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Mondkalb
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Kritik: Mondkalb (2007)


„Mondkalb“: Drama oder Tragikomödie? Verdammt schwere, aber intelligente Filmkost von Regisseurin Sylke Enders. Ihre „Beziehungs“-Studie begeisterte schon als Eröffnungsfilm das Publikum den letztjährigen Hofer Filmtagen. Und gerade dieses traditionelle kleine Festival ist für seine selektive Edel-Auslese Hof berüchtigt.

Die analytischen Blicke der Ausnahme-Regisseurin schmerzen bisweilen; und gerade das macht ihre stillen und exquisiten Epen so grandios. Nach ihren subtilen Filmstudien in „Hab mich lieb“ und ihrem sensationell sensitiven Porträt „Kroko“ (2003) präsentiert sich eine weiter cinéastisch ausgereifte Filme-Macherin aus Brandenburg. Die wurde en passent bereits mit dem Deutschen Filmpreis in Silber prämiert. Auch thematisch wirkt Enders mit dieser engagierten Produktion, für die sie wieder das Buch verfasste, verklärter denn je.

Dementsprechend fokussiert sie nicht mehr Teenie-Problemchen wie zuvor, sondern erzählt von zwei sehr normalen Menschen mit ihren konträren Vorstellungen von Zuneigung, Zusammensein und Zweisamkeit. Eben jenes Duo, durch die Liebe zutiefst verwundet, die in einer fatalen Begegnung ihre persönlichen Traumata besiegen wollen, um dem alltäglichen Wahnsinn und den Imponderabilien des Lebens die blanke Stirn zu bieten. Alex will sich partout nicht verlieren, ihre Gefühle eher dominieren, und meidet Nähe samt verbundenem Risiko wie der Teufel das Weihwasser: Sich ja nicht auf etwas womöglich Verletzendes einzulassen. Ganz anders indes Piet: Für ihn ist Liebe und Glück wie ein alles zusammenhaltender Kompakt-Kleber. Nahezu penetrant forscht er nach Nähe, um sich dabei wie eine Abbruch-Birne in der Glasmenagerie zu gebärden.

Für Juliane Köhler ist die Rolle der Alex in Mondkalb ein sehr schwieriges Unterfangen gewesen, wie sie im Interview gestand: „Ich könnte nie eine Charakterbeschreibung von ihr machen“. charakterisiert die 42-Jährige ihren Part als introvertierter Zwang-Single. Traumata en masse: Die dichotomischen Charaktere in „Mondkalb“ sind Inhaftierte ihrer eigenen Lebensläufe; die nehmen bisweilen pathologischen Formen an, outen sich ins Absurde, wobei alle anderen Themen, wie Gewalt, Kindererziehung oder auch der stete Konflikt zwischen Wessis und Ossis die sekundäre Rolle spielen.
Übrigens: Als „Mondkalb“ bezeichnete man früher deformierte und degenerierte Kälber von jenen Hausrindern, deren Fehlbildungen man sich mit dem angeblich schädlichen Einfluss des Mondes erklärte. Alex, eine groß gewachsene, kurzhaarige Frau Anfang 40 mit betont anämischem Äußeren, nennt sich hier selbst einmal abschätzig „Mondkalb“: Als sie ein Kinderfoto von sich im Album ihrer verstorbenen Großmutter entdeckt…





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