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Red Dawn - Hauptplakat
Red Dawn - Hauptplakat
© Concorde

Kritik: Red Dawn (2010)


Die Russen kommen! Auf diese ebenso einfache wie überaus prägnante Formel ließe sich "Red Dawn – Die Rote Flut" problemlos reduzieren; das filmische Paradebeispiel aus der Hochzeit des Kalten Krieges, das (unverständlicherweise) einen erstaunlichen Kultstatus genießt. Der Film handelt von einer fiktiven sowjetisch-kubanischen Invasion in die USA, wonach weite Teile des Landes in die Hände der Kommunisten fallen. Widerstand folgt natürlich auf dem Fuß: In einer typischen Vorstadt schließen sich ein Schar von Highschool-Teenagern zu einer Widerstandsgruppe zusammen, die sich nach der örtlichen Football-Mannschaft, Mavericks, tauft. Sie verstecken sich im Wald, bewaffnen sich nach und nach, und beginnen einen Partisanenkampf gegen den sein Unwesen treibenden Invasor – mit dem einzigem Ziel, diesen aus der geliebten Heimat zu vertreiben.

Der Kalte Krieg mag inzwischen eine Weile her sein, Terror gibt es auf der Welt allerdings noch im Übermaß. Ex-Weltpolizist USA fällt es jedoch in einer Welt des multipolaren Schreckens immer schwerer, den wahren Gegner zu erkennen. Feinde für das aufrechte Amerika finden sich aber immer noch zahlreiche, selbst wenn die selbst gemachten langsam auszugehen drohen. Es reicht, intensiv genug nach ihnen Ausschau zu halten, und wenn es gar nicht anders geht, sie anschließend zu dem hoch zu stilisieren, zu dem sie aus eigener Kraft nie befähigt wären. Das schien den Machern auch Legitimation genug, um ihr peinliches "Red Dawn"-Remake zu rechtfertigen. Nicht etwa, dass das Original mit seinem beinahe schon faschistoiden Tenor weniger anstößig wäre. Zumindest aber war es, im zeitgeschichtlichen Kontext, als Propagandawerk noch halbwegs nachvollziehbar. Davon ist die Neuauflage nun Lichtjahre entfernt.

Russland und China, mit denen man sich Angesicht in Angesicht sowohl im UN-Sicherheitsrat gegenüber sitzt, als sich auch regelmäßig die Hände beim G8-Gipfel schüttelt, schieden beim Remake als Aggressoren nachvollziebarerweise aber aus. Mit beiden möchte die USA bestimmt nicht in die diplomatisches Eiszeit zurück. Überdies ist China einer der größten Gläubiger Amerikas, also musste stellvertretend ein anderer Schurkenstaat her. Die Wahl fiel auf Nord-Korea, dass zugegebenermaßen von den Gestaden der Demokratie ebenso weit entfernt ist, wie die NASA von einer bemannten Marslandung (letzteres werden wir dann wohl noch eher erleben). Plausibel will die Handlung von "Red Dawn" dennoch nicht wirklich erscheinen.

Da fliegen unzählige Flugzeuge voll von nord-koreanischen Fallschirmspringern um den halben Globus, springen über den USA ab, überrumpeln die stärkste Militärmacht der Welt im Schlaf, und erobern im Handstreich weitläufige Bereich des Landes. Sofern man über mehr Intellekt als ein durchschnittlicher Gurkensalat verfügt, möchte man sich fragen, was ist mit Polizei, SWAT, Nationalgarde, Kojak, Starsky and Hutch? Was ist mit den Gangs in den Ghettos? Allein die ganzen Kriminellen in den USA sollten doch reichen, um den anfänglich nicht mehr als ein paar Tausend Fallschirmspringern in den Arsch zu treten.

Nein, wieder mal regt sich der Widerstand in einer Kleinstadt; und wieder mal ziehen ein paar gut aussehende Jugendliche als Guerilleros in die Schlacht, um den fiesen Nord-Koreanern einen bleihaltigen Empfang zu bescheren. Dass es dabei hin und wieder zu durchschnittlicher Action kommt, will man dem Film gar nicht absprechen. Was aber ist der Zweck der Übung? Was soll einer neuen Generation von Teenagern, die den Kalten Krieg nicht miterlebte, dieser Film für eine Botschaft vermitteln? Welche Ängste sollen hier geschürt und genähert werden? Um eines Tages welches potenzielle politische Handeln möglicherweise zu rechtfertigen? Aus dieser Perspektive betrachtet, fühlt sich "Red Dawn" schlichtweg wie übelste Rechts-Außen-Propaganda an, mit dem Zweck (neue) Feindbilder tief ins Bewusstsein kommender Generationen zum implementieren; damit auch in Zukunft Amerika als mobile Einsatztruppe mit der Gatling-Gun zur Tat schreiten darf. Es scheint tatsächlich, als hätten man dort immer noch nichts dazugelernt.

Fazit: Ideologisch mehr als fragwürdiges Werk, das heroisch-pathetisch Freiheitskampf und Patriotismus am Beispiel einiger Jugendlicher festmacht. Diese führen, in einer kruden Mischung aus Abenteuer-Camping und Katz-und-Maus-Spiel, einen erfolgreichen Partisanenkampf gegen eine perfekt eingespielte Militärmaschinerie. Um das für plausibel zu halten, braucht es dann schon ein außerordentliches Maß an Naivität.




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