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Auf der anderen Seite
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Kritik: Auf der anderen Seite (2007)


Das miteinander verflochtene Schicksal von sechs Menschen aus drei Familien erzählt Fatih Akin in „Auf der anderen Seite“. Dabei verschleiert dieser ungemein kunstvoll und ruhig erzählte Film seine gewollte Konstruktion in keiner Szene. Die Handlung ist in drei Teile gegliedert, die jeweils durch einen Zwischentitel eingeleitet werden. Den Anfang macht „Yeters Tod“, in dem von dem gewaltsamen Ableben der Prostituierten Yeter (Nursel Köse), erzählt wird. Sie lebt und arbeitet in Bremen und nimmt eines Tages das Angebot des alten, pensionierten Witwers Ali (Tuncel Kurtiz) an, bei ihm zu leben. Aber es kommt zu Komplikationen und im Streit erschlägt Ali Yeter. Daraufhin reist sein Sohn Nejat (Baki Davrak), Germanistikprofessor in Deutschland, nach Istanbul und will Yeters Tochter Ayten (Nurgül Yesilcay) finden. Dadurch wird die zweite Geschichte, „Lottes Tod“, in Gang gesetzt. Denn Ayten ist politische Aktivistin und auf der Flucht vor den türkischen Behörden illegal nach Deutschland gereist. Sie sucht ihre Mutter, stattdessen begegnet sie der Studentin Lotte (Patrycia Ziolkowska). Lotte hilft ihr und wird ihre Geliebte. Doch das Glück währt nicht lange: Ayten wird entdeckt, ihr Antrag auf politisches Asyl wird abgelehnt. Sie muss zurück in die Türkei. Lotte folgt ihr gegen den Willen ihrer Mutter Susanne (Hanna Schygulla) und bleibt in Istanbul. Sie zieht als Untermieterin zu Nejat, der sich selbst inzwischen in der türkischen Metropole niedergelassen hat, und kommt wenig später ums Leben. Damit beginnt der dritte Teil, der mit „Auf der anderen Seite“ betitelt ist. Er erzählt von den Veränderungen, die die Gewalt im Leben der drei Familien verursacht hat, und dem Umgang der Betroffenen mit der neuen Situation. Dabei schimmert in den Bildern und insbesondere in dem offenen Ende die Hoffnung auf Versöhnung durch.

Indem Fatih Akin jeder Geschichte einen Titel voranstellt, nimmt er einen Teil der Spannung – der Zuschauer weiß nun, wer sterben wird –, eröffnet zugleich jedoch Raum für Reflektionen und genaue Beobachtungen. Dabei ist bemerkenswert, wie geschickt die beiläufigen Begegnungen der Protagonisten entwickelt werden. Im Gegensatz zu „Babel“ von Alejandro González Iñárittu kann sich der Zuschauer in „Auf der anderen Seite“ in die Figuren einfühlen, er verliert nicht den emotionalen Kontakt zu ihnen – oder gar die Orientierung innerhalb der Handlung.

„Auf der anderen Seite“ ist nach „Gegen die Wand“ der zweite Teil von Akins geplanter „Liebe, Tod und Teufel“-Trilogie – und selten wurde ein schönerer Film über den Tod gedreht. Es gibt zahlreiche souveräne visuelle Inszenierungen, die auch zeigen, wie weit sich Fatih Akin als Regisseur entwickelt hat. Seinen Themen ist er indes treu geblieben Es geht wieder um Heimat, um die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, um Leben und Tod, Deutschland und die Türkei. Die Charaktere, die von einem beeindrucken Schauspielerensemble verkörpert werden, müssen in diesem Film lernen, dass Heimat nicht zwangsläufig ein Ort ist. Vielmehr müssen sie zu sich selbst finden, um Verbundenheit zu fühlen. Und von diesem Weg erzählt Fatih Akin auf einnehmende Weise.

Fazit: „Auf der anderen Seite“ ist ein ruhiger, wunderschöner Film, der in berückenden Bildern und dank eines herausragenden Drehbuchs und Schnitts eine hoffnungsvolle Geschichte über den Tod erzählt.




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