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A Single Man
A Single Man
© The Weinstein Company

Kritik: A Single Man (2009)


"A Single Man" ist der hübschere, aber oberflächliche jüngere Bruder von "A Serious Man", aus demselben Jahr – beide spielen in den USA zu Beginn der 60er Jahre und drehen sich um Professoren in ernsthaften Schwierigkeiten. Nur trägt man in der Coen-Farce fieses Polyester, während Tom Ford in seinem Regiedebüt so richtig aufdreht: Sein Protagonist, der britische Literaturprofessor George Falconer (Colin Firth), muss irgendeine geheime zweite Einnahmequelle haben - wohnt er doch in einem durchgestylten Designerhaus mit viel Glas und Holz, inmitten edler Möbel, angetan mit eleganter Kleidung und einem makellosen Mercedes in der Garage...
Auch sonst erschlägt Stil den Inhalt. An Firth liegt es nicht – seine Oscar-Nominierung kommt nicht von ungefähr. Höhepunkt des Film ist tatsächlich ein brillianter Reaktionsshot, in dem er die Kunde vom Tod seines Partners der letzten sechzehn Jahre erfährt. Dabei bringt er ohne groß aufzudrehen die unvorstellbare Grausamkeit, mit der man ihm verdeutlicht, dass er als Homosexueller kein Recht auf Trauer beanspruchen darf, auf den Punkt.
Leider fehlen dem Film mehr solcher Momente. Da hilft auch Julianne Moore als desillusionierte, trinkfreudige beste Freundin und Ex nicht – egal wie hoch sie den Emotionspegel schraubt. Gegen eine unterkühlte Inszenierung, die beizeiten wie eine sehr lange Retro-Modestrecke anmutet, kommt selbst sie nicht an. Auch elegische Musikstrecken, ästhetische Traumsequenzen und aufdringliche Farbwechsel lenken eher vom eigentlichen Kern der Story – ein Mann beschließt, zu sterben – ab. So poliert Ford seine Trauer glatt, indem er ihn in immer neuen exquisiten Sets arrangiert.
Im letzten Drittel stiftet Ford dann mit Kenny, einem ausnehmend hübschen Studenten im weißen Flauschpulli (Angora? Kaschmir?) Verwirrung. Ist er an Falconer mehr als nur menschlich interessiert? Ahnt er, was in ihm vorgeht? Egal. Hauptsache, er lässt sich augenfreundlich ausleuchten.
Unterm Strich ist "A Single Man" Fans von Colin Firth und ästhetisch inszenierten Tableaus zu empfehlen. Als emotionales Drama überzeugt er über weite Strecken nicht. Allein als Debüt betrachtet ist der Film jedoch absolut überzeugend – sollte Ford sein Faible für aufdringlich elegante Ausstattung jemals ablegen können, dürfte er sich als solider visueller Geschichtenerzähler erweisen.




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