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Precious - Das Leben ist kostbar
Precious - Das Leben ist kostbar
© Prokino

DVD & Blu-Ray: Precious - Das Leben ist kostbar (2009)

Precious - Das Leben ist kostbar - Limitierte Oscar...Cover

DVD: Precious - Das Leben ist kostbar - Limitierte Oscar Edition

Verkaufsstart: 16.09.2010
FSK: 12
Anbieter / Label:
Bildformat: 16:9 / 1,85:1
Sprache / Ton: Deutsch, Englisch - Dolby Digital 5.1
Untertitel: Deutsch
Länge: 156 Minuten
Extras: Audiokommentar mit Regisseur Lee Daniels; A Winning Team: Im Gespräch mit Mo'Nique, Mariah Carey, Gabourey Sidibe, Paula Patton, u.a.; Gabbys Probeaufnahmen; Unveröffentlichte Szene "Geständnisse"; Interview mit Lenny Kravitz; Oprah und Tyler: Herzblut für Precious; Szenen vom Dreh; Film trifft Roman: Lee Daniels und die Romanautorin Sapphire; Zwei Kinotrailer
Kritik: Manche Filme erzählen schon vor dem ersten Bild eine Geschichte: Obwohl „Precious“ beim Sundance Festival Jury- und Publikumspreis gewann, in Cannes erfolgreich lief und auf verschiedenen Preisverleihungen ausgezeichnet wurde, fand der Film nur sehr mühsam seinen Weg in die deutschen Kinos. [weiterlesen] Anscheinend befürchteten Verleiher und Betreiber, dass ein Sozialdrama über ein übergewichtiges missbrauchtes schwarzes Mädchen hier keine Zuschauer findet. Dahinter steckt aber auch die Angst vor rassistischen Zuschauern und mangelndem Verständnis für die nur scheinbar typisch amerikanische Problematik sowie ein geringes Zutrauen in die Aufnahmebereitschaft des deutschen Publikums. Letztendlich brachte erst die Oscarverleihung „Precious“ in deutsche Kinos – und nun erscheint der Film auf DVD.

Clareece, die sich selbst lieber Precious nennt, ist 16 Jahre alt, übergewichtig und zum zweiten Mal von ihrem Vater schwanger. Ihr erstes Kind hat das Down-Syndrom und lebt bei der Großmutter, sie selbst wohnt bei ihrer arbeitslosen Mutter und ist deren Launen und Misshandlungen ausgesetzt. Nachdem ihre zweite Schwangerschaft bekannt wird, muss sie die Schule verlassen und kommt zu einem speziellen Lernprojekt. Hier kann sie ihre Defizite aufholen und erhält die Chance auf einen Schulabschluss. Außerdem gewinnt sie eine unschätzbare Erkenntnis: Sie ist etwas wert.

