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© Sony Pictures Classics

Kritik: Am Ende des Weges (2009)


Der Einsiedler Felix Bush steht kurz vor seinem Tod. Doch bevor er das Zeitliche segnet, will er seine eigene Bestattungsfeier vorab organisieren und veranstalten, um den Dorfbewohnern die Beweggründe für seine 40-jährige Abwesenheit vom gesellschaftlichen Leben zu erklären. Diese sahen ihn bis dato als einen gefährlichen Irren an und so hat sich in den vier Jahrzehnten das ein oder andere Gerücht um seine Person gesponnen. Seine letzte Kraft will er dazu nutzen, sich diesen entgegenzustellen und den wahren, nicht minder schlimmen Hintergrund seiner Abgeschiedenheit zu erklären.

Entfernt am historischen Original angelehnt, dessen ursprüngliche Motivation zu dieser auf den ersten Blick abstrusen Idee nicht von ihm selbst ausging, sondern dem Bestatter, erzählt „Am Ende des Weges“ eine eigentlich sehr traurige Geschichte über vorschnelle Verurteilung und nicht minder schlimme Selbstzweifel. Aaron Schneider feiert mit diesem ruhigen und teils tiefsinnigen Selbstfindungstrip ein Langfilmdebut, das auch vielen anderen Regisseuren wünschenswert gewesen wäre. Für den Kurzfilm "Two Soldiers" erhielt er 2003 bereits einen Oscar und kann nun auch auf der großen Leinwand zeigen, was in ihm steckt.

Obwohl einige Längen vorhanden sind, werden diese aufgrund des guten Schauspiels kaum spürbar. So machen nahezu alle Darsteller eine äußerst tolle Figur, allen voran Robert Duvall als zurückgezogen lebender Sturkopf, dicht gefolgt von Bill Murray als anfangs profitgeiler Totengräber und später ehrlicher Bankier mit sozialer Ader. Der finale Höhepunkt kann die vergangene Zeit mit einer relativ wenig schockierenden Wahrheit trotzdem kaum tragen und so fühlt man sich gegen Ende doch ein kleines bisschen enttäuscht. Dieses fällt nicht sonderlich bewegend aus, was daran liegt, dass der Film seine komplette Spannung aus der heiß erwarteten Pointe zieht, die dem Zuschauer wider Erwarten von Beginn an vorgekaut wird und damit leider weniger kreativ ausfällt als gehofft. Das Publikum hat hier ähnliche Erwartungen wie die angespannten Dorfbewohner und kann die innerliche Zerrissenheit des Protagonisten letztlich nur halbwegs nachvollziehen.

Fazit: Die guten Schauspieler vermögen über manche Länge hinwegzutrösten - der finale Höhepunkt aber enttäuscht. In gewisser Weise natürlich ein Armutszeugnis für die heutige Kinogeneration und vielleicht damit auch großer Kritikpunkt seitens des Regisseurs, verlässt der Zuschauer doch ebenso wenig erstaunt und entsetzt das Kino wie die Schaulustigen die Bestattungsfeier.




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