VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
The Wolfman
The Wolfman
© Universal Pictures International Germany

Kritik: Wolfman (2007)


Ein Regisseur ließ ihn fallen, der Kinostart wurde mehrmals verschoben, und die Pressevorführungen finden kurz vor Start statt – all das verspricht nichts Gutes. Und doch ist "Wolfman" kein schlechter Film. Allerdings sollte man keine Neuerfindung des Genres erwarten, sonder viel eher eine Rückbesinnung: Mit "Wolfman" legt Benicio Del Toro, der neben der Hauptrolle auch die Koproduktion übernahm, eine Hommage an den B-Movie von 1941 vor, auf dem er lose basiert. Soll heißen: Opulente Ausstattung, grandioses Set-Design – ganz klassich, mit düsterem Anwesen voller ausgestopfter Tiere, Spinnweben und Gruft im Garten – präsentiert in einer überschaubaren Story und garniert mit althergebrachten, aber funktionierenden Gruseleffekten.
Del Toro nimmt man den Wolf auch ohne Maske ab, obwohl er eine recht unvorteilhafte Frisur trägt. Von daher muss besonders gelobt werden, dass Make-Up und CGI nicht hinterher hängen, was nicht selbstverständlich ist – man erinnere sich an "New Moon", oder, noch schlimmer, Professor Lupin in "Der Gefangene von Azkaban". Seinen Charakter, Lawrence Talbot, ein von schlimmen Kindheitserinnerungen geplagter Exil-Brite, der sich bei Vollmond zur unkontrollierbaren Bestie verwandelt, spielt Del Toro adäquat. Ein bisschen mehr Herzblut, vor allem bei der Darstellung seiner angeblichen Liebe zu Gwen (Emily Blunt) oder in Szenen mit seinem bissig-unterkühltem Vater (Anthony Hopkins) hätten allerdings nicht geschadet. Blunt und Hopkins stehlen ihm dann auch jede Szene, in der sie neben ihm agieren. Ähnlich steht es mit Scotland Yard Inspector Abberline (Hugo Weaving), obwohl dieser lediglich abwechselnd grimmig oder skeptisch guckt. Weaving halt. Als wahrhafte Cameo-Praline ist Geraldine Chaplin dabei: Sie spielt eine mysteriöse Zigeunerin, welche praktischerweise bereits Erfahrung mit Lykanthropie auf dem Buckel hat.
Inhaltliche oder optische Überraschungen bietet "Wolfman" kaum. Joe Johnston ("Jumanji", "Jurassic Park III") legt es augenscheinlich nicht darauf an, sich kreativ zu zeigen. Immerhin hält er die Atmosphäre mit dramatisch ausgeleuchteten Landschaften, sowie mit wohldosierter Action und einer stimmigen Traumsequenz konstant. Langeweile kommt – außer vielleicht beim holprigen Anfang – nicht auf. Die Liebesgeschichte zwischen Lawrence und Gwen, der ehemaligen Verlobten seines toten Bruders, erzählt Johnston nur in Ansätzen, was nicht unbedingt stört: Man erwartet man hier eben vorrangig Klauen und Fänge in blutiger Aktion, kein viktorianisches Gesäusel. Schließlich ist es keine "Twilight"-Teenromanze. Gelegentlich irritiert allerdings eine an Coppolas "Dracula" erinnernde verbale Theatralität - was aber vielleicht Geschmacksfrage ist, ebenso wie der drangepappt wirkende Schluss.
Unterm Strich ist "Wolfman" ein altmodisch-nostalgischer Augenschmaus mit knapper Story und guten bis sehr guten Schauspielern – allen voran Hopkins als zwielichtiger Landadeliger und Blunt als unerschrockene Londonerin.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.