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Fall 39 - Filmplakat
Fall 39 - Filmplakat
© Universal Pictures Germany

Kritik: Fall 39 (2009)


So gruselig ist also Sozialarbeit… Der deutsche Regisseur Christian Alvart zeigt nach - beziehungsweise vor - Pandorum einmal mehr, dass sein Talent gerade mal für oberflächige Schockeffekte reicht. "Fall 39" drehte er schon 2007 ab. Nach dieser Verzögerung hätte man ihn gleich direkt auf DVD rausbringen können, wie es auch in den USA geschehen ist - zu recht.
Renée Zellweger gibt hier die völlig überarbeitete Sozialarbeiterin Emily Jenkins, welche kein wirkliches Privatleben führt und nur an ihrem Goldfisch (es kommt noch platter) zu hängen scheint. Mit Fall 39 drückt Emilys Boss ihr ein weiteres kompliziertes Projekt auf, in Gestalt der zehnjährigen Lilith (Jodelle Ferland). Deren Familienleben scheint einigermaßen zerüttet, obwohl weder sie, noch ihre Eltern – eine blasse, fahrige Mutter und ein offensichtlich heftige Aggressionen unterdrückender Vater – mit Emily darüber sprechen wollen. Doch schließlich muss Emily nachts mit dem befreundeten Polizisten Mike Barron ("Deadwoods" Ian McShane) in Liliths düsteres Elternhaus anrücken: Ihre Eltern wollen sie nämlich im Backofen verbrennen und "in die Hölle schicken". Die beiden landen schließlich in der Psychiatrie, während Lilith bei Emily einzieht. Doch angesichts ihres Namens und der Tatsache, dass nach etwa dreißig Minuten noch kein Happy End folgen kann, fragt man sich, was es mit ihrem Schützling eigentlich auf sich hat.
Viel interessanter ist allerdings die Frage, was eigentlich mit Zellwegers Karriere passiert ist. Zu Beginn des Jahrtausends sah alles noch rosig aus: Kassenhits mit "Bridget Jones" (2001) und "Chicago" (2002), Oscar für "Cold Mountain" (2003). Im vergangenen Jahr landete sie mit dem furchtbaren "New in Ton" den kaum zu unterschreitenden Tiefpunkt ihrer Karriere. Und dann "Fall 39"... Immerhin hat sie am Set privat ihr Glück gefunden: Seit 2007 ist sie mit Bradley Cooper liiert, der hier als ihr Freund, ein Psychologe ohne weitere Eigenschaften, auftaucht.
Und damit zurück zur Handlung: Nachdem Emily entdeckt, dass sich Liliths Eltern im elterlichen Schlafzimmer vor ihrem kleinen Engel regelrecht barrikadiert haben, geht auch ihr langsam auf, was den Zuschauern schon lange klar ist – vielleicht war die Sache mit dem Ofen gar keine so abwegige Idee. So weit, so bekannt. Dass einige Stellen tatsächlich spannend sind, liegt an der fantastischen Ferland, der man nur wünschen kann, dass irgendein vernünftiger Castingagent mal ihr Talent erkennt und sie ausnahmsweise auch außerhalb der Horrorsparte unterbringt – zuvor war sie in Terry Gilliams "Tideland" (2005), "Silent Hill" (2006) und Uwe Bolls "Seed" (2007) zu sehen; zuletzt hat sie ein Projekt mit dem Titel "The Cabin in the Woods" abgedreht. Ob "Eclipse" (2010), der dritte Teil der "Twilight"-Teenromanzen, einen günstigen Einstieg in eine ernsthafte Karriere bietet, sei ebenfalls dahingestellt. In "Fall 39" ist sie jedenfalls das einzig Interessante und spielt Zellweger, der man die aufopfernde Sozialarbeiterin nun wirklich nicht abnimmt, locker an die Wand.
Im letzten Drittel artet der Film dann in so was wie "Der Ring für Arme" aus. Die krude Mischung aus Sozialdrama und billigstem Evil Child-Horror funktioniert zwar auch schon vorher nicht, fängt aber schließlich durch gehäuften brachialen Unsinn an, wirklich zu ärgern – wenn man denn der altmodischen Ansicht ist, dass auch Horror und Fantasy einer inhärenten Logik oder zumindest Plausibilität folgen müssen. "Fall 39" ist eher "Fall 08/15", eine falsch zusammen gekittete Mischung von Versatzstücken aus "Das Omen", "Der Ring" und "Der Exorzist", um nur einige zu nennen. Von Anfang an beschleicht einen das Gefühl, alles schon mal gesehen zu haben. Jodelle Ferland gelingt es dennoch, den einen oder anderen Gruselpunkt zu verbuchen. Dafür ins Kino gehen muss man aber nicht.





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