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Tuyas Hochzeit
Tuyas Hochzeit
© Arsenal Filmverleih GmbH

Kritik: Tuyas Hochzeit (2006)


"Tuyas Hochzeit", der dritte von dem chinesischen Regisseur Wang Quan'an inszenierte Film konnte sich im Februar 2007 im Rahmen der Berlinale gegen größere Produktionen und Blockbuster wie "The Good German", "La vie en rose" oder "Irina Palm" durchsetzen und ging als Überraschungssieger aus dem Wettbewerb hervor. In ruhigen Bildern und gemächlicher Erzählweise in der Steppe der inneren Mongolei gedreht, gewährt der Film einen Einblick in das harte Leben der in dieser abgelegenen, fürchterlich kalten und ebenso trockenen Gegend halbnomadisch lebenden Hirten. Dazu erzählt er eine spannende, gelegentlich tragische und manchmal auch sehr komische Geschichte einer ungewöhnlichen und sehr starken Frau, die, immer liebevoll und hilfsbereit, zielsicher ihren Weg geht.

Wie bei seinen beiden vorangegangenen Filmen hat Regisseur Wang Quan'an auch bei "Tuyas Hochzeit" die Hauptrolle mit Darstellerin Nan Yu besetzt – und dies zu Recht. Nicht nur, dass Nan Yu ziemlich gut und dazu sympathisch aussieht, sie ist zudem auch eine fantastische Darstellerin mit erstaunlicher Präsenz und Ausstrahlung, so dass es ihr ein Leichtes ist den gesamten Film zu tragen. Für alle übrigen Rollen engagierte Wang Quan'an direkt am Schauplatz (talentierte) Laiendarsteller, die im Film unter ihren richtigen Namen auftreten.

Aber nicht nur die hervorragende Hauptdarstellerin macht "Tuyas Hochzeit" sehenswert, sondern auch die Art Weise, wie Regisseur Wang Quan'an es schafft, den Zuschauern ganz beiläufig eine völlig fremde Lebensweise nahezubringen, die – daran lässt der Regisseur keinen Zweifel – in dieser Form nicht mehr lange existieren wird. Und fremder als jene der mongolischen Nomaden könnte gerade dem westlichen Publikum eine Lebensweise kaum sein: Wer kann sich schon vorstellen was es heißt, bei trockener, brutaler Kälte von – 40°C in einer Jurte zu leben? Oder welche Anstrengung es kostet, täglich mehrere Kilometer zum Brunnen gehen zu müssen um das nötige Wasser für Haushalt und Tiere heranzuschaffen? Kein Wunder, das gerade das so rare Wasser in "Tuyas Hochzeit" zu einem Symbol nicht nur für Leben, sondern auch für die Liebe wird – wer hier einen Menschen liebt, sorgt dafür, dass er Wasser bekommt.
Vor dem Hintergrund dieser harten Lebensbedingungen hat sich eine Gesellschaft entwickelt, in der die Ehe eine rein wirtschaftliche Zweckbeziehung ist deren Modalitäten im vorhinein mit der gesamten Verwandtschaft am Küchentisch ausgehandelt werden. Auch deswegen erntet Tuya mit ihrem sentimentalen Festhalten an einer wirtschaftlich unsinnigen Verbindung nur Kopfschütteln – und erhält selbst von ihrem sie innig liebenden Ehemann den Rat, sich schleunigst scheiden zu lassen. Und umso bemerkenswerter ist der Weg, den Tuya einschlägt um Herz und Verstand gleichermaßen zu ihrem Recht kommen zu lassen.

Natürlich kann man "Tuyas Hochzeit" mit dieser einen, starken Frauenfigur im Mittelpunkt der Erzählung als Frauenfilm bezeichnen – dies sagt aber nichts über die Zielgruppe aus, sondern eben nur über das Thema. Egal ob männlich oder weiblich wird der Film all jene ganz sicher nicht enttäuschen, die Spaß an guten, ruhig erzählten und ehrlich wirkenden Geschichten haben, die mit starken Charakteren und ebensolchen Darstellern ganz nebenbei in eine fremde Welt einführen.




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