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Iron Man 2 - Plakat
Iron Man 2 - Plakat
© Concorde

Kritik: Iron Man 2 (2009)


Der Megaindustrielle Tony Stark ist ein Händler des Todes. Er ist Eigentümer der größten, waffenproduzierenden Firma der Welt: Stark Industries. Eines Tages wird er von Terroristen entführt und gezwungen ein furchtbares Waffensystem für diese – im Tausch gegen das eigene Leben – zu bauen. Stark trickst die Terroristen aus und konstruiert anstelle des Waffensystems eine eiserne Rüstung, mit deren Hilfe er sich den Weg freikämpft; diese erste Rüstung, die einen Kurzauftritt im ersten Teil feierte, stellte ganz klar eine Hommage an den Ur-Iron-Man aus den Marvel Comics, der 1960er Jahre dar.

Seit diesem Tage trägt Stark einen Minireaktor in seiner Brust, der sein Herz am schlagen hält. Er und die Rüstung sind somit eins. Daran hat sich in Teil zwei der Saga um den rot-goldenen Superhelden nichts geändert. Ganz im Gegenteil, macht dieser Reaktor inzwischen reichlich Ärger: Die Energiequelle, die Stark am Leben hält, vergiftet ihn auch allmählich. Und zu allem Verdruss gibt es Schwierigkeiten mit den Behörden: Ein übereifriger Senator ist der Meinung, dass die Iron-Man-Rüstung als äußerst gefährliche Waffe klassifiziert werden muss und damit in die Hoheitsgewalt des US-Militärs gehört. Etwas von der Iron-Man-Technologie würde auch Starks Gegenspieler Justin Hammer gerne in die Hände bekommen; noch hat Stark aber die Situation im Griff.

Eines Tages taucht während eines Autorrennens in Monaco ein Psychopath auf, der, bewaffnet mit zwei Energiepeitschen, einen Rennwagen nach dem anderen zu Altmetall verarbeit. Er nutzt dabei eine Energiequelle, die ganz erstaunlich an den Reaktor erinnert, der auch die Iron-Man-Rüstung antreibt. Iron Man gelingt es zwar den Angreifer zu überwältigen, lange sitzt der Mann, der als russischer Physiker Ivan Vanko identifiziert wird, aber nicht ein: Hammer hat zu großes Interesse an ihm. Als würde es nicht schon Ärger genug geben, wird dann noch eine der Iron-Man-Rüstungen von Starks Kumpel Rodney im Auftrag der Regierung beschlagnahmt. Stark bleibt nur wenig Zeit, etwas gegen die fortschreitende Vergiftung in seinem Körper zu unternehmen und sich auf den Kampf vorzubereiten: Bei Hammer Enterprises läuft gerade eine Armee von Kampfrobotern vom Fließband.

2008 war "Iron Man" gleich nach "The Dark Knight" das größte Superhelden-Spektakel des Jahres. Kein Wunder das prompt nachgelegt wurde. Teil drei ist im Prinzip auch schon vereinbart und bei den "Avengers" wird Iron Man in einigen Jahren ebenfalls einen wesentlichen Part übernehmen. Handelte Teil eins noch von Tony Starks Wandlung vom skrupellosen Waffenhändler zum Wohltäter der Menschheit, zeigt die Fortsetzung nun deutliche Anleihen bei einem ganz anderem Genre: Zwei Fürsten ringen um die Vorherrschaft. Der eine möchte zukünftige Technologien für das Wohl der Menschheit einsetzen, dem anderen geht es um noch mehr Macht und Geld. Der gute leidet obendrein an einem heimlichen Siechtum, so dass ihm nicht viel Zeit bleibt und der böse Fürst hat sich zusätzlich der Hilfe eines finsteren Gesellen versichert; im Grunde eine Mixtur vom Motiven, die man aus vielen Fantasy- oder Ritterepen her ähnlich kennt.

