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Abgedreht
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Kritik: Abgedreht (2007)


Michel Gondry hat sich als Oscargekrönter Autor („Vergiss mein nicht“), als Regisseur von Videoclips für, unter anderem, Björk, Massive Attack und Daft Punk sowie als unkonventioneller Kino-Regisseur („Science of Sleep“, „Bloc Party“ „Vergiss mein nicht“) eine treue Fanbasis geschaffen.Mit seinem neuesten Film „Abgedreht“ wird Gondry diese wohl ein wenig enttäuschen, wie sich schon nach der Vorführung auf der diesjährigen Berlinale zeigte: Viele Fans des franösischen Filmemachers kritisierten die „Anbiederung an den Mainstream“ die sich bereits in der Wahl der Hauptdarsteller, Jack Black und Mos Def, ausdrücke. Vielleicht ist dies mit ein Grund dafür, dass der Verleih Gondrys neuesten Film nun krampfhaft als schrille Jack Black-Klamotte zu vermarkten sucht und dafür selbst den schönen und treffenden Titel „Be kind rewind“ für die plattere deutsche Fassung „Abgedreht“ opferte.

Das Schielen auf ein Mainstream-Publikum wird zu Enttäuschungen führen- bei den Zuschauern die darauf hereinfallen und eine „abgedrehte“Klamotte erwarten, und mit etwas Pech auch beim Verleih, der jene Zuschauer die eigentlich für den Film prädestiniert wären, mit seiner Vermarktungstrategie schlicht abschreckt. Denn, man sollte es inzwischen erahnen können: „Abgedreht“ ist eben keine Klamotte voll schriller Gags und schenkelklopfenden Lachern, sondern, ganz im Gegenteil, eine sehr leise, melancholische und vor allem nostalgische Komödie mit eher spärlichem Gag-Einsatz.

Kein Wunder: Weit weniger als um Komik geht es Gondry hier wohl um Sozial-, d.h. Kapitalismuskritik. Nicht nur singt er das hohe Lied auf heute nicht mehr existente Hinterhofvideotheken mit schrulligenVideothekaren, die weniger an ihren Profit als an ihre Liebe zum Film denken und Klassiker gleichberechtigt neben Blockbuster stellen. Nein, Gondry betrauert auch die Verdrängung von Kreativität durch Profitgier in der Filmwirtschaft und das Verschwinden liebenswerter, wenn auch abgewrackter Architektur, die so langweiligen und seelenlosen wie, zugegebenermaßen, komfortablen Betonklötzen weichen muss. Kritisiert wird also die Durchdringung sämtlicher Lebensbereiche durch den Kapitalismus, und zumindest der englische Titel weißt darauf recht deutlich hin, ist „Be kind rewind“ doch auch als ein Plädoyer für eine Rückbesinnung auf eine etwas weniger gierige Zeit zu verstehen. Umso fieser der Versuch der Mainstream-Vermarktung, wird so doch selbst der Kapitalismus-Kritiker von der kapitalistischen Wirklichkeit eingeholt.

Bleibt zu sagen, dass die Optik sich dem Nostalgie-Thema beugt, also kaum etwas von kreativer Videoclip-Verspieltheit zeigt und entsprechend recht konventionell ist. Die Darsteller fallen insgesamt eher positiv auf, wobei ein schön nostalgischer Casting-Kniff der Rückgriff auf Woody Allens Ex-Muse Mia Farrow ist, die hier (wie schon 1985 in Allens „The Purple Rose of Kairo“) als großer Filmfreund auftritt – wobei sie bei Allen natürlich im Kino träumte, während sie bei Gondry nur mehr Videos ausleiht und sich als erster Fan der trickreich „geschwedeten“ Filme erweist. Und schließlich, wenig überraschend bei einem Regisseur der seine Sporen mit Videoclips verdient hat, ist auch der Soundtrack ziemlich hörbar, wenn er auch nicht so sehr im Vordergrund steht wie man es vielleicht erwartet hätte.

Fazit: Leise, gut gespielte aber optisch konventionelle Komödie für Melancholiker, Nostalgiker und Kapitalismuskritiker. Auch wenn die Werbung es verspricht: Nichts für Freunde schrill-abgedrehter Klamotten.




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