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Woher weißt du, dass es Liebe ist - Hauptplakat
Woher weißt du, dass es Liebe ist - Hauptplakat
© 2010 Sony Pictures Releasing GmbH

Kritik: Woher weißt du, dass es Liebe ist? (2010)


Wenn Tragikomödienspezialist James L. Brooks einen Film mit Reese Witherspoon, Owen Wilson, Paul Rudd und Jack Nicholson dreht, sind die Erwartungen zweifellos hoch. Zwar hat Brooks als Regisseur erst sechs Filme gedreht, aber er hat Shirley MacLaine zu einem, Jack Nicholson sogar zu zwei Oscars verholfen und mit „Zeit der Zärtlichkeit“ und „Besser geht’s nichts“ herausragende Beiträge zu diesem Genre geschaffen.

Auch die Handlung von „Woher weißt du, dass es Liebe ist“ verspricht anfangs gute Unterhaltung: Die Softballspielerin Lisa Jorgenson (Reese Witherspoon) wird mit 31 Jahren nicht mehr für das Nationalteam der USA nominiert und verliert damit ihren Lebensinhalt. Spaß und Ablenkung findet sie bei dem Baseball-Profi Matty (Owen Wilson), der sein luxuriöses Sportlerleben genießt. Dann trifft sie bei einem Blind Date den Anwalt George (Paul Rudd), der gerade wegen vermutlich illegalen Geschäften seines Vaters (Jack Nicholson) ins Visier der Bundesbehörden geraten ist. George glaubt, in Lisa die perfekte Frau gefunden zu haben. Lisa aber, die gerade mit Matty zusammengezogen ist, weiß nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen soll.

Diese Konstellation könnte nun Ausgangspunkt einer schwungvollen Komödie sein, aber von Anfang an zünden die Pointen nur selten. Im weiteren Verlauf des Films wird zudem deutlich, dass es Brooks nicht gelingt, aus seinen Figuren wirkliche Charaktere zu entwickeln. Lisas bisheriges Leben als Sportlerin wird zwar anfangs lang gezeigt, spielt aber im weiteren Verlauf des Films kaum eine Rolle. Stattdessen sollen auffällig häufige Nahaufnahmen von Reese Witherspoon den Zuschauer daran erinnern, welch einzigartige Frau hier nach der Liebe sucht, die sie – nach eigenem Bekennen – niemals empfunden hat. Warum sich George überhaupt in Lisa verliebt, erschließt sich dem Zuschauer ebenfalls nicht. Während dem oberflächlichen Matty guter Sex und wenig Gefühlsduselei als Grund für eine Beziehung glaubhaft ausreichen, bleibt George einfach ein netter Kerl. Ein Happy End für Lisa und George wünscht man sich deshalb aber nicht unbedingt.

Nur in wenigen Einstellungen wird deutlich, wie gut dieser Film hätte sein können. In den Vater-Sohn-Momenten entfaltet der Film durch das Zusammenspiel von Jack Nicholson und Paul Rudd Charme, die großen Momente aber gehören Georges schwangerer Sekretärin Annie (Kathryn Hahn). Dieser eigentlich unnötige Nebenhandlungsstrang entfaltet viele Emotionen, Annies überschwängliche Fürsorge ist herzerwärmend, die Liebeserklärung des Vaters ihres Kindes ist rührend. In dieser Szene rücken die eigentlich Hauptdarsteller völlig in den Hintergrund – und das liegt nicht nur an dem Regisseur.

Dabei leidet der Film auch an seiner Länge. Das harmlose Geplänkel wäre über 90 Minuten durchaus nett anzusehen, aber für zwei Stunden reicht die Handlung nicht aus. Dem Plot fehlt der Zusammenhang, die immanente Dynamik und das richtige Timing. Vor allem aber gelingt es Brooks im Gegensatz zu seinen bisherigen Filmen nicht, seine Charaktere in der Gegenwart zu verankern. Stattdessen erinnern das Set, die Ausstattung und die Lichtsetzung an ein typisches Nancy-Meyer-Setting. Aber Komödien wie „Was das Herz begehrt“ oder auch „Wenn Liebe so einfach wäre“ leben von ihren Hauptfiguren, die sich in Schöner-Wohnen-Kulissen mit ihren Konflikten auseinandersetzen. Diese Filme funktionieren dank starker Protagonistinnen und Schauspielerinnen wie Diane Keaton und Meryl Streep. Doch in „Woher weißt du, dass es Liebe ist“ wischt Lisa Probleme mit Kalenderweisheiten vom Tisch und Reese Witherspoon bleibt hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Fazit: Letztendlich ist „Woher weißt du, dass es Liebe ist“ für einen gemütlichen Fernsehabend auf dem Sofa geeignet, an dem man einen schlechten Tag vergessen will. Hauptsächlich aber bleibt der Film vor allem aufgrund seines verschenkten Potentials in Erinnerung. Schade!




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