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Cowboys & Aliens
Cowboys & Aliens
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Cowboys & Aliens (2011)


Selten zuvor, außer vielleicht in den 1950er Jahren, standen die Invasionsfilmen derart hoch im Kurs. Waren es vor 60 Jahren aber die gerade aufkommende Raumfahrt und der Glaube an die Kraft des Atoms, dessen Energien vermeintlich einen baldigen interstellaren Raumflug in Aussicht stellten, spiegeln sich im Augenblick vermutlich ganz irdische existenzielle Ängste – beispielsweise der Überfremdung in einer globalisierten Welt – in den diversen filmischen Derivaten des Invasionsthemas wider.

Allen Filmen dieser Gattung gemein war bisher, dass die Invasion in der aktuellen Zeit stattfindet oder zumindest in einer Nah-Zukunft. "Cowboys & Aliens" verlagert den Zeitpunkt allerdings in die Zeit des Wilden Westens, der Rinderbarone und der einsamen Revolverhelden. Es ist das Jahr 1873, der amerikanische Bürgerkrieg ist noch keine zehn Jahre vorbei und der Westen noch lange kein Ort, an dem Recht und Ordnung etwas alltägliches sind. Mitten in der Wüste erwacht ein Mann ohne Namen und Gedächtnis (Daniel Craig). Ohne Erinnerung führt ihn sein Weg, nachdem er ein paar Skalpjäger aufgemischt hat, in das Städtchen Absolution. An seinem linken Unterarm befindet sich eine sonderbare Metallmanschette, womit der Fremde noch sonderbarer auf die Bevölkerung wirkt, die Fremden ohnehin nicht gerade aufgeschlossen ist.

Der Herrscher über die Ortschaft, der skrupellose Colonel Dolarhyde (Harrison Ford) findet ebenfalls wenig Gefallen an dem mysteriösen Neuankömmling. Der hat inzwischen zumindest einen Namen: Jake Lonergan. Die klassische wie endgültige Konfrontation zwischen dem lokalen Tyrannen und dem Stranger scheint unausweichlich. Als aber plötzlich Lichter am Horizont auftauchen und die Stadt und ihre Bewohner von bizarren Flugapparaturen attackiert werden, raufen sich die Feinde gegen einen übermächtigen Gegner, der sie alle zugleich bedroht, zusammen. Überdies entpuppt sich Lonergans Armschmuck als überaus effektive Waffe, wenn es darum geht, fliegende Untertassen vom Himmel zu befördern.

Jon Favreau ("Iron Man") bewies inszenatorischen Mut als er sich an die Umsetzung von "Cowboys & Aliens" machte. Der Film basiert auf einer hierzulande wenig bekannten Comicvorlage und erzählt im Prinzip eine klassische Invasionsgeschichte. Neu ist allerdings die Verknüpfung zweier Genres, die auf den ersten Blick nicht gerade viel gemeinsam haben: SciFi und Western. Als etwas gewöhnungsbedürftig erweist sich das mitunter schon, im Grunde entpuppt "Cowboys & Aliens" aber als klassischer Western. Es gibt einen Despoten, der mit eiserner Hand über eine abgelegene Stadt herrscht und den draufgängerischen Fremden, der dessen Regentschaft in Frage stellt. Dazu mit Olivia Wilde eine mysteriöse Schöne, dessen Rolle zwar nicht weit trägt, aber ordentlich Eye-Candy in die Story zaubert. Erfreulich darüber hinaus das Wiedersehen mit Leinwandrelikten wie Clancy Brown, wenn seine Rolle auch verhältnismäßig bescheiden ausfällt.

Gelungen ist zweifelsfrei auch die westerntypische Atmosphäre. Zudem wurde sich in puncto Humor sichtlich zurückgehalten, was dem Film einen knochigen Charme verleiht. Der stets verkniffen dreinblickende Craig und ein grimmiger Ford fügen sich dort passgenau ein, und mit Sam Rockwell und Keith Carradine stünde eigentlich auch Potenzial in der zweiten Reihe zur Verfügung, wenn man solch interessanten Nebenfiguren nur mehr Raum zugebilligt hätte. Positiv hingegen, dass trotz aller unausweichlicher CGI-Technik die handgemachte Action nicht zu kurz geriet. Ein Western ohne diese Komponente wäre einfach kein Western mehr. Summa summarum gelang ein knackiges Genre-Crossover, das gut unterhält, wenn man gewisse (hanebüchene oder unfreiwillig komische) Handlungswendungen nicht allzu sehr hinterfragt. Die Verbeugung vor beiden Genres ist auf jeden Fall unbestritten, wobei Steven Spielberg, der als ausführender Produzent fungierte, sich Reminiszenzen an "Unheimliche Begegnung der dritten Art" und "Krieg der Welten" nicht verkneifen konnte.

Fazit: Solide durchinszenierter Western-SciFi-Mix, der es herzhaft hart krachen lässt und sich zuweilen um Logik nicht allzu sehr schert. Die guten Darsteller heben den Film aber auf ein ansehnliches Niveau, wenn man insgesamt aus dem Potenzial auch deutlich mehr hätte machen können.





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