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Das Bourne Vermächtnis
Das Bourne Vermächtnis
© Universal Pictures Germany

Kritik: Das Bourne Vermächtnis (2010)


Viele lieb gewonnene Klassiker des Agentengenres hinterlassen heute, insbesondere bei einer jüngeren Zielgruppe, den Eindruck von nicht ganz ernst gemeinten Parodien. Smarte Smokingträger mit lässig locker im Mundwinkel drapierter Zigarette und stets mit einem Glas Martini oder einem sonstigen alkoholischen Muntermacher bewaffnet, die gigantomanische Bösewichter bekämpfen und dabei aussehen als wären sie grad bei einem Männermodel-Shooting, weisen, so cineastisch nostalgisch das Ganze auch sein mag, etwas unfreiwillig Komisches auf.

Der Agent von heute ist ein Elitesoldat, hoch trainiert, physisch hart, unerbittlich, gnadenlos konsequent, der das unerschütterliche Gemüt eines Androiden aufweist. Der fleischgewordene Albtraum all jener, die auf seiner Abschussliste stehen oder ihm in die Quere kommen und eine Eierlegende-Survivalwollmichsau, die sich unter allen Umständen behauptet, um die Mission zu Ende zu führen. Vor nunmehr zehn Jahren ging der Prototyp dieses Agenten im Kino zum ersten Mal ins Rennen. Basierend auf einem Charakter, den ursprünglich der amerikanische Autor Robert Ludlum erdachte, fightete sich Matt Damen in "Die Bourne Identität" als Jason Bourne, Mann ohne Gedächtnis, atemlos durch einen Streifen, der neue Maßstäbe setzte.

Es gibt Wendepunkte in der Filmgeschichte nach denen nichts mehr ist wie zuvor. Ähnlich "Matrix", der 1999 das SciFi-Genre revolutionierte, veränderte auch Bourne das Agentengenre nachhaltig. Selbst der populärste aller Agenten, James Bond, konnte sich diesem Einfluss nicht entziehen. Mit Daniel Craig trat dann erstmalig ein Bond in Erscheinung, der sich physisch hinter Bourne nicht zu verstecken brauchte. Doch Bourne war nicht allein eine Action-Achterbahnfahrt, auch die spannende wie verwinkelt Story, mit ihren epischen Strukturen, wusste durchaus zu überzeugen.

Eine Dekade nach Matt Damon geht nun im vierten Bourne-Abenteuer, "Das Bourne Vermächtnis", ein neuer Protagonist ins Rennen. Damon hatte von den physischen Strapazen der Rolle genug und machte Platz für Jeremy Renner, der kurz zuvor bereits in "Marvels The Avengers" unter Beweis gestellt hatte, dass er knallharte Elitesoldaten durchaus adäquat zu verkörpern weiß. Teil vier der Bourne-Saga ist allerdings kein Reboot oder eine direkte Fortsetzung, Renner schlüpft nicht in die Haut von Jason Bourne, sondern verkörpert eine andere Figur. Einen Agenten, der aus dem selben Supersoldatenprogramm hervorging, wie seinerzeit Bourne.

Hochkarätig gibt sich schon mal der Cast. Neben Renner gehen Rachel Weisz und Edward Norton sowie die Altstars Scott Glenn und Stacey Keach ins Renner. Die Story lässt sich diesmal aber leider auf einem Bierdeckel zusammenfassen: Nervös geworden, durch das Bourne-Desaster übt die Politik Druck auf die Geheimdienstler aus und zwingt die Verantwortlichen alles zu eliminieren, was an das Supersoldatenprogramme erinnert. Inklusive aller daraus hervorgegangen Produkte. Marta (Rachel Weisz), eine Wissenschaftlerin, die eigentlich bei der Erschaffung der Supersoldaten beteiligt war, kann diesem grausamen Entschluss nichts abgewinnen und schlägt sich auf die Seite des Agenten Aaron Cross (Jeremy Renner), und sogleich wird auf beide die gnadenlose Jagd eröffnet.

Was folgt ist ein weitestgehend Ideenlos inszenierter Action-Streifen, der schon allein wegen seiner Beliebigkeit das Bourne-Siegel nicht verdient. Selbst die realistischen Martial-Arts-Fights, die früher immer ein echtes Highlight darstellten, geraten nun auf die Dauer fade. Renner alias Cross vermöbelt zwar gekonnt, ein ums andere Mal jede Menge gesichtsloser Widersacher, es fehlt aber deutlich an gleichwertigen Antagonisten, die den Adrenalinpegel nach oben treiben würden.
Vergessen wurde zudem das Staraufgebot an Darstellern besser in Szene zu setzen. Norton als Sesselpupser, der die Eliminierungsaktion leitet, entwickelt kaum Präsenz und die Altstars Glenn und Keach verpuffen schon geradezu. Insbesondere Weisz erweist sich aber als nicht mehr, denn ein zu jeder Zeit austauschbarer Eye-Catcher.

Was dem Fass letztlich komplett den Boden ausschlägt, ist die Tatsache, dass zu Spannungsförderung die Nummer mit der Pille ersonnen wurde: Die durch allerlei Bio-Alchemie hochgetunten Agenten, sind nämlich darauf angewiesen – wollen sie auch weiterhin ihre außergewöhnlichen körperlichen und mentalen Fähigkeiten behalten – regelmäßig eine blaue und eine gelbe Pille einzuwerfen. Eine solche hätte man sich jedoch auch als Zuschauer gewünscht, dann wäre "Das Bourne Vermächtnis", dessen einzige Glanzpunkte eine überzeugende Kameraführung und visuell gewinnden Einstellungen sind, vielleicht besser zu ertragen gewesen.

Fazit: Einfallslos inszenierte Fortführung der Bourne-Saga, der es an fast allem mangelt: Spannung, überraschenden Wendungen, einer gelungenen Story und belebenden Elementen. Als seelenloses Action-Einerlei geht es aber vielleicht noch durch, falls sich die Ansprüche in der Nähe der Nulllinie einpendeln.




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