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Kritik: Bel Ami (2011)


Georges Duroy ist diabolischer als Edward Cullen an seinen finstersten Tagen – und gerade das macht "Bel Ami" unterhaltsam: Statt seiner Angebeteten stalkerisch hinterherzuschmachten, geht Duroy gleich zur Sache. Und das mehrfach.
Teenieschwarm Robert Pattinson bemüht sich sichtlich, auch nach dem Ende der „Twilight“-Reihe (im November) noch einen Platz in Hollywood zu finden. Ironischerweise bringt seine erste Hauptrolle jenseits der Romanzen genau das mit sich, was Edward als Vampir so dringend fehlt: Raubtierhafte, ungezähmte Gier. Ohne auch nur einen Anschein von Moral. Duroy verliebt sich nicht, jedenfalls nicht in jemand anderen: Nur vor dem Spiegel zeigt er ein ehrliches Lächeln. Was ihn umtreibt, sind Neid und Selbstsucht. Vor allem aber fühlt er sich, wie Pattinson auf der Pressekonferenz zur Berlinale trefffend bemerkte, "entitled to be rich" – ihm steht Reichtum einfach zu, punktum.
Sich für so einen Protagonisten zu erwärmen, ist anstrengend, was sicher auch erklärt, warum die Regisseure Declan Donnellan und Nick Ormerod ihn mit einem Schauspieler besetzt haben, der eine gigantische Fanbasis mitbringt. Ob ihm der Part neue Fans beschert, sei dahingestellt. Einerseits verlangt er keine sonderlich große emotionale Bandbreite, was Pattinsons Erfahrung und Können durchaus entgegenkommt. Andererseits bringt es dann die Musik fertig, Duroy Emotionen zuzuweisen, die Pattinson nicht mitliefert. Und sämtliche weibliche Co-Stars – allen voran Christina Ricci und Uma Thurman – wirken in ihren Charakteren wesentlich besser aufgehoben.
Ein weiteres Problem ist die politische Meta-Ebene, welche die Regisseure in Guy Maupassants Gesellschaftsfabel packen: Wie sie in Berlin verrieten, bietet sich der Plot um eine korrupte Regierung, die ein arabisches Land einnehmen will und dabei korrupten Medien unterstützt wird, durchaus für ein vorsichtiges Ziehen von Parallen zum hier und heute an. Allerdings sollte es dann nicht so wirken, als wolle man einem ausschweifend ausgestatteten Historiendrama mit unsympatischen Protagonisten plötzlich noch dringend einen ernsthaften Anstrich verpassen.
Die entgültige Verfilmung des Romans ist mit dem Film auf keinen Fall gelungen – der Umgang mit der Vorlage bringt nichts Neues. Dafür langweilt er allerdings auch nicht und ist durchweg schön anzusehen. Und, falls hier gerade "Twilight"-Fangirls mitlesen: Ja, Pattinson ist halbnackt zu sehen. Allerdings ohne Edwards Abs...





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