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Ganz Nah Bei Dir
Ganz Nah Bei Dir
© Timebandits Film

Kritik: Ganz nah bei Dir (2009)


"Ganz nah bei Dir", der neue Film der "Fickende Fische"-Regisseurin Almut Getto, gewann den Publikumspreis beim Max-Ophüls-Festival 2009.
Mag sein, dass die Auszeichnung an den charmanten Hauptdarstellern oder der Qualität der anderen Beiträge lag – vom großen Bringer in Sachen neuer deutscher Liebesfilm ist "Ganz nah bei Dir" nämlich ganz weit entfernt. Zwar fehlen – zum Glück – die Zoten und Albernheiten der üblichen hierzulande produzierten Komödien. Aber dafür mangelt es auch an emotionaler Plausibilität, während die Witzigkeit sich stark in Grenzen hält.
Der ach-so-weltfremde, penible und obendrein stark an "Schräger als Fiktion" erinnernde Kauz Phillip (Bastian Trost) tapert zunächst mal in einem viel zu langatmigen Einstieg mit Voiceover in die Handlung, wobei man die banale Metapher des Schildkrötenpanzers arg überstrapaziert – auch wenn Philips kleiner Freund Paul durchaus putzig ist. Dann stolpert Lina (Katharina Schüttler) in sein Leben, eine lebensfrohe blinde Cellistin mit ausgeprägtem Sinn für äußerlichen Stil. Ihrerseits bricht anscheinend sofort die große Liebe aus. Doch fragt man sich, warum: Zwar sagt Philip offen, was er denkt. Aber was er sagt, ist entweder unfreundlich oder abweisend; bestenfalls spröde. Und wie er es sagt, ist auch nicht unbedingt attraktiv – es sei denn, Lina hegt ein Faible für nölige Stimmlagen.
Zwei mehr oder weniger ungewöhnliche Außenseiter machen noch keine originelle Liebesgeschichte. Zu gewollt erscheint die "Verschrobenheit". Sympathie für Philip aufzubringen, wird tatsächlich im Laufe des Filmes zunehmend anstrengender, während einem Lina dagegen als fast zu gut für diese Welt vorkommt. Da beide Schauspieler sich allerdings unbeschwert gegen die die krakelige Charakterzeichnung durchsetzen, ist das Ganze zumindest interessant anzusehen, auch wenn es schwer fällt, sich wirklich für die behauptete Liebe der beiden zu erwärmen - was zudem auch einige alberne Plotpunkte erschweren.
Unterm Strich ist "Ganz nah bei mir" ein sehr bemühter, aber nicht vollends überzeugender Liebesfilm mit ein paar netten Einfällen. Trosts und Schüttlers Präsenz allein macht einige gröbere Schwächen der Geschichte wett.
Im Kino muss man sich den Film nicht unbedingt ansehen, für einen Fernsehabend reicht es aber allemal.





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