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Kritik: The Crazies - Fürchte deinen Nächsten (2010)


Mit schöner Regelmäßigkeit werden Klassiker neu aufgelegt. Und erwartungsgemäß können diese Remakes in den meisten Fällen den Originalen nicht das Wasser reichen. "The Crazies" gehört zwar nicht unbedingt zu den bekannteren Werken des Horrorgenres, ist aber ein früher Film des Zombiehorror-Spezialisten George Romero und somit, zumindest in Insiderkreisen, gewissermaßen doch eine Art Klassiker. Nun kommt dieses Werk in zeitgemäß erfrischtem Look in die Kinos und muss beweisen, ob es an den kultig-trashigen Charme des Originals heranreichen kann. Im Zentrum des Geschehens steht Ogden Marsh, eine typische amerikanische Kleinstadt, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und noch jeder jeden kennt. Hier sorgt man sich umeinander und es fällt schnell auf, wenn mit jemandem etwas nicht stimmt. Eines Tages taucht während des allsonntäglichen Baseballspiels ein bewaffneter Farmer auf und eröffnet scheinbar grundlos das Feuer. Sheriff David Dutten (Timothy Olyphant) bleibt keine Wahl, als den Mann zu erschießen.

Das absonderliche Verhalten des Farmers bleibt leider keine Einzeltat. Immer mehr Menschen beginnen sich wie durchgeknallte Irre zu benehmen, und bei vielen artet dieses Verhalten in ungezügelter Mordlust aus. Auf der Suche nach der Wahrheit stößt der Sheriff gemeinsam mit seinem loyal ergebenen, aber schrägen, Hilly-Billy-like schießwütigen Deputy Russel (Joe Andersson), auf Sünden des Militärs, welche die Verantwortlichen lieber unter Verschluss gewusst hätten. Jetzt reagieren zwar die Behörden und stellen die gesamte Ortschaft unter Quarantäne, aber der Wahnsinn hat bereits um sich gegriffen: Das ehemals paradiesische Städtchen hat sich in eine Hölle der Gewalt verwandelt. Als die Absperrungen des Militärs auch noch überrannt werden, müssen sich Sheriff Dutten, Deputy Russel, Duttens schwangere Frau (Radha Mitchell), die gerade noch aus einem Lazarett befreit werden konnte, in das man sie irrtümlich verfrachtet hatte, sowie eine weitere junge Frau durch diese Welt der Anarchie und des Terrors kämpfen und geraten dabei zwischen die Fronten.

Die Neuauflage des Originals aus dem Jahre 1973 entpuppt sich als ein wertig erscheinender und ordentlich durchdachter Horrorstreifen, der atmosphärisch dicht ist und über eine solide Erzählstruktur verfügt. Die sonst oft naive Komponente, die solchen Filmen vielfach anhaftet, relativiert sich dadurch, dass die Verwandelten nicht einfach zu geistlosen umherstolpernden Zombies werden. An der Endstufe dieser Verwandlung mag das zwar so sein (wie es üblich ist in den Romero-Welten); lange zuvor sind aber aus ihnen Psychopathen geworden, die durchaus noch in der Lage sind zu sprechen und Waffen zu benutzen. Das verleiht dem Horror in "The Crazies" deutlich mehr Substanz als vielen plakativen Menschenfresser-Streifen und lässt ihn auch nicht derart lächerlich erscheinen, wie jene Filme, die alleinig auf groteske Gewaltexzesse setzen.

Ganz originär gelingt es "The Crazies" aber trotzdem nicht zu sein. Besonders der Einsatz des Militärs und die errichteten Quarantäne-Lazarette erinnern an Filme wie "Outbreak". Und zuweilen bedarf es an einigen Stellen mitunter sehr simpler Wendungen, um die Story in die gewünschte Richtung zu befördern; die Meßlatte sollte aber nicht zu hoch gelegt werden, schließlich ist und bleibt der Film letzten Endes Genrekino, dass in erster Linie seinen eigenen Wurzel verpflichtet ist. Dank eines ordentlichen Casts und einer stimmigen Story, die nicht übers Knie gebrochen wird, gelingt dies auch.

Fazit: Gelungenes Remake, das dem Original nicht nur zur Ehre gereicht, sondern dieses nahezu allenorten übertrumpft. Verglichen mit anderen Werken dieses Genres halten sich sogar die expliziten Gewalteinlagen halbwegs in Grenzen, so dass auch das beklemmende Flair die Chance erhält, seine Wirkung zu entfalten.





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