VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Die Schwester der Königin
Die Schwester der Königin
© Universal Pictures International Germany GmbH

Kritik: Die Schwester der Königin (2007)


Auf der diesjährigen Berlinale war „Die Schwester der Königin“ außer Konkurrenz im Wettbewerb zu sehen. Wer dies als Hinweis auf besondere Qualität deutet, dürfte enttäuscht werden: Das von TV-Regisseurin Philippa Lowthorpe auf Basis eines Romans von Philippa Gregory inszenierte Historiendrama ist in jeder Hinsicht allenfalls durchschnittlich – und dies obwohl, oder vielleicht sogar gerade weil, Lowthorpe sich bei der Gestaltung ihres Films mächtig ins Zeug gelegt hat. Jede Szene hat sie lehrbuchgerecht-tiefsinnig und symbolträchtig aufbereitet: Da kündigt der Küchenjunge die Ankunft des, bekanntermaßen mit dem Einsatz des Henkers nicht gerade zimperlichen, Königs an, während er gerade – zack – einem Federvieh den Kopf abhackt. Allenthalben wallen Wolken unheilsschwanger durch's Bild, und Sonnenschein Mary hat das Licht ganz offensichtlich für sich gepachtet, während Annes Gesicht dauerhaft im Halbschatten versinkt (was natürlich ihre innere Zerissenheit und den eher zwielichtigen Charakter spiegelt). Dazu hat Lowthorpe dann auch noch kräftig in die Filterkiste gegriffen und ihre Bilder mächtig weichgespült. Das sorgt dann leider dafür, dass die Optik bei aller Mühe ziemlich langweilig daherkommt.

An der schon durch die Optik aufkommenden Langeweile ändern dann auch die beiden ja eigentlich hochkarätigen Darstellerinnen Natalie Portman und Scarlett Johansson herzlich wenig. Eher lustlos spielen sie ihre Rollen herunter und tun dabei gerade genug, um sich ein „befriedigend“ abzuholen. Das die von Portman gespielte Anne dabei die spannendere Figur ist, hat denn auch herzlich wenig mit ihrer schauspielerischen Leistung zu tun: Das Script, das Hauptfigur Mary zu einem eindimensionalen, langweiligen Naivchen verkommen lässt, lässt Johansson kaum eine Chance mit ausgefeilter Darstellung zu glänzen.

Überhaupt: Das Script. Dass sich Autor Peter Morgan nicht allzu sklavisch an den historisch belegten Ereignissen und Personen orientiert hat, ist nicht verwerflich. Bedauerlich aber ist, dass der kreative Umbau der Historie nicht zu einem packenderen Plot geführt hat. Mit keiner Figur will man hier so richtig mitfiebern. Mary ist (s.o.) schlicht langweilig. Anne und König Richard hingegen sind zwar eigentlich nicht unspannende Figuren, beider Charakter aber ist wenig greifbar so dass die Handlungsmotive mitunter ziemlich unklar bleiben. Beispielsweise wird in den Dialogen behauptet, Anne habe sich in Frankreich deutlich verändert. Ihr Verhalten dem König gegenüber ist nach ihrem Rückkehr an den Hof genauso forsch wie zuvor, die behauptete Veränderung ist für den Zuschauer also nicht spürbar. So bleibt einem als Zuschauer natürlich völlig schleierhaft, warum der König urplötzlich in Anne vernarrt ist.
Tatsächlich scheint es, als seien Autor und Regisseurin selbst unschlüssig darüber gewesen, ob sie diese Figuren nun mögen oder nicht. Die Charaktere sind so ungenau entworfen, dass sie ständig zwischen Opfer- und Täterrolle, Sympath und Unsympath, liebenswert und abstoßend, hin- und her pendeln. So fühlt man sich dann auch als Zuschauer nicht genötigt, mitzufühlen. Und da sich auch sonst niemand als Identifikationsfigur anbietet, lässt einen das ganze Geschehen, trotz aller weinerlicher Dramatik gegen Ende, ziemlich kalt.

Fazit: Durchschnittlicher, wenig packender Kostümschinken, sehbar, aber allenfalls für wirkliche Fans von Natalie Portman oder Scarlett Johansson ernsthaft interessant.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.