VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Blindsight
Blindsight
© Filmwelt Verleihagentur

Kritik: Blindsight - Vertraue deiner Vision (2006)


Sechs blinde tibetische Teenager besteigen einen Himalajagipfel – geführt vom ersten blinden Bezwinger des Mount Everest. Was ein wohlmeinender Betroffenheitsschmusekurs hätte werden können, geriet unter Regie der Britin Lucy Walker – selbst auf einem Auge blind – zu einer spannenden, vielschichtigen Momentaufnahme von Tibet. Dort ist es besonders hart, blind zu sein: Die Behinderung gilt als Karma – eine Strafe für im vorherigen Leben begangene Schandtaten. Ergo: Blinde sind schlechte Menschen, die kein Mitleid verdienen – sogar einige der Familien im Film beklagen sich über die Last, die ihnen ihre Kinder aufbürden.
Der blinde Amerikaner Erik Weihenmayer ist behütet aufgewachsen, bei einem wohlhabenden und engagiertem Vater, der mit seinem Sohn die ganze Welt bereiste. 2001 bestieg Weihenmayer den Mount Everest. Davon berichtete Sabriye Tenberken ihren Schülern im „Centre for the Blind“, der von ihr gegründeten ersten Schule für Blinde in Lhasa. Tenberken ist eine deutsche Tibetologin und seit ihrem neunten Lebensjahr blind. In einem Brief schilderte sie Weihenmayer die Begeisterung ihrer Schützlinge – und so entstand die Idee zu einer gewagten Expedition, auf den 8000 Meter hohen Gipfel Lhakpa Ri.
Dass Tibeter "ihre eigenen" Berge besteigen, war noch nie im Kino zu sehen. Darüber sind sich auch die beiden Mädchen Sonam Bhumtso (15) und Kyila (18), sowie die Jungen Dachung (14), Gyenshen (17), Tenzin (15) und Tashi (19) im Klaren. Im Herbst 2004 ist es dann soweit – trotz offener Skepis seitens der Familien bereiten sich die Jugendlichen auf das anstrengende Abenteuer vor, begleitet von einem professionellen Team von Bergsteigern und Ärzten. Für einige von ihnen geht es um mehr: Tashi beispielsweise ist ein ehemaliges Straßenkind. Er wurde von seinen Eltern an ein chinesisches Paar verkauft, das ihn in Lhasa zum Betteln einsetzte und misshandelte, als ihm sein Geld gestohlen wurde. Zusammen mit dem Filmteam sucht er seine Eltern – es kommt zu einer überraschenden Begegnung.
Die Einzelschicksale werden von der Regisseurin in einer unaufdringlichen, eleganten und spannenden Dramaturgie miteinander und der tibetischen Bergwelt verbunden, wobei die grandiose Umgebung stets im Hintergrund bleibt. Auch verzichtet sie darauf, das Unternehmen als ein einziges harmonisches Erfolgserlebnis zu präsentieren: Misserfolge und Unstimmigkeiten werden nicht ausgespart. Tatsächlich zeigt sich im Laufe der Expedition, dass die Bergsteiger unterschiedliche Ziele verfolgen: Für die Kids geht es vor allem um ihr Selbstvertrauen, der ehrgeizige Weihenmayer scheint sich mit dem Abenteuer einmal mehr beweisen zu wollen und Tenberken wünscht sich, dass die Jugendliche durch das gemeinsame Erleben ihre Solidarität zueinander stärken. Der Höhepunkt des Unternehmens erweist sich schließlich ganz anders, als von der Gruppe erwartet – ein Gipfelerlebnis zum Anfassen.
„Blindsight“ hat das Zeug zum Doku-Klassiker: Ein inspirierender und berührender Film mit spannender Story und überraschend komischen Momenten.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.