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Dr. Karl Maria Herrligkoffer (Karl Markovics) bei...rbat'
Dr. Karl Maria Herrligkoffer (Karl Markovics) bei seinem Vortrag im Salvatorkeller in München am 24.09.1970 über die Nanga Parbat Expedition / 'Nanga Parbat'
© Senator Film

Kritik: Nanga Parbat (2010)


Reinhold Messner erzählt via Joseph Vilsmaier, wie es sich wirklich zutrug, damals, am am 29. Juli 1970 auf dem Gipfel des Nanga Parbat. Und so nimmt der Film auch eindeutig seine Perspektive ein, andere Expeditionsteilnehmer wurden nicht befragt. Die Klammer um die Geschichte – Reinhold Messner unterbricht einen Vortrag des ehemaligen Expeditionsleiters, welcher ihm den Tod seines Bruders Günther anlastet – tut ihr Übriges: "Nanga Parbat" fühlt sich wie eine Rechtfertigung Messners an. Seine Beteuerung, er wolle mit dem Film "selbstkritisch hinterfragen, was am Nanga Parbat passiert ist", klingt daher umso absurder.
Der Nanga Parbat ist tatsächlich nur der neunthöchste Berg der Welt. Extremsportler lockt die 4.500 Meter hohe Rupalwand, die höchste Steilwand der Welt. Diese wollen die beiden Messners im Film unbedingt erklimmen, am liebsten als erste und ohne das Team. Bis sie dort ankommen, dauert es allerdings verdammt lange – Vilsmaier verschwendet viel zu viel Zeit mit der Kindheit der beiden, ohne dass einem die Charaktere dadurch nahe kommen. Günther ist und bleibt nur der kleinere Bruder von Reinhold, vom Anfang bis zu seinem Tod.
In Fahrt kommt die Story, als die erwachsenen Versionen der Südtiroler Brüder (Florian Stetter und Andreas Tobias) mit Expeditionsleiter Karl Herrligkoffer (Karl Markovics) im Camp am Ausgang des Anstiegs eintreffen. Sämtliche andere Expeditionsteilnehmer bleiben jedoch Statisten; wohl auch, um mögliche Klagen zu umschiffen. Herrligkoffer – der inzwischen tot ist und sich nicht mehr wehren kann – wurde als arg deutschtümelnder Antagonist angelegt, der am liebsten Befehle erteilt und dem verwegenen Draufgänger Reinhold ständig im Weg steht. Auch wenn man weiß, wie’s endet, sind Auf- und Abstieg der beiden Brüder die spannendsten Teile des Films, was allerdings vor allem den grandiosen Landschaftsaufnahmen, mit eisigen Weiten und gewaltigen Lawinen geschuldet ist. Dabei fällt es schwer, sich für Reinhold zu erwärmen – was man nicht Stetter anlasten kann, gibt er sich doch ebenso eitel und selbstgerecht, wie Messner gewöhnlich in Interviews wirkt. Günthers Tod kommt dank der schwachen Charakterzeichnung eher beiläufig daher. Auch ist der Zeitraum des Abstiegs nicht greifbar, ebenso wenig wie die Entfernung, welche die beiden noch zusammen zurücklegen.
Seit 2001 kämpft Messner mit seinen damaligen Teammitgliedern Gerhard Baur, Hans Saler und Max von Kienlin um die allerletzte Wahrheit, mittels Büchern, Klagen und Interviews. Er beschuldigt sie der unterlassenen Hilfeleistung. Die Gegenseite vermutet, er habe durch seinen extremen Ehrgeiz zumindest indirekt den Tod seines jüngeren Bruders verursacht – zumal er den Expeditionsteilnehmern Felix Kuen und Peter Scholz zurief, es sei alles in Ordnung, bevor er den Abstieg über die Diamirwand antrat. Was wirklich passiert ist, wird man vermutlich nie erfahren - das Ganze ist inzwischen vierzig Jahre her, und Messner litt auf dem Nanga Parbat unter Nahrungs- und Sauerstoffmangel.

Fazit: Oberflächlich und glatt inszenierte Abenteuergeschichte, mit teils knöchernern Dialogen und grob gezeichneten Charakteren. Die Geschichte wird vollständig auf die Perspektive Reinhold Messners reduziert. Ihn stellt Vilsmaier als selbstgefälligen, überehrgeizigen Bergsteiger dar, der meint, sich über alles und jeden hinwegsetzen zu können. Auch der Tod seines Bruders scheint daran nichts zu ändern. Als herausragende Pluspunkte kann Vilsmaier immerhin majestätische, an Originalschauplätzen aufgenommene Bergpanoramen verbuchen.





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