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Shine A Light
Shine A Light
© 2007 KINOWELT GmbH

Kritik: Shine A Light (2007)


Mit Konzertfilmen ist es ja immer so eine Sache: Wirklich interessant sind die meisten nur für Fans der porträtierten Bands. Nun muss ich zu meiner Schade gestehen: Ich kann mich nicht daran erinnern, je auch nur eine einzige „Rolling Stones“-Platte komplett durchgehört zu haben und die Songtitel, die ich sicher den Stones zuordnen kann, lassen sich an einer Hand abzählen. Entsprechend gering waren vor der Vorführung des diesjährigen Berlinale-Eröffnungsfilms „Shine a light“ meine Hoffnungen auf ein paar angenehme unterhaltsame Kinostunden.

Aber, meiner selbstverschuldeten Unwissenheit zum Trotz: Ich habe dann doch, verblüffenderweise, wirklich jedes Lied gekannt. Und: Ich habe mich nicht eine Sekunde gelangweilt.

Scorsese schafft es mit seiner Inszenierung, einem mitunter das Gefühl zu geben man folge hier eben nicht einfach einem Konzert (mit gelegentlich eingefügten kurzen Interviewschnipseln aus den verschiedenen Jahrzehnten), sondern vielmehr einer Art soziologischen Beobachtung einer funktionierenden Gruppenstruktur, mit der leitenden Frage: Wie haben es diese vier Kerle geschafft, über Jahrzehnte als Band zusammen zu bleiben, ohne sich irgendwann gegenseitig zu zerfleischen?

Scorseses Antwort: Mick Jagger wird von seinen Stones-Kollegen klaglos als unangefochtener Kopf der Band ankzeptiert – und das 1. weil er einfach der geborene Gruppenführer ist, 2. weil keiner der anderen das Bedürfnis hat, irgendwem irgendetwas zu beweisen und 3. weil Jagger dafür praktischerweise auch all die Arbeit erledigt, auf die sonst keiner Lust hat.

Schon in den einleitenden Minuten baut Scorsese einen Widerspruch auf – zum einen zwischen sich selbst, dem perfektionistischen, hysterisch-verkrampften Regisseur, der verzweifelt um eine Setliste bettelt um seinen Film vernünftig planen zu können und Mick Jagger, der als Kopf der Band ebeneso perfektionistisch wie Scorsese, aber ruhig und konzentriert bis zur allerletzten Sekunde am Konzert feilt (und die Setliste entsprechend spät rausrückt); zum anderen zwischen Jagger und den an der ganzen Aufregung völlig uninteressierten übrigen Stones-Mitgliedern, die den Trubel um sie herum eher amüsiert beobachten und ganz und gar nicht so wirken, als planten sie ein Konzert bei dem unter anderem Bill Clinton im Publikum sitzt, sondern allenfalls eine nette kleine Jamsession mit guten Freunden.

Auf der Bühne setzt sich dieser Widerspruch dann fort: Mick Jagger turnt mit umwerfender Präsenz und der Ausdauer eines Duracell-Häschens über die Bühne während sich Keith Richards und Konsorten von einer Lockerheit, die mit dem Wort Coolness nur unzureichend beschrieben ist. Ohne auf irgendwelche gestellten Posen zurückgreifen zu müssen spielen die legendären Rockopis locker drauflos und sind dabei komplett entspannt - so entspannt wie man eben nur sein kann, wenn man sich selbst und anderen absolut nichts mehr zu beweisen hat.

Faszinierend.




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