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The American
The American
© 2010 Focus Features

Kritik: The American (2010)


Schon die Anfangssequenz ist ruhig und kühl: Eine Kamerafahrt erfasst eine Winterlandschaft im schwedischen Dalarna, das Ziel ist ein einsames Haus. Im Inneren umarmt eine Frau einen Mann, später verlassen sie die Wärme des Hauses und machen einen Spaziergang. Sie scheinen wunschlos glücklich – bis die Frau Spuren im Schnee entdeckt. Jäh beendet ein Scharfschütze diese Idylle. Es kommt zu einem Feuergefecht, an dessen Ende nur noch einer lebt: der geheimnisvolle Jack (George Clooney), womöglich ein Auftragskiller. Nach diesen Ereignissen reist er nach Rom, um von seinem Auftraggeber zu erfahren, wer ihn verraten haben könnte. Aber er erhält nur den Rat, sich in einem italienischen Bergdorf in den Abruzzen zu verstecken. Dort solle er aber keine Freunde finden, denn diese stellten in seinem Metier eine Gefahr dar. Längst ahnt der Zuschauer, dass Jack mittlerweile an seinem Dasein zweifelt und womöglich Frauen sein Schwachpunkt sein könnten.

Der Film von Anton Corbijn basiert auf dem Roman "A Very Private Gentleman" von Martin Booth, der in Stil und Gestaltung aber gänzlich anders ist. Dem Ich-Erzähler des Romans setzt Corbijn vor allem eine stilistische gelungene, sehr deutliche Farbgebung gegenüber. Das anfänglich winterlich-schwedische Weiß wird in den Reiseszenen zu einem immer wärmer werdenden Gelb und mündet schließlich in ein italienisches Braun. Insbesondere die Landschaftsaufnahmen der Abruzzen sind hierbei bemerkenswert, denn Corbijn bildet ein Italien ab, das mit der typischen Toskana-Pittoreske wenig gemein hat. Zusammen mit dem Soundtrack von Herbert Grönemeyer lassen diese kargen und schönen Bilder eine ruhige, melancholische Stimmung entstehen, die durchaus an Antonioni- oder sogar an die von Corbijn im Making-of angesprochenen Leone-Filme denken lässt.

Allerdings ist "The American" kein Western, obwohl er sowohl in den Bildern als auch der Handlung durchaus Elemente des Genres enthält. In "The American" geht es vor allem um Erlösung, nach der Jack am Ende seiner Karriere sucht. Diese Rolle wird von George Clooney sehr konzentriert gespielt, er lächelt in dem gesamten Film kein einziges Mal. In erster Linie arbeitet er mit seinen Blicken, mit denen er eine beachtliche Präsenz entwickelt. Diesen Blicken, mit denen er einen Raum oder einen Markt absucht, ist das labyrinthische Dorf entgegengesetzt, in dem sich Jack fortbewegt und seinen Verfolgern hinterher jagt. Diese engen Gassen des Dorfes symbolisieren Jacks innere Gefangenheit, nur an einem Fluss findet er Ruhe. Hier entspannen sich bisweilen seine Gesichtszüge und dann ist seine Sehnsucht nach einem friedlichen Leben erkennbar.

Spannung kommt in "The American" allerdings nicht auf, dafür sind die Elemente der ohnehin reduzierten Handlung allzu bekannt. So bieten sich Jack zwei Optionen für Erlösung: Seelisch durch einen Priester und körperlich durch die Prostituierte Clara (Violenta Placida). Selbst der unvermeidliche Showdown kommt wenig überraschend, aber gerade mit dieser Unaufgeregtheit, den schönen Bildern und seinem Hauptdarsteller unterhält der Film bestens.

Fazit: Die großartigen Bilder lassen über die klischeehaften Frauenfiguren und den Mangel an Spannung hinwegsehen, außerdem trägt George Clooney diesen Film fast im Alleingang. Nur in "A Single Man" hat ein Mann schöner gelitten.





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