Das klingt zunächst nach einem problembeladenen Sozialdrama, aber „Precious“ ist im besten Sinne des Wortes anders. Das liegt in erster Linie an der großartigen Gabourey Sidibe, die sich als perfekte Besetzung erweist. Schon in dem Castingvideo, das als Bonusmaterial auf der DVD enthalten ist, ist jene seltene Mischung aus Lethargie, Verletzlichkeit und Mut zu erahnen, die später im Film zu spüren ist: Dieses Mädchen ist ein Opfer, das kein Mitleid, sondern Hilfe braucht. Sie kann sich selbst helfen, allerdings muss sie erst erfahren, wie es geht. Sie ist verwundet, aber nicht völlig kaputt – und sie hat ihren Lebenswillen trotz der Demütigungen nicht verloren. Unter den Polstern der Antriebslosigkeit steckt der Wunsch nach einer besseren Zukunft. Diese Symbiose der Figur ist in einer beeindruckenden Sequenz am Ende des Films zu erleben. Regungslos hört Precious bei einem Treffen mit ihrer Sozialarbeiterin und ihrer Mutter, wie ihre Mutter von den Vergewaltigungen und Misshandlungen erzählt. Hier erfährt der Zuschauer erst das volle Ausmaß der Misshandlungen, das Precious scheinbar stoisch zur Kenntnis nimmt. Doch dann steht sie auf und geht. Mit unmittelbarer Wucht wird der Zuschauer von der Hoffnung getroffen, die Precious mittlerweile gewonnen hat. Und deshalb hinterlässt der Film trotz aller Dramatik ein gutes Gefühl.
Neben Gabourey Sidibe trägt auch die großartige Mo’nique dazu bei, dass dieser Film besonders ist. Im Making-of betont Regisseur Lee Daniels nochmals, dass auch er befürchtete, die Königin des Black Entertainment Television würde diese Rolle nicht spielen können, sie wäre zu nett, zu lustig und zu hübsch. Aber Mo’nique gibt mit äußerst reduzierten Mitteln dem Bösen ein Gesicht. Sie ist unberechenbar, aber nicht bloß grausam, sondern geht deutlich perfider vor: Sie manipuliert und terrorisiert ihre Tochter mit Gewalt, zwingt sie zum Essen, ist unberechenbar und lässt keinen Zweifel daran, dass sie sie töten würde, wenn ihr gerade danach ist. Ihren Oscar hat sich Mo’nique mehr als verdient! Daneben gibt es noch eine ganze Reihe anderer starker und überraschender Leistungen, darunter von Paula Patton als mutige Lehrerin und Mariah Carey als Sozialarbeiterin. Hervorzuheben ist aber auch die Inszenierung von Lee Daniels. Indem er sich auf die Perspektive von Precious konzentriert, schafft er es, dass die Misshandlungen den Zuschauer nicht überwältigen und sich der Film nicht in reiner Drastik verliert. Stattdessen halten beispielsweise die Ausflüchte in Fantasiewelten, die Precious bei den Misshandlungen und Demütigungen unternimmt, die Tragik im Zaum – ohne die Übergriffe auch nur im Mindesten zu verharmlosen. Und so gelingt ihm ein einzigartiger Film über ein missbrauchtes Mädchen, das am Ende hoffnungsvoll in eine Zukunft blickt – ganz ohne Kitsch und falsches Pathos.

Fazit: „Precious“ ist ein ungemein kostbarer Film, der inmitten der klischeehaften Sozialdramen und american-way-movies eine wohltuende Ausnahme darstellt.

Sonja Hartl

EAN: 4260170207319
Preis: Kein Preis vorhanden


Precious - Das Leben ist kostbar - BD-Cover

Blu-Ray-Disc: Precious - Das Leben ist kostbar

Verkaufsstart: 16.09.2010
FSK: 12
Anbieter / Label:
Bildformat: 16:9 / 1,85:1
Sprache / Ton: Deutsch, Englisch - DTS HD Master Audio 5.1
Untertitel: Deutsch
Länge: 159 Minuten
Extras: Audiokommentar mit Regisseur Lee Daniels; A Winning Team: Im Gespräch mit Mo'Nique, Mariah Carey, Gabourey Sidibe, Paula Patton, u.a.; Gabbys Probeaufnahmen; Unveröffentlichte Szene "Geständnisse"; Interview mit Lenny Kravitz; Oprah und Tyler: Herzblut für Precious; Szenen vom Dreh; Film trifft Roman: Lee Daniels und die Romanautorin Sapphire; Zwei Kinotrailer
Kritik: Manche Filme erzählen schon vor dem ersten Bild eine Geschichte: Obwohl „Precious“ beim Sundance Festival Jury- und Publikumspreis gewann, in Cannes erfolgreich lief und auf verschiedenen Preisverleihungen ausgezeichnet wurde, fand der Film nur sehr mühsam seinen Weg in die deutschen Kinos. [weiterlesen] Anscheinend befürchteten Verleiher und Betreiber, dass ein Sozialdrama über ein übergewichtiges missbrauchtes schwarzes Mädchen hier keine Zuschauer findet. Dahinter steckt aber auch die Angst vor rassistischen Zuschauern und mangelndem Verständnis für die nur scheinbar typisch amerikanische Problematik sowie ein geringes Zutrauen in die Aufnahmebereitschaft des deutschen Publikums. Letztendlich brachte erst die Oscarverleihung „Precious“ in deutsche Kinos – und nun erscheint der Film auf DVD.

