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Restless
Restless
© 2011 Sony Pictures Releasing GmbH

Kritik: Restless (2010)


Enoch (Henry Hopper) ist ein Trauertourist: Er taucht bei den Begräbnissen fremder Leute auf und versucht, der Trauer um den Verlust eines Menschen näher zu kommen. Eines Tages lernt er auf einer Trauerfeier Annabel (Mia Wasikowska) kennen. Sie scheint seine Affinität zum Sterben zu teilen und sie freunden sich an. Anfangs verbindet sie vor allem ein makaberes Verhältnis zum Tod, doch schon bald stellt sich heraus, dass sie beide verletzte Seelen sind. Enoch verlor seine Eltern bei einem Verkehrsunfall und lag drei Monate im Koma, Annabel hat wegen eines Hirntumors nur noch drei Monate zu leben.
Aus dieser traurigen Ausgangssituation entwickelt Gus van Sant einen schwermütigen Film über zwei junge Menschen, deren Liebe von vorneherein zeitlich begrenzt ist. Dabei erfüllt „Restless“ alle Konventionen eines melancholischen Märchens. Der Film beginnt im Herbst und endet im Winter, die bräunlich-warmen und später winterlich kalten Farben illustrieren die Entwicklung der Beziehung von Annabel und Enoch. Passenderweise erleben sie an Halloween, der Nacht des Totenreiches, einen traumhaften Abend und verlieren sich ganz in ihrer eigenen Welt. Hierfür findet Gus van Sant berückende Bilder, doch letztlich bleibt „Restless“ wenig wahrhaftig.
Dazu trägt vor allem bei, dass die Geschichte zwar anfangs Hinweise auf die Gegenwart enthält, sich dann aber in dem zeitlichen Nirgendwo des Märchens verliert. Die Ausstattung, die Geschichte und insbesondere die Kleidung von Enoch und Annabel, die stilistisch an die 1930er Jahre angelegt ist, lösen die Hauptdarsteller aus ihrer Zeit. Doch dadurch unterscheiden sie sich nicht einfach von den Teenagern der Gegenwart, sondern sie wirken wie Darsteller auf der Bühne des Lebens. Daran können auch die Schauspieler nur wenig ändern. Mia Wasikowska spielt überzeugend, auch Henry Hopper – Sohn von Dennis Hopper – gibt ein solides Debüt. Aber letztendlich ist es Annabels Schwester Elizabeth (Schuyler Fisk), die gerade aufgrund ihrer Bodenhaftung am lebendigsten wirkt. Dagegen bleiben Enoch und Annabel schwärmerische Idealbilder zweier Teenagern, die durch die Nähe zum Tod jeglicher Realität enthoben sind. Dabei ist insbesondere Enoch eine schwierige Figur. Er ist derart besessen von dem Tod, dass erst die todgeweihte Annabel ihn ins Leben zurückholen kann. Einzig im Gespräch mit seinem Phantomfreund Hiroshi, einem japanischen Kamikaze-Piloten aus dem Zweiten Weltkrieg wirkt er lebendig. Und dieser gelungene dramaturgische Einfall zeigt auch, dass der Film mit einer weniger konventionellen Inszenierung zauberhaft geworden wäre.
Fraglos gibt es viele schöne Szenen in „Restless“, die gerade ob ihrer Entrücktheit überzeugen. Doch insgesamt fehlt dem Film die Spannung, er zehrt zu sehr von dem dramatischen Potential der Begrenztheit dieser Liebe. Auch die Musik von Danny Elfman, die zu Beginn des Films wunderbar eingesetzt ist, erdrückt im weiteren Verlauf sämtliche Regungen. Und wenn der Film am Ende wieder in die Gegenwart zurückkehrt, wird deutlich, dass "Restless" mit einem schnelleren Rhythmus und weniger Schwärmerei besser gewesen wäre.

Fazit: "Restless" ist ein romantisches Märchen voller schwärmerischer Ideale, schönen Bildern und guten Darstellern. Letztendlich löst der Film aber gemischte Gefühle aus.





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