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Mad Max 4: Fury Road
Mad Max 4: Fury Road
© Warner Bros.

Kritik: Mad Max: Fury Road (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Eine dunkle Gestalt steht auf einem Hügel. Als eine Echse vorüberhuscht, tritt der Mann zu. Hastig schlingt er das Reptil hinunter, der Schwanz zappelt zwischen seinen Zähnen. "Ich heiße Max und meine Welt besteht aus Feuer und Blut", verkündet er mit tiefem Bass. Frau und Kind hat der ehemalige Polizist da bereits verloren. Sein Ziel: überleben. Fans hätten ihn auch ohne Namensnennung erkannt. Sein Wagen hat ihn verraten. Links neben sich hat er seinen rostigen, vom Staub der Steppe verdreckten 1973er Ford Falcon XB GT Coupé abgestellt. Als er den Achtzylinder anwirft, lässt Max seinen Worten Taten folgen: zwei Stunden voller Feuer und Blut, voll Dreck und Benzin.

Bevor der Australier George Miller Regisseur wurde, arbeitete er lange Zeit als Unfallarzt. Der Leichtsinn, mit dem sich junge Erwachsene ins Krankenhaus oder zu Tode fuhren, hätte ihn zu "Mad Max" (1979) inspiriert, hat Miller einmal in einem Interview gesagt. Dass der Filmemacher mit der Geschichte um den Polizisten Max Rockatansky das Actiongenre in puncto Stunts revolutionierte und PS-vernarrte Filmfans den Streifen bis heute kultisch verehren, steht auf einem anderen Blatt. Exploitationkino vom (anderen) Ende der Welt.
"Mad Max" und dessen zwei Fortsetzungen machten Hauptdarsteller Mel Gibson in den 1980ern zum Star. Den Regisseur brachten sie nach Hollywood. Gemeinsam mit seinen Koautoren hat Miller die Geschichte um den einsamen Rächer in einer dystopischen Zukunft beständig weiterentwickelt. Der Asphalt der Straßen ist zusehends dem Staub gewichen, das harte Grau sanften Gelb-, Rot- und Brauntönen. Doch von Sanftmut ist in Max' Welt nichts zu spüren. Die Natur ist in Millers Endzeitfilmen ebenso unerbittlich wie die Überlebenden der Apokalypse, die die Landschaft durchmessen.

Lange war eine Fortsetzung der Reihe im Gespräch. 30 Jahre nach dem vorläufigen Ende ist Max Rockatansky nun zurück auf der großen Leinwand. Die Geschichte ist irgendwo zwischen den Teilen angesiedelt. Mel Gibson schied damit für die Hauptrolle aus. Die Wahl fiel auf den actionerprobten Briten Tom Hardy. Miller führt erneut Regie.

Die Story ist simpel, steckt voller Archetypen. Der Regisseur legt seinen Fokus ganz bewusst auf das Visuelle. Bevor er sich mit seinen Koautoren ans Drehbuch setzte, machten sich fünf Zeichner daran, ein 3500 Bilder starkes Storyboard zu Papier zu bringen. Miller wollte, dass sein Film ohne viele Worte rund um den Globus funktioniert. Das ist gelungen. Tom Hardy gibt sich als Max noch maulfauler als Mel Gibson. Optisch ist der Film überwältigend.

"Mad Max: Fury Road" ist eine zweistündige Actionsequenz ohne große Verschnaufpausen. Eine Freakshow auf der Hatz. Körperlich Deformierte bevölkern diese Endzeitvision ebenso wie die tonnenschweren Höllenmaschinen aus Schrott und Stahl, mit der die Freaks die Frauen verfolgen. Im vierten Teil darf nun endlich auch das weibliche Geschlecht – allen voran Charlize Theron als Furiosa – kräftig austeilen.

Im Nacken sitzen den Flüchtigen stets Immortan Joes Krieger mit ihren weißen Körpern, den kahlrasierten Schädeln und den schwarz geschminkten Augen. Wenn sie sich an ihren langen Stäben bei voller Fahrt von Wagen zu Wagen schwingen, Sprengsätze werfen und meterweit durch die Luft fliegen, gleicht das einer Zirkusnummer auf Speed. "Mad Max: Fury Road" ist bezingetriebenes Adrenalinkino, pure Kinetik. Todesakrobatik vor roter Wüstensonne.

Fazit: Mit "Mad Max: Fury Road" zeigt der 1945 geborene Regisseur George Miller, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Beginn der Filmreihe setzt er erneut Maßstäbe im Actiongenre. Die Geschichte ist dabei zu vernachlässigen. Dafür entschädigen halsbrecherische Stunts in Hochgeschwindigkeit.





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