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Adam - Eine Geschichte über zwei Fremde. Einer etwas...ndere
Adam - Eine Geschichte über zwei Fremde. Einer etwas merkwürdiger als der Andere
© 20th Century Fox

Kritik: Adam - Eine Geschichte über zwei Fremde. Einer etwas merkwürdiger als der Andere (2009)


Aus der Distanz betrachtet ist das Bild recht normal: Sie organisieren ihren Alltag, gehen Berufen nach; allenfalls wirken diese Menschen etwas "strange". Sieht man etwas genauer hin, denkt man, dass es womöglich Nerds sind: Die meisten haben technische oder naturwissenschaftliche Berufe, gehen Hobbys nach, die ein hohes Maß an Logik bedürfen (wie etwa Schach) und wissen ganz genau Bescheid, wie der Warp-Antrieb der Enterprise funktioniert. Gefühle sind aber nicht unbedingt ihre Stärke; bestenfalls imitieren sie ihre Umgebung, um nicht aufzufallen; oft aber fühlen sie wenig oder wissen schlichtweg nicht, wie man mit Emotionen umgeht, geschweige den diese angemessen artikuliert.

Adam (Hugh Dancy) gehört auch zu dieser Gruppe. Er hat das Asperger Syndrom, eine vergleichsweise milde Form des Autismus. Sein ganzes Leben hat er in New York verbracht und nun steht er an einem Wendepunkt: Unbewegt, fast teilnahmslos, blickt er bei der Beerdigung seines Vaters drein. Steht am frischen Grab, bis alle anderen gegangen sind – ein Signal für ihn auch endlich diesen Platz zu verlassen. 20 Jahre lebte er mit seinem Vater zusammen. Seine Mutter verstarb als er noch ein kleiner Junge war. Die wichtigste Orientierungsperson im seinem Leben ist nun nicht mehr, aber noch kann Adam nach seiner gewohnten Routine verfahren: Er hat einen Job als Mikrochipentwickler in einer Spielzeugfirma, dem er gewissenhaft nachgeht, und jeden Abend macht er sich Makkaroni mit Käse – die liebt er über alles.

Seine Freizeit verbringt er fast ausschließlich mit dem Studium der Sterne und damit Menschen zu beobachten. Erstere versteht er aber eindeutig besser. Freunde hat er so gut wie keine und auch kein Sozialleben. Der einzige, der ihm in einer Art Mentorrolle beisteht, ist Harlan (Frankie Faison), der schon mit seinem Vater gut befreundet war. Alles ändert sich aber, als die attraktive Beth (Rose Byrne) ein Apartment im selben Haus bezieht. Adam ist wie bezaubert, kann dies jedoch nicht ausdrücken und auch Beth findet Gefallen an ihm. Selbstverständlich ist sein unterentwickeltes Gefühlsleben aber beim Zueinanderfinden nicht eben hilfreich. Dennoch liegt eine Romanze in der Luft, aber die Kommunikation der beiden erinnert mitunter an einen Gang durch ein Minenfeld.

"Adam – Eine Geschichte über zwei Fremde. Einer etwas merkwürdiger als der andere" (wer lässt sich überhaupt solch einen deutschen Titel einfallen), ist nicht "Rain Man" und auch nicht "Forrest Gump". Adam ist äußerst intelligent und smart. Er macht sogar einen Witz darüber, dass er nicht Forrest Gump ist. Und er hat auch nichts mit der Figur gemein, die Dustin Hoffman so bravurös darstellte. Der Autist in "Rain Man" war ein Kunstfigur ein Supersavant, der alleine auf sich gestellt, völlig lebensunfähig wäre, dafür mit einigen überragenden Inselbegabungen ausgestattet war. Adam hingegen ist echt und ganz nahe an der Realität. Es wird am Beispiel dieser Figur ein beispielhaftes Leben skizziert, aber nicht überzeichnet. Verantwortlich für die Gewährung eines authentischen Einblicks in diese geradezu unaufgeregt (zumindest solange, wie es keine unvorhersehbaren Ereignisse gibt) nivellierte Empfindungswelt ist Hugh Dancy, der in seine Rolle völlig aufgeht und hingebungsvoll seinen Filmpart mit Leben erfüllt.

So dominiert das Schicksal Adams die Filmhandlung, auch wenn die Romanze als Motor die Story vorantreibt. Und natürlich hat Beth ein Eigenleben, dem der gesamte Nebenplot gehört. Anders aber, als es der deutsche Untertitel verheißt, ist sie kein Sonderling; ganz im Gegenteil: Obwohl sie einer Familie der New Yorker Upperclass entstammt und ihr Elternhaus und Freundeskreis wie ein Haufen wenig sympathischer Snobs anmuten, ist sie überaus natürlich, warmherzig und geerdet. Beth als Person mit eigener Geschichte und familiärer Problemsituation auszugestalten ist zwar für die Balance des Films prinzipiell nicht verkehrt, nur recht interessieren will es nicht, was bei ihren Eltern zu hause so vorgeht.

Fazit: Eine kleine Arthouse-Perle, brillant gespielt, die ein paar ganz besondere Einblicke in eine fremde Wahrnehmungs- und Gefühlswelt gewährt. Wer ein hollywoodeskes Ende erwartet, könnte enttäuscht werden.





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