Clareece, die sich selbst lieber Precious nennt, ist 16 Jahre alt, übergewichtig und zum zweiten Mal von ihrem Vater schwanger. Ihr erstes Kind hat das Down-Syndrom und lebt bei der Großmutter, sie selbst wohnt bei ihrer arbeitslosen Mutter und ist deren Launen und Misshandlungen ausgesetzt. Nachdem ihre zweite Schwangerschaft bekannt wird, muss sie die Schule verlassen und kommt zu einem speziellen Lernprojekt. Hier kann sie ihre Defizite aufholen und erhält die Chance auf einen Schulabschluss. Außerdem gewinnt sie eine unschätzbare Erkenntnis: Sie ist etwas wert.

Das klingt zunächst nach einem problembeladenen Sozialdrama, aber „Precious“ ist im besten Sinne des Wortes anders. Das liegt in erster Linie an der großartigen Gabourey Sidibe, die sich als perfekte Besetzung erweist. Schon in dem Castingvideo, das als Bonusmaterial auf der DVD enthalten ist, ist jene seltene Mischung aus Lethargie, Verletzlichkeit und Mut zu erahnen, die später im Film zu spüren ist: Dieses Mädchen ist ein Opfer, das kein Mitleid, sondern Hilfe braucht. Sie kann sich selbst helfen, allerdings muss sie erst erfahren, wie es geht. Sie ist verwundet, aber nicht völlig kaputt – und sie hat ihren Lebenswillen trotz der Demütigungen nicht verloren. Unter den Polstern der Antriebslosigkeit steckt der Wunsch nach einer besseren Zukunft. Diese Symbiose der Figur ist in einer beeindruckenden Sequenz am Ende des Films zu erleben. Regungslos hört Precious bei einem Treffen mit ihrer Sozialarbeiterin und ihrer Mutter, wie ihre Mutter von den Vergewaltigungen und Misshandlungen erzählt. Hier erfährt der Zuschauer erst das volle Ausmaß der Misshandlungen, das Precious scheinbar stoisch zur Kenntnis nimmt. Doch dann steht sie auf und geht. Mit unmittelbarer Wucht wird der Zuschauer von der Hoffnung getroffen, die Precious mittlerweile gewonnen hat. Und deshalb hinterlässt der Film trotz aller Dramatik ein gutes Gefühl.
Neben Gabourey Sidibe trägt auch die großartige Mo’nique dazu bei, dass dieser Film besonders ist. Im Making-of betont Regisseur Lee Daniels nochmals, dass auch er befürchtete, die Königin des Black Entertainment Television würde diese Rolle nicht spielen können, sie wäre zu nett, zu lustig und zu hübsch. Aber Mo’nique gibt mit äußerst reduzierten Mitteln dem Bösen ein Gesicht. Sie ist unberechenbar, aber nicht bloß grausam, sondern geht deutlich perfider vor: Sie manipuliert und terrorisiert ihre Tochter mit Gewalt, zwingt sie zum Essen, ist unberechenbar und lässt keinen Zweifel daran, dass sie sie töten würde, wenn ihr gerade danach ist. Ihren Oscar hat sich Mo’nique mehr als verdient! Daneben gibt es noch eine ganze Reihe anderer starker und überraschender Leistungen, darunter von Paula Patton als mutige Lehrerin und Mariah Carey als Sozialarbeiterin. Hervorzuheben ist aber auch die Inszenierung von Lee Daniels. Indem er sich auf die Perspektive von Precious konzentriert, schafft er es, dass die Misshandlungen den Zuschauer nicht überwältigen und sich der Film nicht in reiner Drastik verliert. Stattdessen halten beispielsweise die Ausflüchte in Fantasiewelten, die Precious bei den Misshandlungen und Demütigungen unternimmt, die Tragik im Zaum – ohne die Übergriffe auch nur im Mindesten zu verharmlosen. Und so gelingt ihm ein einzigartiger Film über ein missbrauchtes Mädchen, das am Ende hoffnungsvoll in eine Zukunft blickt – ganz ohne Kitsch und falsches Pathos.

Fazit: „Precious“ ist ein ungemein kostbarer Film, der inmitten der klischeehaften Sozialdramen und american-way-movies eine wohltuende Ausnahme darstellt.

Sonja Hartl

EAN: 4260170310255
Preis: Kein Preis vorhanden





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