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Todeszug nach Yuma
Todeszug nach Yuma
© 2007 Sony Pictures Releasing GmbH

Kritik: Todeszug nach Yuma (2007)


"Todeszug nach Yuma" ist das, was "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" vermutlich gern gewesen wäre: Ein Western, der dem abgehalfterten Genre neuen Schwung verpasst. Und das nicht, indem er es bemüht neu erfindet, sondern indem er eine klassische Geschichte mit soliden Charakteren, Action und zeitgemäßer Kameraführung erzählt.

Dabei ist der Film ein Remake, vom seinerzeit Genre prägenden "Zähl bis drei und bete" (1957, mit Glenn Ford). Diesen Film sah der Regisseur James Mangold als Siebzehnjähriger und war schwer beeindruckt und basierte schließlich. Schon sein Drama "Copland" (1997) ist direkt von dem Westernklassiker inspiriert – den Protagonisten nannte er Heflin, nach dem Schauspieler Van Heflin, der Dan Evans spielte.

Evans ist ein Bürgerkriegsveteran mit lahmem Bein, der mit Frau und zwei Söhnen erfolglos eine kleine Ranch bewirtschaftet – im trockenen Arizona, denn sein jüngster Sohn leidet an Tuberkulose. Evans ist hoch verschuldet, die Gläubiger sitzen ihm im Nacken. Zufällig gelingt es ihm, dabei zu helfen, den berüchtigten Outlaw Ben Wade festzunehmen. Für 200 Dollar ist er bereit, sich einer kleinen Gruppen Männer anzuschließen, die Wade in das Städtchen Contention bringen will. Dort soll der Gangster um 3 Uhr 10 in den Zug zum Staatsgefängnis in Yuma verfrachtet werden. Doch Wade erweist sich als gerissener und gefährlicher Weggenosse und seine Gang, angeführt von dem ebenso loyalen wie skrupellosen Charlie Prince, versucht alles, um ihren Boss zu befreien. Dass die im Grunde schlichte Geschichte um moralische Prinzipien als komplexer und spannender Thriller funktioniert, liegt an der grandiosen Besetzung: Christian Bale strotzt als Bürgerkriegsveteran Dan Evans trotz aller Widrigkeiten geradezu vor Rechtschaffenheit, ohne dabei als Prinzipienreiter herum zu stolzieren. Dabei verachtet ihn sein ältester Sohn Will (Logan Lerman) reichlich unverhohlen, seine Frau (Gretchen Mol) scheint den Glauben an ihn verloren zu haben und seine Gläubiger nehmen ihn gar nicht erst ernst.

Russell Crowe tritt als smarter, charismatischer Schurke in edlem Schwarz auf. Cool und selbstsicher kommt er daher - unbarmherzig zu Feinden, charmant gegenüber allen, deren Schwächen er durchschaut und eventuell für sich gewinnen kann und smooth with the ladies. Im Gegensatz zu Evans, der von seinem Sohn Will kaum respektiert wird, kann Wade sich nicht nur auf die absolute Loyalität und Hingabe seines jungen Anhängers Charlie Prince (Ben Foster) verlassen, schließlich zieht er auch Will in seinen Bann, der gar nicht erst versucht, seine Faszination von dem Gangster vor seinem Vater zu verbergen.

Die Konkurrenz der Vaterfiguren und der Werte, für die sie stehen, ist das Leitmotiv des Films, welches von Mangold mit doppelter Moral und abrupten Charakterbrüchen variiert wird – und zwar so elegant und glaubwürdig, dass der übliche amerikanische Vater-Sohn-Konflikt ausnahmsweise mal nicht zu Tode geritten wird. Auch lässt Mangold Evans und Wade nicht ständig knallhart aneinander abprallen – die beiden sind sich im Grunde nicht unsympathisch und zeigen offensichtlichen Respekt voreinander. Unter den Nebencharakteren strahlt vor allem Ben Foster als getreuer Charlie Prince heraus – seine babyblauen Augen oszillieren sekundenschnell von Hundeblick (Wade gegenüber) zu Wahn, von Sanftheit zu Kaltblütigkeit. Die Actionszenen rangieren gleich hinter den Charaktersequenzen: Spannend, hart, zeitgemäß, aber nicht aufgesetzt. Das Finale entlädt sich in einem knapp dreißigminütigen aber kurzweiligem Showdown. Phedon Papamichaels rasante Kamera entspricht sowohl den nuancierten Charakteren, als auch der wohlproportionierten Action, mit häufigen Perspektivenwechseln, ruckeligen Bildern. Statt den Genre-üblichen epischen Totalen überwiegen Close-Ups und viele Szenen spielen nachts, nur vom Feuer erhellt. Marco Beltramis unaufdringliche aber eindringlicher Musik sorgt für die perfekte stimmige Untermalung.


Fazit: James Mangolds "Todeszug nach Yuma" ist anspruchsvolles Popcornkino – eine Kombination, die es im Western zuletzt in den 1970ern gab.





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