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Gucha
Gucha
© Kinowelt Filmverleih GmbH

Kritik: Gucha (2006)


Man muss Balkan-Blasmusik oder Trompeten zumindest mögen, um Gucha zu genießen – alles dreht sich darum und fast keine Sekunde wird nicht von Bläsern untermalt. Wenn man sich darauf einlässt, erlebt man einen charmanten, kleinen Sommerfilm, der am besten in Open Air-Kinos passt.
Guča ist ein kleiner Ort in Serbien, in dem jährlich ein Festival für Balkan-Brass stattfindet. Dabei wird der beste Solo-Trompeter geehrt. Von dieser Auszeichnung träumt der Roma-Teenager Romeo – ihn spielt Marko Marković, im wahren Leben tatsächlich einer der bekanntesten jungen Trompetenspieler Serbiens. Dabei geht es ihm nicht nur um die Ehre, sondern um die hübsche Juliana, ihrerseits Tochter eines Star-Trompeters, der sich selbst Satchmo nennt. Dieser möchte auf keinen Fall, dass sie mit einem "Zigeuner" und "Schwarzen" anbändelt, dessen Sippe ihn zudem abwertend als Bauern bezeichnet . Dennoch lässt Satchmo sich dazu hinreißen – sein Idol war schließlich auch schwarz und man ist ja kein Rassist – Romeo seine Juliana unter einer Bedingung zu überlassen: Wenn es ihm gelingen sollte, ihn in Guča zu besiegen. Doch für Romeo ist noch nicht einmal sicher, dass er überhaupt auf dem Festival auftritt, denn in der Band seines Stiefvaters Sandokan ist nur Platz für eine zweite Trompete. Und die spielt Rocky, sein ruppiger Stiefbruder. Romeo ist für "Sandokan’s Tigers" nämlich zu kreativ und eigensinnig.
Diese schlichte Variante des klassischen Shakespeare-Motivs erzählt der Regisseur Dušan Milić geradlinig, wenn auch mit leichter Hand(-kamera). An seinen Lieblingsfilm, "Schwarze Katze, weißer Kater" von Emir Kusturica – einem der Produzenten von Gucha – reicht der Film jedoch nicht ganz heran: Das skurill-verspielt Absurde fehlt weitgehend. Auch ersetzt Musik als Leitmotiv keinen witzigen Handlungstwists. Und die Charaktre sind weniger einprägsam schrill: Satchmo zeigt sich vor allem cholerisch, als eine Art grobschlächtiger Louis de Funès. Juliana ist blond bezopft, trägt Zahnspange und hat neben Romeo auch ein vom Spieß bedrohtes Zicklein in ihr Herz geschlossen. Romeo hat außer der Juliana-Situation Familienprobleme abzuarbeiten und hadert mit seinem Talent. Seine poetischen Gedanken kann man je nach Pathos-Verträglichkeit kitschig oder romantisch finden.
Gemeinsam sind beiden Filmen neben dem Romeo/Julia-Motiv witzige Referenzen an die Filmgeschichte – z. B. "Die Reifeprüfung" – und leuchtende ländliche Sommerszenerien. Da trompetet er seiner Liebsten aus einem Frucht tragendem Pflaumenbaum entgegen. Sie begegnen sich auf einem Boot, im Wald und inmitten von schaumigem Wiesenkerbel... Wie gesagt, ein warmherziger Sommerfilm mit Stimmungsmusik.




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