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Kritik: Saw 6 (2009)


Sätze wie: "Man wird es lieben oder hassen", "das ist ein spezieller Genre-Film und eben für die Fans gemacht" oder "wir sind schlussendlich alle Voyeure", sind so abgedroschen wie nur denkbar und doch trifft dies alles auf die "Saw"-Reihe zu. Worte über den "epischen Bogen" dieses Vertreters des Foltor-Horrors zu verlieren, erübrigt sich ohnehin: Die Fans kennen ihn bestens und wem allein die Erwähnung dieses Streifens Ekel und angewidertes Entsetzen beschert, der will ohnehin nichts darüber hören.

Genau in diesem Dilemma steckt jeder, der über den Film berichten möchte. Als die ersten Streifen dieser Machart, zu denen auch die "Hostel"-Filme zählen, in die Kinos kamen, ging einerseits ein Schrei der Entrüstung durch die Filmwelt, andererseits eroberten sie sich schnell eine feste Fangemeinde. Ob nun Voyeurismus, Faszination am Bösen oder schlichtweg an Grenzüberschreitung und der Tabubruch an sich: Die Schocker übten und üben mancherseits eine absonderliche Faszination aus.

Prinzipiell sind diese Splatterspektakel für das Horror-Genre, was Pornos für den Erotikfilm-Bereich darstellen. Und es mutet irgendwie sehr amerikanisch an, dass es völlig legitim scheint, in regulären Lichtspielhäusern Filme aufzuführen, die auf alle nur vorstellbaren Weisen und mit explizitester Darstellung die Verstümmelung und Zerstückelung von Menschen zeigen, gleichzeitig aber bei einem entblößten Genitalbereich den Untergang des Abendlandes zu wittern. Eine obskure Doppelmoral möchte man meinen (auch wenn das kein Plädoyer für die Aufführung von Pornos in Otto-Normal-Kinos sein soll).

"Saw" ist jedenfalls mit dem sechsten Sequel zurück und wie sollte es anders sein, erneut finden sich eine Reihe von Personen in einem höchst makaberen und tödlichen Spiel wieder und müssen höchst absonderliche moralische Entscheidungen treffen. Dass dabei Unmengen Lebenssaft vergossen werden, ist natürlich vorprogrammiert. Tatsächlich geht das Treiben diesmal soweit, dass der Film beispielsweise in Spanien ein X-Rated erhielt (vergleichbar mit einer Indizierung hierzulande) und in öffentlichen Kinos gar nicht laufen darf; lediglich acht Pornokinos zeigen den Streifen.

Schlimmer aber als die Gewaltdarstellung an sich ist die verschrobene Ethik, die hier transportiert wird: Ein ehemals anständiger Kerl, dem die Ignoranz und Gleichgültigkeit von sogenannten Erfolgsmenschen sein Leben zerstört hat, ist inzwischen ein soziopathischer Killer geworden und rächt sich auf grausamste Weise, ohne Rücksicht auf die Leben Unbeteiligter. Abgesehen davon, dass hier eine sehr fragwürdige "Sympathie for the Devil" abverlangt wird: Was bitte soll man in Punkto Gerechtigkeit von diesem Machwerk lernen?

Fazit: Bisheriger "Höhepunkt" der Ekel- und Massakerorgie. Die Storyline versucht sich durch den stufenweise und nachträglichen Einbau eines erzählerischen Unterbaus quasi selbst zu rechtfertigen - dabei erschöpfte sich die Idee dramaturgisch eigentlich schon mit dem ersten Teil und lebt nur noch von der Neugier, auf welche noch bestialischere Weise der nächste Kandidat um die Ecke gebracht wird. Bitte keinen siebten Teil!





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