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Disney's Eine Weihnachtsgeschichte
Disney's Eine Weihnachtsgeschichte
© 2008 ImageMovers Digital LLC.

Kritik: Disney's Eine Weihnachtsgeschichte (2009)


Zählt man großzügig, ist es schon die beinahe fünfzigste Verfilmung. Es ist ein echter Klassiker; ein Evergreen, wie es tatsächlich nur wenige gibt. Und mit einer zeitlosen moralischen Botschaft ausgestattet, die ihr Potenzial zu jeder Zeit, für jede Gesellschaft und Generation entfalten kann. Charles Dickens Weihnachtsgeschichte ist heute so modern, wie zu der Zeit in der sie verfasst wurde. Dieser ungebrochenen Popularität ist es wohl auch zu verdanken, dass sie in der neuesten (Disney-)Adaption gleich ein ganz neues Kleidchen bekam: Mit Computerverfahren, aus der "Motion-Capture" -und "Performance-Capture"-Trickkiste, wurden einige der bekanntesten Hollywood-Darsteller digitalisiert; somit stand einer spektakulösen Umsetzung als Animationsfilm keine Schranke mit den Begrenzungen der Realität mehr im Wege. Das Ganze natürlich obendrein, ganz zeitgemäß, in einer gereiften 3D-Optik.
Geblieben ist – und das lässt sich glücklicherweise sagen – die Nähe zu Original. Man hätte auch befürchten können, dass die Geschichte sonst wohin transportiert worden wäre: eine andere Zeit, ein anderer Ort oder gar ein anderer Planet und Universum. Aber nichts dergleichen: es ist das immer noch das London der viktorianischen Ära und der alte knarzige Geldverleiher Ebenezer Scrooge (Jim Carrey) treibt sein Unwesen. Die Menschen mögen ihn nicht, gehen ihm aus dem Weg und fürchten ihn sogar. Er ist so geizig, dass er sogar von einem Toten Wechselgeld verlangt. Sein unterbezahlter Angestellter Bob Cratchit (Gary Oldman) muss im Winter mit steifgefrorenen Fingern in der Kanzlei arbeiten – ein paar Pennys für etwas Kaminholz zu investieren, käme Scrooge niemals in den Sinn. Es reicht schon, dass er Bob einmal im Jahr einen Tag bezahlten Urlaub gewähren muss. Den eigenen Neffen Fred (Colin Firth) behandelt er auch wie einen Fremden: obwohl dieser unablässig versucht, Ebenezer näher zu kommen und ihn jedes Jahr zu Weihnachten zum Essen zu sich und seinen Lieben einlädt, stößt ihn Scrooge unaufhörlich fort. Für ihn ist Fred nichts weiter als ein verschwenderischer Nichtsnutz. Also sitzt Scrooge am Heiligabend – wie schon seit vielen Jahren – allein in seinem großen Haus und löffelt ein karges Mahl, als sich plötzlich unheimliche Dinge anbahnen.
Man wird nicht viel vermissen: Der Reigen, wie man ihn aus Buch oder älteren Verfilmungen kennt, findet wie gewohnt geisterhaft statt; Scrooge wird von den drei Geistern der vergangenen, der gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht beehrt und letzten Endes geläutert. Ein paar temporeiche Klamaukeinlagen wurden hinzugefügt, ein Zugeständnis vielleicht an Jim Carrey und der Versuch den klassischen Stoff etwas aufzupeppen. Das muss nicht immer rundherum gefallen, nimmt es doch etwas den tiefsinnigen Charakter und das dunkle melancholische Flair heraus. Gruselig bleibt es trotzdem und sinnigerweise hat der Film auch eine FSK-Freigabe von zwölf.
Eines aber wird ganz schnell augenfällig: Filme wie "Der Polarexpress" oder "Beowulf", die mit derselben Technologie produziert wurden, fallen technisch deutlich gegen "Eine Weihnachtsgeschichte" ab. Hier hat sich einiges in den letzten Jahren getan. Die Charaktere wirken dermaßen realistisch und bewegen sich solchermaßen natürlich, dass man sich fragt, warum überhaupt ein animierter Film daraus gemacht wird. Sicherlich gibt es so mehr Möglichkeiten mit verfremdenden Elementen zu spielen und manch CGI-Einlage muss nicht mehr in den realen Rahmen eingepasst werden. Beispielsweise ermöglichen es Morphingtechniken den Schauspielern problemlos in mehrere Rollen zugleich zu schlüpfen. Jim Carrey bringt es in diesem Film gleich auf sieben und Gary Oldman immerhin noch auf drei. Im Original verleihen die Schauspieler den Figuren auch unterschiedliche Akzente und Stimmlagen, aber die deutsche Synchro lässt davon nichts mehr übrig. Die 3D-Optik hat ebenfalls einen guten Sprung nach vorn gemacht. Ging man früher oft kopfschmerzgeplagt, aufgrund von Bewegungsunschärfen und Fokussierproblemen, aus dem Kino, präsentieren sich die aktuellen Filme mit nie zuvor gesehener Perfektion. Hier wird wahrscheinlich James Camerons "Avatar" in einigen Wochen noch ganz neue Maßstäbe setzen.
Fazit: Gelungene Adaption des klassischen Stoffes, welche das Flair der Vorlage erhält und nichts Wesentliches auslässt. Die Figuren wirken überwiegend authentisch und greifbar, was sicherlich dem Umstand zu verdanken ist, dass sie ihr Seelenleben echten Menschen zu verdanken habe. Manch überdrehte Einlage erscheint zwar verzichtbar, aber das ist Geschmackssache. Irritierend bleibt womöglich der frühe Starttermin, vermutlich wollte man aber hier konkurrierenden Blockbustern aus dem Wege gehen.




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