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Half Moon
Half Moon
© Pandora Film GmbH

Kritik: Half Moon (2006)


"Half Moon" erzählt als bitteres Märchen mit feinem Humor und dokumentarisch komponierten Aufnahmen der rauen Bergwelt von den Schwierigkeiten des kurdischen Volkes, vertreten durch seine wichtigsten Kulturträger, die Musiker:
Kako veranstaltet gerade einen Hahnenkampf, da erhält er die Nachricht, dass der berühmte Musiker Mamo nach Saddam Husseins Sturz im kurdischen Teil Iraks auftreten darf. Sofort schwatzt er einem Freund einen alten Schulbus ab - mit dem Versprechen, ihm dafür vor den versammelten Fernsehteams aus aller Welt zu danken, die doch sicher zu Mamos Auftritt erscheinen werden... dann schnappt er sich seinen Lieblingshahn, sammelt Mamos zehn Söhne ein und zum Schluss den alten kränkelnden Musiker selbst. Mamo wird auf der Reise stets von Visionen geplagt: Eine junge Frau schleift ihn in einem Holzsarg hinter sich her. Diese bösen Vorahnungen treibt er selbst zur Erfüllung, indem er die verbannte Sängerin Hesho mitnimmt, die kein Visum besitzt und als Frau ohnehin nicht öffentlich auftreten darf. An der Grenze passiert dann, was passieren muss: Hesho wird von Hunden aufgespürt, Soldaten zerstören die Instrumente, einige Söhne setzen sich ab.

Mit Mamos Problemen gehen die filmischen einher: Der Regisseurs Bahman Ghobadi ("Zeit der trunkenen Pferde", "Schildkröten können fliegen") hat seinen Film zu scharf in zwei Teile zergliedert – der erste ist ein skurriler Roadmovie mit Witz und liebevollen Details, der zweite eine traurige Odyssee im Schnee. Verbindend wirken märchenhafte Szenen, wie Mamos Visionen, der Besuch bei einem Wahrsager oder ein einsames, von einem Soldaten bewachtes Bergdorf, in dem über 1000 verbannte Sängerinnen leben. Als Mamo Hesho abholt, formieren sie sich trommelnd in leuchtend bunten Gewändern vor der fahlen Berglandschaft. Im zweiten Teil entspricht dem das wundersame Auftauchen des schönen Mädchens Niwemang (= Halbmond).
Diese mythischen Anspielungen relativieren die tragischen Ereignisse nicht: Ein so zäher, unerschrockener Held wie Mamo hätte eben auch einen märchenhaften Triumpf verdient. Aber vielleicht ist ja genau das Ghobadis Anliegen. Zumal sein Film im Iran – wegen der Kritik am Verbot weiblicher Solosängerinnen – kurz nach der Aufführung verboten wurde.  




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