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Om Shanti Om - Plakat 1
Om Shanti Om - Plakat 1
© Eros International

Kritik: Om Shanti Om (2008)


Auf der diesjährigen Berlinale sorgte Bollywood-Star Shah Rukh Khan für einen Verkaufsrekord: In wenigen Minuten waren die Karten für seinen neuesten Film „Om Shanti Om“ ausverkauft. Das Musical, dessen übersetzter Titel etwa „Friede sei mit Dir“ bedeutet, wurde inszeniert von Farah Khan, die auch für das Drehbuch und die Choreographie der Tanznummern verantwortlich zeichnet. Mit ihrer zweiten Regiearbeit nach dem (ebenfalls von ihr verfassten) Shah Rukh Khan-Film „Main Hoon Na“ (2004), setzte die langjährige Choreographin einen Film in Szene, der in zwei Teile nur sehr lose verbundene Teile – eine Parodie und einen Krimi - zerfällt. Die beiden Hauptdarsteller Shah Rukh Khan und Newcomerin Deepika Padukone sind dabei jeweils in einer Doppelrolle zu sehen.

In der ersten Hälfte des Musicals wird Bombays Filmindustrie der 70er Jahre mächtig auf die Schippe genommen. Da wimmelt es von eingebildeten Superstars, die sich vor der Kamera in völlig übertriebene Posen werfen, unfähigen Regisseuren, die ihre Schauspieler gruselig kitschige Dialoge aufsagen lassen, und geldgeilen Studiobossen, die für ihren Profit über Leichen gehen. Das ganze ist recht sauber und humorvoll inszeniert und selbst dann noch unterhaltsam, wenn man eigentlich kein großer Bollywood-Fan ist.

Der Übergang zu der etwas schwächeren zweiten Hälfte, in der der durch die etwas gewöhnunsbedürftige Wiedergeburts-Story aufgemotzte Krimi-Plot im Vordergrund steht, kommt dann recht abrupt: Om Prakash stirb - und schwupp, da sind schon 30 Jahre um, und dem als Om Kapoor Wiedergeborenen fällt plötzlich ein, dass ja die Mutter seines alten Ichs noch immer zu Hause sitzt und auf ihn wartet. Die Erkenntnis, dass er vor läppischen 30 Jahren noch ein völlig unbekannter, kleiner Statist war, hindert den (wunschgemäß) als Star wiedergeborenen aber natürlich nicht daran, sich allenthalben bauchfrei in übertriebenste (aber nun plötzlich ernst gemeinte) Superstar-Pose zu werfen.

Soll heißen: Aus heiterem Himmel findet man sich in einem Film wieder, der einige Ähnlichkeit mit jenen Filmen hat, die in Teil 1 parodiert wurden – und das tut dem Unterhaltungsfaktor für Nicht-Bollywood-Fans nicht gerade gut, zumal der durchschnittliche Kitsch- und Absurditätslevel sprunghaft ansteigt. Insgesamt gibt es wenig, was sich dem Trend zur Verschlechterung widersetzt – Shah Rukh Khan, in der ersten Hälfte als hoffnungsloser Träumer wirklich witzig, lässt posend den Posterboy raushängen, die Story wird etwas wirr und selbst der Schnitt fällt immer häufiger negativ auf, mehrfach werden Szenen einfach brutalst abgehackt.
Positiv fällt da vor allem Nebendarstellerin Kiron Kher auf, die als Om Prakashs Mutter eine durchweg gute Leistung abliefert. Daneben scheint sich Hauptdarstellerin Deepika Padukone in der Rolle als tollpatschige (und schauspielerisch ziemlich untalentierte) Sandy um einiges wohler zu fühlen als in ihrer 1. Rolle als makelloser, umworbener Superstar.
Und schließlich soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass der Soundtrack Ohrwurm-Qualität hat - ob man das nun positiv findet oder es einem nach ein paar Tagen „Om Shanti“-Gedudel im Ohr einfach nur auf die Nerven geht, sei dahingestellt...
 
Dem etwas schlechteren zweiten Teil zum Trotz ist „Om Shanti Om“ dank der anfänglichen Parodie ein wenig wie Bollywood-Light. All jenen also, die von Bollywood-Filmen bisher schnell in die Flucht geschlagen wurden, aber von befreundeten oder verwandten Fans genötigt werden, sich einen ganzen Film anzusehen, sei er als Versuchsobjekt ans Herz gelegt. Für Bollywood-Fans ist der Film wohl ohnehin ein Muss.





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