräusche, Trugsequenzen und Traumbilder, die das herrschaftliche Haus beherbergt. Bleiern belastet von seiner horriblen Vergangenheit. Ein Schrecken ohne den Vorschlaghammer, sondern minimale Attribute, diffizile Ungewissheiten, die jedoch effektiv erschaudern lassen. Nicht ohne den Bezug zur Realität zu verlieren; alles ist in der Schwebe, alles ist möglich wie scheinbar unmöglich, vor allem aber tragisch.

Stilistisch überzeugt der Engagierte mit Kraft, Klarheit und Selbstbewusstsein: So dirigiert Bayona seinen professionell agierenden Kameramann Óscar Faura durch die Klaustrophie einer angsterzeugenden Kulisse, gebannt auf Breitwandbilder, die perfekt mit Licht und Schatten jonglieren. Wie einstens es Hitchcock in „Psycho“ bewies, eine Methode der Andeutung von Unheilvollem, die wesentlich profunder Angst evoziert als Gesehenes und Geschehenes. Keine peinlichen Schocks sondern perfide Scheinbarkeit etablieren hier die ewig schleichende Spannung und Bedrohung.

„Das Waisenhaus“ lief 2007 an der Croisette in Cannes im Rahmen der „Semaine de la Critique“ und wurde dort euphorisch gefeiert. Seine Heimat Spanien eroberte Bayonas Debütfilm ebenso im Fluge. Kein Wunder also, dass schon in den ersten sechs Wochen „Das Waisenhaus“ auf Platz Eins der dortigen Kinocharts rangierte, um weit über 23 Millionen Euro einzuspielen.





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