Interessanterweise scheint sich bei "Iron Man" aber noch woanders bedient worden zu sein. Gemeint ist "Batman": Beide Figuren besitzen keinerlei echte Superkräfte, beide stecken in einem Hitech-Kampfanzug, beide sind multimilliardenschwere Industrielle und sowohl Bruce Wayne, als auch Tony Stark führen vordergründig ein dekadentes Leben. Entscheidender Unterschied zwischen den beiden, dass Bruce Waynes Playboydasein eine Fassade darstellt und er im Inneren immer Batman ist, wohingegen Tony Stark aus seiner Haut nicht wirklich raus kann. Er ist tatsächlich der arrogante Playboy, der zwar im Reichtum schwimmt, aber sein Leben jahrzehntelang das Kloset runtergespült hat. Wenn er nun die Rüstung überstreift, macht er das, um für die Sünden seiner Vergangenheit zu büssen. Beide Figuren auch gemein, dass sie getriebene Fanatiker sind: Batman versucht zeitlebens zu verhindern, dass sich der Mord an seinen Eltern an anderer Stelle wiederholt, und Iron Man versucht all jenen Einhalt zu gebieten, die so sind, wie er es früher ebenfalls war. Und beide sind bereit, ihr Leben für ihre Ziele aufs Spiel zu setzen.

Mit Robert Downey Jr. hat man für diese Rolle offenbar die perfekte Besetzung gefunden. In den 1980ern als Hollywoods Wunderkind gehandelt, gelang es ihm durch exzessiven Drogenmissbrauch beinahe seine Karriere völlig zu ruinieren. Seit einigen Jahren scheint er sich aber wieder im Griff zu haben und erlebt ein furioses Comeback. Der Schwerpunkt seiner Tony-Stark-Interpretation ist somit ihn als dysfunktionalen Chaoten anzulegen. Im Wesentlichen lebt diese Figur aber auch von ihrem Gegenpart Pepper Potts, erneut von Gwyneth Paltrow gegeben. Es wurde auch darauf geachtet, die süffisanten Dialoggefechte aus dem ersten Teil in die Fortsetzung rüber zu retten, was dem Film ein deutliches Charmeplus beschert. Auf der Seite des Casts hinzugekommen sind noch neben Mickey Rourke als Superschurke Whiplash, der Waffenhändler Justin Hammer (Sam Rockwell); gewissermaßen als Tony Starks dunkle Seite. Im gegenseitigen Wetteifern erinnert der Zweikampf der beiden sehr an Bill Gates und Steve Jobs (Microsoft vs. Apple). Ihr Stelldichein feiern darüber hinaus die Geheimorganisation SHIELD mit den Spitzenagenten Nick Fury (Samuel L. Jackson) und Natasha Romanoff (Scarlett Johansson), auch bekannt als Schwarze Witwe, sowie War Maschine (Don Cheadle), ein weiterer Superheld in Iron-Man-ähnlicher Kampfmontur.

Sowohl bei der Besetzung als auch in Sachen Tempo wurde deutlich bei der Fortsetzung einer draufgelegt. Allerdings bleibt am Ende ein leicht fader Nachgeschmack. Ob "Transformers", "G. I. Joe" oder "Iron Man 2": Effekte und Action erscheinen immer mehr austauschbar. Alles verkommt zusehends zur seelenlosen Materialschlacht. Macht man die Filme immer schneller und das CGI-Spektakel immer bombastiger, geht eben letzten Endes viel Raum für Nuancen verloren. Bei "Iron Man 2" merkt man das sichtlich am Spiel von Mickey Rourke: Die Figur ist derart eindimensional als Schurke angelegt, dass es eigentlich schade um den Schauspieler ist. Auch Samuel L. Jackson und Scarlett Johansson bleiben blas. Ihre Auftritte haben eine eher programmatische Funktion, da hier bereits die Weichen für die "Avengers" gelegt werden. Besonders Johansson scheint immer eine Art Schmachtfetzenfunktion zuzukommen – auch wenn sie diesmal ordentlich austeilen darf. Darstellerisch herausragend ist aber letztlich nur Sam Rockwell. Und der braucht nicht mal Superheld zu sein, um wirklich abzuheben.

Fazit: Iron Man 2 ist zwar eine gelungene Fortsetzung, zugleich aber wirkt das Sequel deutlich glatter und seichter als der erste Teil. Der herausragende Cast wirkt ein wenig wie schmückende Staffage, wirklich zu Geltung kommen, können all diese Stars nicht. Zudem war der Vorgänger deutlich knackiger, allein deshalb, da die Fights deutlich verzweifelter wirkten. Trotzdem ist der Streifen alles in allem durchaus gefällig und unterhaltsam. Wer Superhelden-Popcornspektakel mag und möglicherweise Fan von AC/DC & Co. ist, wird sicherlich mit einem Grinsen auf dem Gesicht das Kino verlassen.




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