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Thor
Thor
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Thor (2010)


Der Hammer ist er nicht, Branaghs Thor. Im Vergleich zu Sam Raimis erstem "Spider-Man", Christopher Nolans "Dark Knight" und Marvels eigenem "Iron Man" eher schon ein Faustkeil: Für einen Shakespeare-Experten vom Theater wagt Branagh nur wenig eigene Handschrift oder überhaupt eigenständige Ideen; tatsächlich wirkt seine Inszenierung erstaunlich glatt und stellenweise steril. Für meist kurzweiligen Spass reicht es aber allemal. Auch ist der Pathos bei Weitem nicht so peinlich, wie es einige Trailer befürchten ließen.

Die Story mischt gemäß der Comic-Vorlage Charaktere und Motive der nordischen Mythologie mit traditionellem Marvel-Superheldentum. Anders als Hulk und Konsorten muss Thor jedoch nicht lernen, mit außergewöhnlichen Kräften umzugehen, sondern wie man ohne sie überlebt. Er ist nämlich ein selbstgerechter und unbeherrschter Gott und Thronanwärter, der in einem stark vergoldeten CGI-Asgard haust. Nachdem Thor unter Einfluss seines manipulativen Bruders Loki (Tom Hiddleston) eine längst begrabene Fehde mit Eisriesen neu entfacht, schickt ihn sein Vater Odin (Anthony Hopkins) zur Strafe ohne Abendbrot ins Bett ohne Kräfte und Hammer nach Midgard (die Erde), wo er prompt der Astrophysikern Jane (Natalie Portman) vor die Füße plumpst.
Mit Thors Fall fällt auch der Humor über die Handlung ein, vom Niveau her stetig zwischen leiser Selbstironie und Lächerlichkeit pendelnd (geht ein Gott in 'nen Zooladen und verlangt ein Ross…) - seine konsequente Selbstüberschätzung und Überheblichkeit sorgen auf der Erde nur für Lacher.
Der Rest der Geschichte konzentriert sich dann auf die Lösung des Vater/Sohn- und Bruder/Bruder-Konfliktes, mit ein paar mehr Effekten und teils opulentem Kitschrausch. Ach ja, und nebenbei wird auch noch die wohl unüberzeugendste Romanze in der Geschichte der Comic-Verfilmungen abgearbeitet. Heraus ragt Hiddleston als zwielichtiger Loki, während Hopkins dazu reduziert wird, würdevoll dreinzublicken (was ihm tatsächlich auch einäugig gelingt). Der Australier Hemsworth schlägt sich in der Titelrolle ganz passabel und zeigt besonders in komischen Szenen, was er eigentlich kann. Das wird ihm vom Drehbuch eher schwer gemacht: Seine Wandlung zu mehr Besonnenheit und Demut auf der Erde kommt innerhalb der Geschichte stark aufgesetzt herüber.

Es scheint, als habe sich Branagh von den vielen erbosten Fanboy-Reaktionen auf seine Wahl als Regisseur verunsichern lassen und sich dann in vorauseilendem Gehorsam geübt. Wenn man nicht wüsste, wer den Film inszeniert hat, könnte man es kaum ahnen. Das einzig erkennbare Handschriftliche – schiefe Blickwinkel – nervt schon nach der zweiten schrägen Totale.
Unterm Strich ist Thor ein unterhaltsames, routiniertes Actionspektakel: Sehenswert, aber kein Muss.




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