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Ashes Of Time: Redux
Ashes Of Time: Redux
© 2009 Twentieth Century Fox

Kritik: Ashes Of Time: Redux (2008)


Üblicherweise erzähle ich von meinen Film-Eindrücken nicht in der Ich-Perspektive: Als Journalist und Kritiker sollte man sich schließlich Objektivität so groß wie möglich auf die Fahnen schreiben. Selbstverständlich aber stellt jede Besprechung eines Films auch nur eine Stimmungs- und Meinungswiedergabe dar – besonders wenn man sich an sehr wenig "harten Kriterien" orientieren kann. Gelegentlich behalte ich mir also vor, "weniger sachlich", auf die persönliche Ebene zu wechseln. In der Regel bei sehr aufwühlenden Filmen oder solchen, bei denen außer Fragezeichen im Kopf wenig aufgeht.
Vorneweg: Ich mag asiatisches Kino und bin großer Fan gutgemachter Martial-Arts-Movies. Das fängt bei alten Jackie Chan-Klassikern der Knochenbrecher-Ära und Zatoichi-Streifen an, geht über visuell opulente Werke wie „Hero“ und „Tiger and Dragon“, bis hin zu „Ein Hauch von Zen“. Und ich hätte mir gewünscht, bei „Ashes of Time: Redux“ etwas von diesen Filmen wieder entdecken zu können.
Eigentlich stammt der Film, der von den Figuren aus Louis Chas Roman „The Eagle-Shooting Heroes“ inspiriert ist, aus dem Jahre 1994. Eindeutig mehr dem Arthouse-Kino und nicht dem Kampfkunst-Genre zuordenbar, wurde er jetzt überarbeitet und gelangt nun als Redux-Fassung in die Kinos (erinnert namentlich etwas an „Apokalypse Now – Redux“, hat aber rein gar nichts damit zu tun). Die Geschichte kreist um einen Mann namens Oyang Feng (Leslie Cheung). Seit einigen Jahren lebt er in der westlichen Wüste. Er verließ seine Heimat in White Camel Mountain, als die Frau, die er liebte, seinen älteren Bruder, an seiner statt, heiratete. Er fristet ein niederes Dasein als Auftragsvermittler für Berufsmörder. Wenn jemand mit dem Wunsch an ihn herantritt, eine andere Person zu beseitigen, vermittelt Oyang Feng gegen eine entsprechende Provision einen Schwerkämpfer, der diesen Job erledigt.
Sich weiter über Details der Handlung auszulassen, ist weder möglich, noch erscheint es besonders sinnvoll: es fiel mir nicht im Geringsten leicht, dieser zu folgen. Sicher ist nur, dass einige Schwerkämpfer auf- und abtreten. Und so was wie Kämpfe gibt es auch. Allerdings sind diese (unerfreulich) weit vom gehobenen Kampfkunst-Theater entfernt. Der holprige Erzählrhythmus orientiert sich am Chinesischen Almanach, der das Jahr in 24 Abschnitte teilt.
Die Geschichte startet im „Jingzhe“. Er ist der dritte Abschnitt des Sonnenjahres und beginnt, wenn die Sonne den 345. himmlischen Längengrad erreicht und endet beim 360 (ohne dies später nachgelesen zu haben, hätte ich es nicht erklären können, um etwas vom chronologisch verwirrenden Episoden-Erzählstil wiederzugeben wollte ich die Information aber nicht auslassen) Zeitlich oder geografisch lässt sich die Handlung nicht einordnen: irgendwann, an irgendeinem Ort, im fernen China, muss reichen.
Punkten könnte „Ashes of Time: Redux“ hingegen mit seiner Optik, die ohne jegliche Übertreibung als sehr avantgardistisch eingestuft werden kann. Die Bilder sind extrem farbreduziert, der Kontrast hingegen schon grenzwertig stark aufgedreht und die Blende bis zum Geht-nicht-mehr offen: womit sich die Charaktere im Vordergrund besonders herausschneiden, die Tiefenschärfe aber mehr als reichlich abfällt (ich bekam nur Kopfschmerzen davon). Die Bemerkung, dass dies alles Geschmacksache ist, könnte ich mir jetzt eigentlich verkneifen. Ebenso müßig ist es, sich ins Museum vor ein paar Gemälde zu stellen und darüber zu streiten, ob der Expressionismus oder der Impressionismus künstlerisch wertvoller ist. Also lasse ich´s dabei bewenden.

Fazit: Wer sich als Liebhaber von experimentierfreudigem Avantgardekino versteht, der könnte mit diesem Film gut beraten sein. Freunde von Martial-Arts-Epen sollten sich besser nicht versucht fühlen - die Enttäuschung könnte zu groß sein.




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